Es ist Bockbier-Zeit

Kolumne26. November 2013, 17:04
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Um das Bockbier ranken sich viele Mythen - Und die sind, was sie sind - Mythen eben

Dass die saisonalen Bockbiere absolut nichts mit den auf vielen Etiketten abgebildeten Böcken zu tun haben, hat sich schön langsam herumgesprochen: Bockbier hat seinen Namen von der Stadt Einbeck - und das "einpöckisch Pier" ist halt im süddeutschen Sprachraum zu "a Bockbier" geworden.

Aber dann ist da noch die Geschichte von den Bierkiesern, den Prüforganen städtischer Behörden, die sich immer wieder erzählten Mythen zufolge mit Lederhosen auf eine mit Bockbier begossene Bank setzen sollten, um festzustellen, ob das starke Bier auch genügend Klebekraft hat, Hose und Bank zusammenpicken zu lassen.

Belegt wird die Geschichte meist mit einem (immer wieder demselben, im Stil des 19. Jahrhunderts gezeichneten) Bild jener Szene. Aber die Story ist eine Erfindung eben jenes historisierenden Jahrhunderts - angeblich hat man sie Theodor Fontane aufgeschwatzt, jedenfalls wurde sie von vielen Brauereien verbreitet, aber nie belegt.

Sachlich hat sie auch keine Berechtigung: Gutes Bockbier soll ja eben nicht klebrig-süß sein, sondern kräftig-alkoholisch mit einem (trotz durchaus erwünschter Vollmundigkeit) trockenen Nachtrunk - würde es Hose und Bank aneinanderkleben, wäre wohl etwas mit der Vergärung schief gelaufen und zu viel Malzzucker und zu wenig Alkohol im Bier. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 22.11.2013)

  • Gutes Bockbier soll kräftig-alkoholisch sein. Gemessen wurde das - so zumindest der Mythos - mit der "Starkbierprobe".
    foto: www.braukultur-franken.de

    Gutes Bockbier soll kräftig-alkoholisch sein. Gemessen wurde das - so zumindest der Mythos - mit der "Starkbierprobe".

  • >>> zur Rondo-Coverstory
    foto: dan saelinger / corbis
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