Unter Wasser, aber nicht für die Fisch!

Kolumne2. Dezember 2013, 08:43
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Im Winter ein Aquarium zu bepflanzen ist keineswegs Trockentraining - Man kann viel lernen für die nächste Gartensaison

Fucking Frost, feixt Fauma vor der frierenden Flora. Denn wenn der Frost die letzten Mohikaner der Gartensaison weggeräumt hat, bleibt wirklich nicht mehr viel übrig da draußen, im eisigen Garten. Das bedeutet für nichtfrostresistente Pflanzen, dass sich in deren Innerem Eiskristalle bilden, spitz und scharf, welche die Zellen von innen her zerstören. Sie penetrieren die Zellwände, die Zelle läuft aus und stirbt. Sieht aus wie Welke, ist Welke und bedeutet dasselbe Schicksal: Komposthaufen.

Gartlerin und Gärtner ziehen sich nun immer öfter zurück in die warme Wohnung, ziehen sich die Tuchent bis zur Nasenspitze - gerade so weit, dass sie noch in den Sachbüchern ihrer Wahl lesen können. Und was kann das schon anderes sein als Aquarienliteratur! Wenn es draußen garstig und drinnen wohlig ist, ist die Entscheidung gefallen: Gartler und Gärtnerin können endlich ihrem über den Sommer vernachlässigten Hobby, der Aquaristik, nachgehen.

Gärten hinter Glas

Aquarien sind Gärten nicht unähnlich. Zuerst einmal muss der Boden passen, damit die Pflanzen darin Halt und Futter finden. Wer den Boden seines Aquariums penibel von verrottendem Material befreit, wird mittelfristig wenig Freude damit haben. Die Protonen der Mullschicht, jener obersten Bodenschicht aus toten Pflanzenresten, Schneckengacks und unzähligen Mikroorganismen, sind der wesentliche Puffer für ein funktionierendes System, innerhalb dessen der übliche Stoffwechselkreislauf stattfindet. Das ist dem Garten demnach ganz und gar nicht unähnlich. Also, Boden nicht absaugen!

Weiters wesentlich für wildes Gedeihen der Pflanzen ist die richtige Lichtquelle über Wasser. Die meisten Aquariengeschäfte haben dazu die passenden Leuchtstoffröhren. Was braucht es noch für den Unterwassergarten? Wasser und einen Filter. Der Filterauslass bewegt das Wasser, die Pflanzen wiegen sich in der Strömung, genauso wie es der Weizen im heißen Juliwind macht.

Bunt ohne Schädlinge

Wer jetzt noch bunte Süßwassergarnelen dem Becken zufügt, hat fast alles im Zimmer, was die Gartlerseele braucht. Schöne Pflanzen, unschädliche Tiere, zarte Bewegung und angenehmes Licht. Und wie im Garten kann man auch im Aquarium gestalterisch aktiv werden.

Man setzt etwa rotblättrige, niedrige Wasserpflanzen mit schmalen Lanzettblättern vor hellgrüne, fiederblättrige Wuchernde, die bis an die Oberfläche reichen. Man bindet saftig grüne Moose an Steinen fest, drapiert Wurzelgehölz, um dem Boden Struktur zu geben, und beachtet all jene Kniffe, die einem im kommenden Frühjahr helfen werden, den Outdoor-Garten erfolgreich zu gestalten.

Von nichts zu viel und nichts zu wenig - den Pflanzen Raum zur Entfaltung lassen, natürliche Pflanzengenossenschaften zusammenhalten und mit Exotischem sparsam umgehen. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 22.11.2013)

Tipp für Aquarien-Gärtner: Hohe Aquarien bieten Platz für eine hohe Bodenschicht und die schönsten Wasserpflanzen. Mit langen Metallpinzetten und speziellen Scheren kann man gestalterisch aktiv werden, ohne die Taucherbrille aufsetzen zu müssen.

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