Die Crux mit der Kaderregelung

Blog19. November 2013, 01:06
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Salzburg dominiert, Znojmo spielt groß auf und die erste Transferfrist hinterlässt Löcher in den Kaderlisten der Teams

Auch nach der Länderspielpause wird die Erste Bank Eishockey Liga vom EC Salzburg dominiert. Die Bullen punkteten seit 29. September in jeder ihrer Partien, zur Hälfte der ersten Phase des Grunddurchgangs wächst der Vorsprung auf die Verfolger kontinuierlich an. Salzburgs Überlegenheit gegenüber der Konkurrenz drückte sich in den letzten 16 Spielen in eindrucksvollen Zahlen aus: 31 zu 4 Punkte, 74 zu 25 Tore, 667 zu 368 Schüsse, 702 zu 21 Minuten in Führung.

Freigaben für Legionäre

Am anderen Ende der Tabelle findet sich nach wie vor Olimpija Ljubljana, beim 5:2 gegen Székesfehérvár am Sonntag (alle fünf Tore und 14 Scorerpunkte von slowenischen Spielern) konnten die Drachen aber zumindest ihren dritten Saisonsieg verbuchen. Seinen wichtigsten Kampf führt der Vizemeister von 2008 allerdings weiterhin abseits des Eises, die vor zwei Wochen an dieser Stelle dargestellte Situation hat sich nicht wesentlich verbessert. Einzelne Gruppen von Spielern warten unterschiedlich lange auf ihre Gehälter.

Auch bei den Verträgen der Importspieler hat sich Olimpijas Management verkalkuliert und nun, gut zwei Monate nach Saisonbeginn, festgestellt, dass diese nicht für das komplette Spieljahr ausfinanziert sind. Den beiden bestbezahlten Legionären im Team wurde am vergangenen Donnerstag mitgeteilt, dass ihnen der Klub gegebenenfalls sofort die Freigabe erteilen würde. Ligainterne Transfers standen im Raum, scheiterten jedoch an der Kurzfristigkeit, da Legionärswechsel innerhalb der EBEL nur bis zur Nacht zum Dienstag möglich waren. Der in der Vorwoche auf Leihbasis zum Team gestoßene Verteidiger Kenny MacAulay wird weiterhin von seinem formellen Arbeitgeber Medveščak Zagreb bezahlt.

Auf Kurs in Richtung Platzierungsrunde

Auch Tschechiens Vertreter in der Liga, Orli Znojmo, ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, die Südmähren haben ihre Vereinsgebarung aber weitestgehend im Griff und überzeugen zudem sportlich. Das Team von Trainer Jiří Režnar hat in mehr als drei Viertel seiner Saisonspiele gepunktet, zuletzt wurden am Freitag die Vienna Capitals mit 4:0 abgefertigt. Vor einer stimmungsvollen Kulisse, die an beste Play-Off-Zeiten erinnerte, brillierte Znojmo vor allem eisläuferisch und zeigte Schwachpunkte im Wiener System schonungslos auf.

Obwohl Richard Jarůšek, der letztjährige Topscorer, schon seit fünf Wochen aufgrund einer Gehirnerschütterung ausfällt, sind die Adler in der Offensive das viertstärkste Team der Liga (3,43 Tore pro Spiel). Adam Havlík (22) und Petr Beránek (20) punkten konstant, Allrounder Jan Lattner (23) präsentierte sich im bisherigen Saisonverlauf als auffälligster Akteur und Peter Pucher, mit 39 Jahren der älteste Spieler der gesamten EBEL, verleiht dem Spiel Form und Struktur.

Insgesamt befindet sich Znojmos Mannschaft nach wie vor in einem Reifungsprozess, ob sie bereits die für durchschlagenden Erfolg in den Play-Offs nötige Abgebrühtheit mitbringt, darf bezweifelt werden. Spielerisch sind die Tschechen jedoch das mit Abstand stärkste internationale Team der Liga, sie haben beste Chancen, in ihrer dritten EBEL-Saison erstmals die Qualifikation für die Platzierungsrunde zu schaffen.

Konstanz zwischen den Pfosten

Einer der zentralen Bausteine für Znojmos momentanen Erfolg ist auch Torhüter Sasu Hovi. Er stieß im September nach einer einjährigen Auszeit zur Mannschaft, das mit dieser Transferentscheidung vom Verein eingegangene Risiko hat sich bezahlt gemacht. Der Finne avancierte in 15 Einsätzen mit nur drei Niederlagen nach 60 Minuten zu einem der zuverlässigsten Schlussmänner der Liga.

Die folgende Zusammenstellung weist Hovi sogar als den konstantesten aller Stammtorhüter in der EBEL aus. Berechnet wurde dabei, wie weit der Gegentorschnitt (GAA) eines Goalies in jedem einzelnen seiner Saisonspiele im Mittel von seinem individuellen Gegentorschnitt für die gesamte bisherige Spielzeit abweicht.

Während Sasu Hovi (2,75 Gegentore pro 60 Minuten) und Bozens Jaroslav Hübl (2,80) ihren Schnitt am konstantesten halten können, findet sich 99ers-Torhüter Dany Sabourin, der seinen Vertrag in Graz in der letzten Woche bis 2016 (plus Option) verlängerte, am unteren Ende des Spektrums wieder, nachdem er in dieser Saison bereits zwei Mal ausgewechselt wurde. Bei Salzburgs Luka Gračnar, mit 2,08 Gegentreffern pro Spiel der statistisch beste aller 28 ligaweit eingesetzten Goalies, bedingte der holprige Saisonstart vergleichsweise hohe Schwankungen. Zuletzt eilte er mit seinem Team jedoch von Sieg zu Sieg, seit 10. September musste er keine Niederlage in regulärer Spielzeit mehr hinnehmen.

Capitals können numerischen Vorteil nicht nützen

Ein vorläufiges Ende der Aufholjagd in der Tabelle erlebte am vergangenen Wochenende der amtierende Vizemeister aus Wien, bereits zum dritten Mal in dieser Saison setzte es zwei Niederlagen hintereinander. Dabei schwächelten die Capitals speziell im Powerplay, seit 27:50 Minuten gelang ihnen bei numerischer Überlegenheit kein Treffer mehr.

Adressat der entsprechenden Kritik sind im Besonderen die Importspieler, denen Trainer Tommy Samuelsson im Powerplay vornehmlich vertraut: Von den zehn Wienern, die in der laufenden Spielzeit in Überzahl Scorerpunkte für sich verbuchen konnten, sind gleich neun Imports. Einzige rot-weiß-rote Ausnahme ist Rafael Rotter, der im Powerplay zwar ausreichend Eiszeit erhält, dabei jedoch (wie schon im Vorjahr) eher wie ein Fremdkörper wirkt. Zeugnis über seine relative Ineffektivität in Überzahlsituationen legen die entsprechenden Zahlen ab, dem Flügelstürmer gelangen nur ein Tor und zwei Assists bei numerischer Überlegenheit.

Kaderregel zwingt zwei Teams zum Handeln

Vorerst weiterhin nicht im aktiven Kader der Vienna Capitals aufscheinen wird der verletzte Verteidiger Philippe Lakos. Mit dem Ende der ligaweiten Try-Out-Phase in der Nacht zum Dienstag verstrich nicht nur die EBEL-interne Übertrittszeit für Legionäre, ab sofort ist auch die Anzahl der An- und Abmeldungen pro Team limitiert: Bis zum internationalen Transferschluss am 27. Februar 2014 darf jeder Klub nur noch drei Tauschvorgänge (plus einen optionalen Wechsel auf der Torhüterposition) vollziehen. Da der opulente Roster Wiens die in der Kaderregel vorgeschriebene Höchstgrenze von 60 Punkten überschreitet, bleibt Lakos vorerst abgemeldet. Wenn er nach seiner Verletzungspause ins Team zurückkehrt, werden die Capitals an seiner statt einen anderen Spieler abmelden und damit einen ihrer Tauschvorgänge verbrauchen müssen.

Ähnlicher Bedarf an einer Punktereduktion bestand auch beim Titelverteidiger aus Klagenfurt, der nach der Rückkehr von Martin Schumnig und der Vertragsverlängerung für Colton Fretter die 60-Punkte-Marke ebenfalls überschritt. Beim KAC hat man sich am Montag daher dazu entschieden, Defender Herbert Ratz abzumelden. Nach 635 EBEL-Spielen und 61 Toren (zweithöchster Wert eines KAC-Verteidigers seit der Liganeugründung im Jahr 2000) für den Rekordmeister wechselt der 32jährige also in den Standby-Modus. Auch die Klagenfurter würde es einen ihrer drei Tauschvorgänge kosten, ihn im weiteren Saisonverlauf gegebenenfalls ins Lineup zurückzuholen. (Hannes Biedermann, derStandard.at; 19.11.2013)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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