Jugendliche Flüchtlinge: Von Traiskirchen ins Gymnasium

18. November 2013, 18:28
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Der Afghane Zaker Soltani wurde vor einem Jahr von Traiskirchen nach Vorarlberg gebracht. Heute besucht er ein Gymnasium in Feldkirch und malt Bilder

Bregenz - Großformatige Gemälde in leuchtenden Farben, fotorealistische Menschenbilder aus einem fernen Land führen in der Alten Seifenfabrik in Lauterach bei Bregenz in eine fremde Kultur. Nach Afghanistan und Pakistan, in die Welt, die Zaker Soltani, Najib Alami und Manzor Ahmad verlassen mussten, aber auch in die Welt, in der die drei Jugendlichen heute leben. Die drei wurden 1997 und 1998 in Afghanistan geboren. Außer künstlerischem Talent haben sie gemeinsam, dass sie aus ihrer Heimat vor Krieg und Terror flüchten mussten und nach Monaten in Traiskirchen landeten.

Zaker Soltani führt stolz durch seine erste Ausstellung. Wunderbare Räumlichkeiten habe sein Mentor Hans Kallinger für die Präsentation seiner Werke gefunden, verweist der junge Mann auf das Ambiente. Gemeinsam mit seinem Freund Najib Alami hat sich Soltani einen Wunsch erfüllt: die öffentliche Präsentation seiner Arbeiten. "Jugendwerk" lautet die selbstbewusste Überschrift.

Gefühle vermitteln

Nicht um das Verkaufen gehe es ihm, sagt Zaker, "ich möchte meine Gefühle, meine Gedanken mitteilen". Mit Manzor Ahmad, der erst seit letztem Sommer in Österreich ist, hat sich ein dritter junger Künstler angeschlossen. Der 15-Jährige ist der Zimmerkollege von Najib Alami im Linzer Wohnheim. Die Sehnsucht nach Freiheit, aber auch Gewalt und Krieg sind die Themen.

Zaker Soltani war einer von 13 Jugendlichen, die vor einem Jahr von Traiskirchen nach Vorarlberg gebracht wurden. Ungefragt musste er von der nahen Kulturmetropole Wien, wo er mit Najib von einem Museum ins nächste zog, in die Oper ging, von einem Studium an der Angewandten träumte, in den äußersten Westen ziehen. Ungern sei er gegangen, war damals im Standard zu lesen. Ja, das war so, erinnert sich Zaker, aber heute schaue alles ganz anders aus. Er sei sehr gut aufgenommen worden.

Musischer Zweig

Heute geht er ins Gymnasium. Zaker strahlt: "Ja, ich besuche die 5. Klasse des Gymnasiums Schillerstraße, und zwar als ordentlicher Schüler." Er geht in den musischen Zweig, freundet sich gerade mit einer Geige an, plagt sich mit der Notenlehre. Deutsch spricht er fließend, besser als manch Vorarlberger. "Für den Dialekt scheine ich kein Talent zu haben", bedauert er höflich.

Die vielen Wiener Museen fehlten ihm schon, räumt Zaker ein. Zürich, Basel, München, Mailand, Paris - für Vorarlberger Kulturtouristen ein Katzensprung - sind für den jungen Mann unerreichbar. Subsidiär schutzberechtigt lautet sein Status. So einfach von einem Land ins andere reisen spielt es da nicht. (Jutta Berger, DER STANDARD, 19.11.2013)

"Jugendwerk" Malerei - Zeichnung - Installation. Bis 26. 11., 17 bis 21 Uhr in der Alten Seifenfabrik, Lauterach, Bahnhofstraße 3

  • Zaker Soltani will mit seinen Bildern Einblick in die Gefühlswelt eines jungen Flüchtlings geben. Der Afghane musste aus seiner Heimat fliehen und verarbeitet seine Erlebnisse nun beim Malen.
    foto: christian grass

    Zaker Soltani will mit seinen Bildern Einblick in die Gefühlswelt eines jungen Flüchtlings geben. Der Afghane musste aus seiner Heimat fliehen und verarbeitet seine Erlebnisse nun beim Malen.

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