Auslandsdeutsche

18. November 2013, 18:02
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Doku-Reihe "Hinter fremden Gittern" führt sozialpornografisch Auslandsdeutsche in Haft vor

Nachdem Mallorca thematisch bis auf den letzten runzeligen Pensionisten und sein uninteressantes Schicksal ausgequetscht ist, widmet sich Kabel 1 in der Doku-Reihe "Hinter fremden Gittern" Auslandsdeutschen, deren Geschichten rein sozialpornografisch doch mehr hergeben. Am Sonntag wurden Insassen in Gefängnissen in Panama und in Peru gezeigt, also vorgeführt.

In Panama sitzt der 32-jährige Marco im Knast El Renacer. Dauer ungewiss. Sein Delikt: Er wurde als Drogenkurier erwischt. Im Vergleich zu der deutschen Gang, die in Peru wegen Drogenhandels einsitzt und die im zweiten Teil präsentiert wurde, ist er der Sympathieträger des Abends. Als Außenseiter versucht er irgendwie zu überleben. Ein tagtäglicher Kampf sei das, wie die Stimme aus dem Off nicht müde wurde zu wiederholen.

Die Aufmerksamkeit der Macher lag in beiden Fällen auf der Gefährlichkeit des Gefängnisalltags. Drogen, Korruption, Geld, Gewalt. Alles nichts Neues, dennoch immer wieder abschreckend anziehend. Davon wurde im Tonfall objektivierter Sensationsgeilheit berichtet. So, wie andere Schauermärchen vortragen. Mit dem Unterschied, dass diese Geschichten echt sind.

So echt, dass sich die deutschen Insassen in Peru in schönster Kolonialistenmanier über die "Dritte-Welt-Zustände" in ihrem Gefängnis echauffierten. Dagegen sei jeder Knast in Deutschland ein Fünf-Sterne-Hotel. Muss man das kommentieren? Man muss nicht.

Am Ende war es wie mit den Mallorca-Invasoren. Manche, wie Marco, erschienen halbwegs sympathisch, bei jenen in Peru hatte man das Gefühl, sie seien ganz gut aufgehoben, dort, wo sie sind. (Karl Fluch, DER STANDARD, 19.11.2013)

  • Ein Blick in ein Gefängnis des Armenviertels von Lima, der Hauptstadt Perus.
    foto: screenshot: kabeleins.at

    Ein Blick in ein Gefängnis des Armenviertels von Lima, der Hauptstadt Perus.

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