Landau und Küberl für mehr Solidarität: "Sonst droht sozialer Tsunami"

Ansichtssache18. November 2013, 17:57
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Designierter und scheidender Caritas-Präsident stellen fünf Forderungen auf

Wien – Franz Küberl, noch Präsident der Caritas Österreich, und Michael Landau, Küberls Nachfolger in dieser Position, stellten am Montag im Speisesaal der Gruft bei einer Pressekonferenz Forderungen an die Politik. Die beiden mahnten dabei zu mehr Mut und Solidarität in Österreich und Europa. "Europa wächst zusammen, nicht aber die Menschen", meinte Landau. "Es genügt nicht, wenn Europa heute eine Banken- und Wirtschaftsunion ist. Europa muss auch zur Solidaritäts- und Sozialunion werden, sonst droht uns ein sozialer Tsunami".

Das Budget in Österreich dürfe zudem nicht auf Kosten der Ärmsten saniert werden, es bedürfe weiterer Investitionen in die Pflege, einer EU-weiten Flüchtlingspoltik und einer "Schubumkehr“ bei der Entwicklungszusammenarbeit, sagten die beiden. Österreich liegt bei den Entwicklungshilfeausgaben noch weit unter dem Ziel der 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

"Mutinjektion der Politik"

"Ich würde mir eine Mutinjektion der Politik wünschen", ergänzte Landau. Politiker sollten in "Blickkontakt mit der Not der Bedürftigen treten". Was sie zum Beispiel in Einrichtungen wie der zweiten Gruft tun könnten: "Mit 700 Euro kommt man nicht weit", sagt dort etwa Aloisia K. Die 74-Jährige geht täglich in die zweite Gruft essen. Ihre Sitznachbarn am Tisch seien für sie "wie eine Familie", sagt sie.

In den Stockwerken über dem Speisesaal des Tageszentrums, in der Helfer Essen für Bedürftige ausgeben, übernachten derzeit 60 Männer und bis zu 16 Frauen, die aus anderen EU-Ländern nach Österreich kommen und für die es sonst kaum Notschlafstellen gibt. Die Betten sind voll belegt, mehrere Männer verbringen die Nächte daher auf Iso-Matten in Schlafsäcken. (Gudrun Springer, derStandard.at, 18.11.2013)

foto: apa/roland schlager

Franz Küberl (l.) und Michael Landau am Montag in ihrer ersten gemeinsamen Pressekonferenz nach der Wahl Landaus zum Nachfolger als Präsident der Caritas Österreich. Die offizielle Amtsübergabe an den Direktor der Caritas Wien erfolgt am 29. November.

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Ort der Pressekonferenz war das Tageszentrum der zweiten Gruft in Wien Währing, für Landau gibt es "kaum einen besseren Ort, um zu sehen, wie es um den Kontinent bestellt ist".

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In den Stockwerken übe dem Tageszentrum befinden sich die Betten für Bürger aus EU-Staaten. Die meisten kommen aus Rumänien und Bulgarien, wobei die Zahl der Ungarn wächst. Dieser Schlafsaal bietet Platz für 16 Frauen.

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Ein Gang zu Schlafsälen. Nicht in allen Räumen stehen Betten, mehrere Männer nächtigen auf Iso-Matten in Schlafsäcken.

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Ein Männerschlafsaal der zweiten Gruft. Insgesamt nutzen derzeit 60 Männer das Notschlafquartier in der zweiten Gruft. Da die Stadt die Finanzierung von 30 Plätzen über den Winter übernimmt, wurde mit 15. November auf 60 Schlafplätze aufgestockt. Laut Einrichtungs-Leiter Günter Wimmer waren die neuen Plätze "sofort belegt".

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