Klimaschutz-Index: Österreich verbessert sich

18. November 2013, 12:04
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Österreich steigt von Platz 35 auf 29 - Global 2000: "Brauchen langfristig stabile Förderbedingungen" - Greenpeace: "Großes Potenzial wird nicht ausgenutzt"

Warschau/Wien - Gute und schlechte Nachrichten gibt es vom Klimaschutz-Index, der am Montag von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch präsentiert worden ist. Einerseits habe bisher keiner der 58 größten Treibhausgas-Produzenten genug unternommen, um den Wandel abzuwenden. Andererseits habe China als CO2-Emittent Nummer 1 seine Klimaschutz-Anstrengungen "merklich verstärkt".

"Keines der 58 größten Emittentenländer unternimmt bisher genug, um einen gefährlichen Klimawandel abzuwenden. Gleichzeitig erreichen die Emissionen weltweit einen neuen Höhepunkt." So lautet eine der Botschaften Klimaschutz-Index 2014. "Dennoch gibt der Index auch erstmals Grund zu vorsichtigem Optimismus", erklärte der Hauptautor des Index, Jan Burck von Germanwatch, am Rande des Weltklimagipfels in Warschau. "Wir sehen positive Anzeichen dafür, dass sich der globale CO2-Emissionsanstieg verlangsamt." Ein Grund dafür sei, dass China als größter CO2-Emittent seine Klimaschutz-Anstrengungen merklich verstärkt.

Allerdings wurden die ersten drei Plätze des Index neuerlich bewusst nicht vergeben, der die Klimaschutz-Bemühungen der 58 größten CO2-Emittenten der Welt analysiert und vergleicht. Der Grund: Kein Land unternehme genug, um eine gefährliche Erwärmung um mehr als zwei Grad Celsius zu verhindern.

Österreich verbessert, aber weit von Spitze entfernt

Österreich hat sich im Ranking sechs Plätze verbessert und stieg von 35 auf 29. Im Vergleich dazu ist Deutschland erstmals überhaupt aus den Top Ten des Index gerutscht - von Platz acht auf 19 - und laut Germanwatch damit "einer der größten Index-Verlierer". Als Hauptgrund wurde angeführt, dass Deutschland "vor allem wegen seiner Unentschiedenheit in Sachen Reform des Emissionshandels und wegen seiner Blockade der EU-Richtlinien für spritsparende Autos und Energieeffizienz" zurückgefallen sei.

Dänemark konnte seinen vierten Platz, den besten Rang in diesem Index, verteidigen. Das Land war in der Lage, sich in fast jedem für die Bewertung relevanten Bereich noch einmal leicht zu verbessern. Großbritannien rückte von 10 auf Platz fünf vor. Die Gründe liegen im Rückgang der Emissionen um erstaunliche 15 Prozent in den vergangenen fünf Jahren sowie in Verbesserungen der Energieeffizienz.

China verbessert sich

Die beiden weltweit größten Emittenten - China und USA - platzierten sich im unteren Mittelfeld. Dabei verbesserte sich China auf Platz 46. "Jüngste Daten zeigen einen langsameren Anstieg der chinesischen Emissionen und eine Entkopplung des CO2-Ausstoßes vom Wirtschaftswachstum", erläuterte Burck. Sowohl massive Investitionen in erneuerbare Energien als auch Kritik an der Kohleverstromung aus der chinesischen Führung nähren die Hoffnung auf eine weitere Verlangsamung des CO2-Emissionsanstiegs. Auch in den USA (Rang 43) sei eine aktivere Politik zur Einschränkung der Kohleverstromung zu beobachten. Mitte nächsten Jahres sollen strengere Grenzwerte für Emissionen aus älteren Kohlekraftwerken in Kraft treten.

Der Klimaschutz-Index will für Transparenz in der internationalen Klimapolitik sorgen. Auf der Basis standardisierter Kriterien bewertet und vergleicht der Index den Klimaschutz in 58 Staaten, die zusammen für mehr als 90 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen weltweit verantwortlich sind.

Lob und Tadel

Heimische Umweltschutzorganisationen hatten am Montag Lob, aber auch Tadel für das österreichische Ergebnis zu verteilen. Während Global 2000 "langfristig stabile Förderbedingungen" forderte, sieht Greenpeace "großes Potenzial", das allerdings nicht ausreichend genützt werde.

"Dass Österreich langsam zu Ländern aufschließt, die wirksame Klimaschutzpolitik betreiben, ist erfreulich. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) müssen jetzt in den Koalitionsverhandlungen jedoch dafür sorgen, dass stabile Förderbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energie und Gebäudesanierung geschaffen werden. Sonst kann Österreich die neu gewonnene Position rasch wieder verlieren - insbesondere, da die politischen Bemühungen immer noch als unzureichend bewertet werden", erklärte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000.

Wertschöpfung könne generiert werden

Während der Ausbau erneuerbarer Energie positiv bewertet wurde, erhielt die Klimapolitik in Österreich insgesamt dennoch ein schlechtes Zeugnis: Bei der Bewertung der Politik kommt Österreich nur auf den 41. Rang. "Wir brauchen langfristig stabile Förderbedingungen, anstatt ganze Branchen zu verunsichern, indem Förderungen ständig zur Diskussion gestellt oder gekürzt werden. Vor allem effiziente und wirksame Instrumente wie das Ökostromgesetz müssen weiter ausgebaut werden - Faymann und Spindelegger sollen sich dazu klar bekennen", nannte Wahlmüller einen wichtigen Faktor in der heimischen Klimapolitik.

Wahlmüller sieht für Österreich auch die Möglichkeit, zum Spitzenreiter zu werden: "Was Dänemark im Bereich der Windenergie ist, könnte Österreich beim nachhaltigen Bauen werden. Wer dieses Know-how gezielt weiterentwickelt, wird in Zukunft zum international gefragten Partner. Dafür braucht es aber mehr Geld für thermische Sanierung und die Weiterentwicklung der energetischen Standards bei Sanierung und Neubau. Mit einer gestärkten Klimaschutzstrategie wären auch klare wirtschaftliche Vorteile verbunden: Eine Anhebung der thermischen Sanierungsrate auf drei Prozent würde nicht nur eine Wertschöpfung von 5,5 Milliarden Euro generieren, sondern auch tausende Arbeitsplätze schaffen."

Kein Grund zum Jubeln

"Das Gesetz, das den Ausbau der erneuerbaren Energieträger in Österreich regelt, zeigt Wirkung. Die jährlichen Zuwachsraten an erneuerbarer Energie haben einen direkten Effekt auf das Klima", freute sich Julia Kerschbaumsteiner, Klimasprecherin von Greenpeace. Dennoch sieht sie keinen Grund zum Jubeln. Vor allem in den Bereichen Energieeffizienz und CO2 Reduktion in Sektoren wie Industrie, Haushalte und Flugverkehr hinke Österreich "massiv hinterher". Greenpeace fordert daher weitreichende Maßnahmen, wie Investitionen in thermische Sanierung, ein ambitioniertes Energieeffizienzgesetz und vor allem ein wirksames Klimaschutzgesetz, um in diesen Bereichen deutliche Verbesserungen zu erzielen.

"Das seit 2011 gültige Klimaschutzgesetz hat sich als wenig wirksam erwiesen. Ein neues Gesetz muss über das Jahr 2020 hinaus verbindliche ambitionierte Ziele zur Reduktion der Treibhausgase in Österreich festlegen", forderte Kerschbaumsteiner. "Österreich hat großes Potenzial für die Energieversorgung mit erneuerbaren Energien und damit die besten Voraussetzungen, ein internationaler Vorreiter in der Klimapolitik zu sein. Dennoch bewegen wir uns nur im Mittelfeld. Diese Performance ist nicht ausreichend, um das Weltklima zu retten. Die nächste Bundesregierung muss sich daher aktive Klimapolitik auf die Fahnen heften." (APA, 18.11.2013)

  • Österreich ist Vorreiter beim nachhaltigen Bauen - das solle man ausbauen, fordert Global 2000.
    foto: apa/griffnerhaus

    Österreich ist Vorreiter beim nachhaltigen Bauen - das solle man ausbauen, fordert Global 2000.

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