Menschliche Nase und Ohren aus dem 3D-Drucker

16. November 2013, 11:02
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Erstellungsprozess von Prothesen soll mit der neuen Technologie revolutioniert werden

Nach der ersten funktionstüchtigen Waffe aus dem 3D-Drucker dürfte nun ein weiteres Produkt, hergestellt mit der neuen Technologie, für Aufregung sorgen. Das englische Unternehmen Fripp Design hat sich der Fertigung von Prothesen verschrieben. Dies wäre nichts außergewöhnliches, wenn deren Produkte nicht aus dem 3D-Drucker stammen würden.

Kaum Modernisierung

Die Anfertigung von Prothesen geht bereits auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zurück, aus dem viele Soldaten verstümmelt zurückkehrten. Der Produktionsprozess dieser war langwierig und hat sich bis heute kaum verändert. In den USA müssen Patienten etwa 5000 Dollar (mehr als 3500 Euro) für eine prothetische Nase oder Ohr bezahlen, da diese zumeist in mühseliger Handarbeit hergestellt wird. Neben dem hohen Preis ist außerdem eine schmerzhafte Prozedur vorgesehen, da von den verstümmelten Körperteilen Abdrücke genommen werden. Danach werden diese bei einigen Sitzungen angepasst, was sich zumeist über Monate zieht.

Günstiger und schmerzlos

Fripp Design will diesen Prozess einerseits günstiger gestalten, andererseits Schmerzen beim Patienten verhindern. Zuerst nimmt das Unternehmen eine Bildmessung des verstümmelten Körperteils vor und erstellt damit ein CAD-Modell. Dieses wird danach mit MRI-Daten und CT-Scans abgeglichen und angepasst. Schlussendlich werden der virtuellen Nase noch Poren, Muttermale und Falten hinzugefügt, um die Authentizität zu erhöhen. Weiters wird das Modell an die Hautfarbe des Patienten angepasst, um einen nicht bemerkbaren Übergang zwischen echter und "unechter" Haut zu ermöglichen. In manchen Fällen können auch Familienmitglieder für eine Bildmessung hergenommen werden, um das Ergebnis zu verbessern.

Stärke-Mischung gefüllt mit Silikon

Nachdem das Model fertiggestellt wurde, geht dieses auch bereits in den 3D-Druck. Hier musste das Unternehmen mit einigen Materialien experimentieren, um ein Produkt herzustellen, das dem menschlichen Fleisch ähnelt. Das beste Ergebnis wurde mit einer Stärke-Lösung erzielt, weshalb dieses nun für die Fertigung verwendet wird. Befüllt wird das Produkt mit einer Silikon-Mischung um sowohl Robustheit als auch Elastizität zu ermöglichen. Das Endprodukt kann dann mühelos verwendet und auch wieder abgenommen werden, da während der Gesichtsrekonstruktion zumeist kleine Stahlstäbchen eingesetzt werden, an die die 3D-Prothese mittels Magnet aufgesetzt werden kann.

Probleme und Einschränkungen

Der größte Vorteil des Produkts von Fripp Design ist eindeutig die Möglichkeit eine Prothese in nur wenigen Tagen herzustellen. Trotzdem ist diese hinsichtlich der Authentizität immer noch den traditionellen Produkten unterlegen. Außerdem hat das Unternehmen noch mit Problemen bei der Fertigung von Prothesen mit dunkler Hautfarbe zu kämpfen. Bisher beschränkt sich das Angebot lediglich auf 3D-Nasen und -Ohren, da sich größere Körperteile noch nicht herstellen lassen. Trotzdem hofft die britische Firma auf einen großen Erfolg mit ihren Produkten, unter anderem auch, weil sobald ein Model besteht, dieses für wenig Geld noch einmal ausgedruckt werden kann.

Nach Nase und Ohren folgen Augen

Derzeit muss das Unternehmen noch rechtliche Gegebenheiten abklären, in der Zwischenzeit arbeitet Fripp Design bereits daran Augen aus dem 3D-Drucker in Indien zu veröffentlichen. (red, derStandard.at, 16.11.2013)

  • Nasen ...
    foto: fripp design

    Nasen ...

  • und Ohren aus dem 3D-Drucker.
    foto: fripp design

    und Ohren aus dem 3D-Drucker.

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