Taboga und das Ende eines Vorzeigeprofis

15. November 2013, 18:40
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Verlässlich, ehrgeizig, fleißig. Diese Attribute rechnete man bislang dem Fußballprofi Dominique Taboga zu. Es war weniger die technisch feine Ballbehandlung, die dem 31-Jährigen zu einer Profikarriere verhalf, als sein lange Zeit löbliches Auftreten auf dem Rasen und abseits davon. Ein ehemaliger Mitspieler bezeichnet Taboga im Gespräch mit dem Standard noch immer als "eine absolute Vertrauens- und Führungsperson". Diese Rolle füllte der Kicker des SV Grödig, dessen Vertrag aufgrund des Verdachts der Spielmanipulation aufgelöst wurde, auch im Präsidium der Vereinigung der Fußballer aus. Bei seinen Vereinen drängte er sich als idealer Kapitän förmlich auf.

Geboren in Wien, lernte der großgewachsene Innenverteidiger das Spiel beim ASV Spratzern in Niederösterreich, ehe er sich über den SKN St. Pölten und Admira Wacker bis zu Rapid emporarbeitete. Ebendort stieß Taboga als Teenager erstmals an fußballerische Grenzen, der Sprung in die Kampfmannschaft blieb ihm in Hütteldorf verwehrt. Sein Zuhause fand er ab 2001 in der zweiten Spielklasse, die weniger glamourösen Stationen waren Krems, Leoben und Kapfenberg. Mit dem KSV glückte 2008 der Aufstieg in die Bundesliga, dort gelangen ihm in einer Saison vier Tore und drei Vorlagen, respektable Werte für eine Defensivkraft. Zumindest in Norwegen ist das aufgefallen.

Taboga nutzte also die Gunst der Stunde, um nach zähen Verhandlungen Tromsø IL zu seinem neuen Arbeitgeber zu machen. 344 Kilometer nördlich des Polarkreises sollte der verkündete Traum, es Paul Scharner mit einem Wechsel über den Umweg Norwegen nach England gleichzumachen, aber scheitern. Taboga kam an der Seite von Austria-Ikone Sigurd Rushfeldt nur zu einer Handvoll Einsätzen. Ein Kurzauftritt in der Europa-League-Quali gegen Athletic Bilbao war fast das Highlight. Der Traum von einer internationalen Karriere dauerte rund ein Jahr, Kapfenberg statt Premier League, Grödig statt Kapfenberg. Dieser Tage wurde Taboga sogar auf der Webseite der US-amerikanischen Sports Illustrated genannt. Auch foxsports.com widmete dem Österreicher eine eigene Headline: "Taboga gesteht Manipulationsversuche!"

Im Profifußball wird man Taboga eher nicht mehr sehen. Ein alternder Mittelklassefußballer, der mit Wettbetrug in Verbindung gebracht wird, steht nicht hoch im Kurs. Die Zeichen stehen auf Branchenwechsel. (Philip Bauer; DER STANDARD 16./17.11.2013)

  • Dominique Taboga
    foto: apa/epa/groder

    Dominique Taboga

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