Berufsdetektiv unterwegs: Einblicke in Abgründe

16. November 2013, 12:00
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Wenn Versicherungen Zweifel an Kunden-Angaben haben, werden auch Berufsdetektive wie Peter Fürnweger engagiert

Wien - "Nehmen Sie nie ein Hotelzimmer oberhalb der Lobby, denn die Lobby ist von der Statik her der schwächste Punkt des Hotels. Die Erfahrungen zeigen, dass bei Anschlägen häufig mit dem Auto in die Lobby gefahren wird." Ratschläge wie diesen gibt Berufsdetektiv Peter Fürnweger Firmen, die ihre Mitarbeiter in gefährliche Regionen schicken. Im Hotel empfiehlt er Eckzimmer oder jene im hinteren Bereich. Aber auch nicht höher als im sechsten Stock, weil dort meist die Feuerleiter endet.

Wird ein Auto gemietet, müsse der Kofferraum separat zu versperren sein. Das verhindert, bei der Ampel ausgeraubt zu werden. Wer allein unterwegs ist, sollte tunlichst neben dem Fahrer sitzen, damit dieser nicht hinten die Türen dichtmacht. Wer ein Taxi bestellt, sollte sich von der Agentur zuvor ein Foto des Chauffeurs schicken lassen. Empfehlenswert sei es, nach der Landung, etwa auf Google, den Standort des Flughafens und jenen des Hotels einzugeben, damit "man ein Gefühl bekommt, ob die eingeschlagene Richtung auch stimmt", empfiehlt Fürnweger. Ratsam sei auch ein "präpariertes Geldbörsel", mit abgelaufener Kreditkarte und einer Vielzahl an kleinen Banknoten. "Das schaut nach viel aus, der Dieb freut sich über den Coup seines Lebens, die wirklich wichtigen Dinge aber werden in der vorderen Hosentasche verstaut."

Fürnweger kann so leicht nichts erschüttern, er war neun Jahre beim Bundesheer mit Auslandseinsätzen in Bosnien und auf dem Golan, dann folgten 22 Jahre bei der Polizei, davon 13 Jahre bei der Kripo. Sein Einsatzgebiet war die organisierte Kriminalität in den Bereichen Kfz-Verschiebung, Einbruch und Suchtmitteldelikte. Seit 2011 ist Fürnweger als selbstständiger Berufsdetektiv, Personenschützer und Sicherheitsberater tätig.

Versicherungen buchen ihn beispielsweise bei Schadensfällen über 100.000 Euro - da geht es hauptsächlich um Kfz-Diebstähle oder Leasingfahrzeuge, die nicht bezahlt werden. Fürnweger bestätigt Schätzungen, wonach jeder zehnte Schaden zu hoch angegeben wird bzw. überhaupt kein Anspruch bestünde. Bei Autos sei es sogar jeder achte Vorfall.

Fingierte Unfälle

Beliebt bei Betrügern mit Voll- oder Teilkasko seien fingierte Unfälle, wo zunächst keine polizeiliche Meldung erfolgt. Später schreibt der Betrüger seiner Versicherung, dass es einen Unfall mit Fahrerflucht gab. Bei Vollkasko zahlt die Versicherung, oft auch eine zweite, da ja sowohl der Verursacher als auch der Geschädigte Ansprüche bei der Versicherung geltend machen - sofern beide über eine Kaskoversicherung verfügen. Wiederholt sich der Vorfall öfter, wird Fürnweger eingeschaltet. Speziell, wenn bei abgesprochenen Unfällen auch Schmerzensgeld verlangt werde.

Banden, häufig aus Osteuropa, hätten sich auf sehr teure Autos jenseits der 200.000-Euro-Grenze spezialisiert. Sie arbeiten mit kopierten Schlüsseln, auf denen die notwendigen Daten des Autos gespeichert sind. Diese Daten werden von einem Originalschlüssel auf die Kopie übertragen. Anschließend wird mit dem kopierten Schlüssel die Wegfahrsperre deaktiviert. Via Handy werden manipulierte Daten über den OBD-Stecker (Kfz-Diagnosestecker) auf das Steuergerät übertragen und via kopierten Schlüssel in Betrieb genommen. In diesen Fällen werden die Autos zum Teil mittels Schlossstichs oder beschädigungsfrei mittels Störsenders geöffnet.

Wer in einer Garage oder auf einem öffentlichen Parkplatz parkt, sollte sein Auto manuell mit dem Schlüssel absperren: "Damit wird verhindert, dass bereits beim Verlassen des Autos von Verbrechern die Signale der Fernbedienung abgefangen werden oder das Signal blockiert wird", erklärt Fürnweger. Das sei alles schon passiert. Die Kriminellen drangen ins Auto, stahlen alles verwertbare - und hinterließen keine Spuren. Die Versicherung zahlte in dem Fall übrigens nicht, weil der Diebstahl nicht nachgewiesen werden konnte.

Aktuell beobachtet Fürnweger in der Drei- bis Vier-Sterne-Hotellerie eine Zunahme der sogenannten Einmietungen. Der vermeintliche Gast gibt eine Anzahlung über 500 Euro, zeigt gefälschte Dokumente, bleibt einige Wochen und ist dann spurlos verschwunden - auf nie mehr Wiedersehen.

Bei den Banken sei Betrug "an der Tagesordnung", und es gehe um gewaltige Summen. Der Vorgang: Ein Firmenkonto wird eröffnet samt Kontokorrentkredit, Einzahlungen finden statt. Nach einiger Zeit wird das Geld samt Kontokorrentkredit abgehoben. Das Bargeld wird ins Ausland gebracht oder dort investiert.

Die von der Polizei präsentierte Kriminalitätsstatistik hinterfragt Fürnweger. Denn seit 2010 werden Delikte mit "örtlichem und zeitlichem Zusammenhang", zusammengefasst. Soll heißen: Wenn in einer Siedlung zwischen 16 und 20 Uhr zehn Einbrüche stattfinden, werden diese statistisch nur einmal gezählt. Die Versicherungen zahlen freilich allen zehn Betroffenen - was sich auch in den Schadensleistungen widerspiegelt. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 16.11.2013)

  • Wer nicht auf die Ratschläge von Experten hört, geht es wie dem US-Schauspieler John Travolta, dem 2012 sein Mercedes-Cabrio von 1970 gestohlen wurde. Man fand später die Einzelteile.
    foto: reuters/handout

    Wer nicht auf die Ratschläge von Experten hört, geht es wie dem US-Schauspieler John Travolta, dem 2012 sein Mercedes-Cabrio von 1970 gestohlen wurde. Man fand später die Einzelteile.

  • Fürnweger trainiert Geschäftsreisende in heikler Mission.
    foto: weinwurm

    Fürnweger trainiert Geschäftsreisende in heikler Mission.

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