Beratungszentrum: Hilfe für die, die gekommen sind, um zu bleiben

17. November 2013, 19:13
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Das Beratungszentrum für Migranten unterstützt Zuwanderer seit 30 Jahren

"Richtig schwierig war es Anfang der 1990er-Jahre", sagt Norbert Bichl vom Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen. Mit Inkrafttreten des neuen Aufenthaltsgesetzes im Juli 1993 wurden für Zuwanderer Quoten eingeführt, die Fristen für Antragstellungen verkürzt, der Erstantrag für die Aufenthaltsbewilligung musste im Ausland gestellt werden, zählt Bichl die wichtigsten Änderungen auf. Seit 30 Jahren unterstützt das Beratungszentrum Migrantinnen und Migranten bei allen rechtlichen Belangen.

Dass diese Anlaufstelle in nächster Zukunft nicht mehr gebraucht werde, glauben mittlerweile nicht einmal mehr die idealistischsten Mitarbeiter des Zentrums. "Auch wenn es diesen Gedanken bei der Gründung durchaus gegeben hat", merkt Boris Pasalic, ebenfalls Berater im Zentrum, an.

Start 1983

Begonnen hat die Einrichtung im September 1983 im Wiener Wuk mit zwei Mitarbeitern und der Unterstützung des Sozialministeriums unter dem damaligen Minister Alfred Dallinger. Beraten wurde auf Türkisch, Deutsch und Serbokroatisch. Mittlerweile arbeiten 40 Mitarbeiter im Beratungszentrum, von denen 21 Sprachen gesprochen werden.

"Die Behandlung der ersten Generation der Zuwanderer hat Nachwirkungen bis heute", sagt Bichl. Denn viele von ihnen hätten beispielsweise kaum Pensionsansprüche erworben, und nicht mit allen Herkunftsstaaten gibt es Abkommen für die Anrechnung. In vielen Fällen würden dann die Kinder dieser Zuwanderer für den Unterhalt der Eltern aufkommen, was die Kinder aber selbst wieder in prekäre Situationen bringen könne, ergänzt er.

Heute: Fragen der Qualifikationsanerkennung

Auch die Beratung habe sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert, sagt Bichl. Waren es in den Anfangsjahren hauptsächlich Fragen der Arbeitssuche oder der Visumanträge, in den 90er-Jahren Unklarheiten beim neuen Aufenthaltsgesetz, so stehen seit rund zehn Jahren immer häufiger Fragen der Qualifikationsanerkennung im Zentrum. Und die Klienten würden nicht nur aus Drittstaaten kommen, sondern immer öfter auch aus der EU. Hier werden gerade dementsprechende Beratungsstrukturen aufgebaut, aber auch vonseiten der Politik gäbe es noch einiges zu tun.

Neben den rund 15.000 persönlichen Beratungsgesprächen werden Mitarbeiter des Zentrums auch immer wieder von migrantischen Vereinen eingeladen, um über aktuelle rechtliche Änderungen zu informieren. Weiters werde bei der Behebung legistischer Probleme mitgearbeitet. "Wir merken schnell, wie Gesetze in der Praxis ankommen, und können mit Stellungnahmen auf Probleme hinweisen", sagt Pasalic.

Kaum Konsequenzen für Arbeitgeber

Darüber hinaus beteiligt sich das Beratungszentrum auch am europäischen Migrationsdialog im Rahmen der Initiative Equal, die strukturelle Diskriminierung und Ungleichheit am Arbeitsplatz bekämpft. "Denn auch wenn alle den gleichen rechtlichen Zugang haben, heißt das noch nicht, dass damit alles gelöst ist", sagt Bichl. Dazu gebe es noch immer kaum Konsequenzen für Arbeitgeber. Häufig werde Diskriminierung erst dann sichtbar, wenn die Leute bereits längere Zeit hier sind, so Bichl.

"Den Erfolg einer Beratung bekommt man oft nicht mit", sagt Pasalic. Aber es gebe auch Klienten, die vor 20 Jahren das erste Mal da waren und jetzt wieder kommen, weil sie Unterstützung für ein Familienmitglied oder einen Bekannten brauchen. Und auch dadurch zeigt sich, dass das Beratungszentrum erfolgreich ist. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 16./17.11.2013)

  • Norbert Bichl und Boris Pasalic beraten seit 20 Jahren Migrantinnen und Migranten.
    foto: standard/urban

    Norbert Bichl und Boris Pasalic beraten seit 20 Jahren Migrantinnen und Migranten.

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