Jobchancen: Wie sich die Pharmabranche verändert

17. November 2013, 19:17
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Den Reglementierungen der Branche folgend stellen sich viele Pharmafirmen neu auf. Welche Auswirkungen das auf künftige Mitarbeiter hat, wurde im aktuellen Karrierenforum diskutiert

Life-Science als Branche stehe, so die Experten des aktuellen Karrierenforums, vor einem nächsten Verändungsschub. In den vergangenen Jahren hatte die Branche mit zahlreichen Mergern und den Herausforderungen, die damit einhergehen, zu kämpfen: Headquarters gaben dann den Takt für die einzelnen Ländergesellschaften an, die wiederum in sogenannte "Cluster" zusammengefasst wurden. Österreich etwa ist nun Teil des Clusters DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz). Von den Human-Resources-Abteilungen bis hin zu Logistik und Vertrieb waren so ziemlich alle Bereiche in der Pharma betroffen. Und nicht zuletzt warte man nach wie vor auf Ergebnisse aus der schon lange diskutierten Gesundheitsreform.

Die Diskussionsrunde, die auf Einladung von Charlotte Eblinger (Eblinger & Partner) zu den laufenden Veränderungen der stark regulierten Branche und über die Kompetenzen jener (potenziellen) Mitarbeiter diskutierte, gab sich dennoch zuversichtlich. Geladen waren Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig), Elisabeth Prchla, Managing Director Merck, Gabriele Grom, Associate Vice President und Managing Director Austria MSD, Martin Spatz, General Manager Teva Ratiopharm, und Sanofi-Geschäftsführer Roman Gamerith. Die vordringlichste Frage war zunächst, welche Talente es - auch für neu entstandene Berufsbilder - brauche, um künftig in der Pharmabranche reüssieren zu können.

Talentepool wird enger"

Hohes fachliches Wissen und Integrität seien Kompetenzen, die für die in der Life-Science Tätigen immer schon wichtig waren und sind, so Roman Gamerith. Es habe sich vor allem ein entscheidender Faktor verändert, sagt er: "Das Rad dreht sich schneller. Die Mitarbeiter müssen heute schneller antizipieren und für sich die Frage klären, was veränderte Rahmenbedingungen für einen selbst bedeuten. Die durch die Merger der Branche entstandenen Matrix-Strukturen seien herausfordernd, so der Tenor. Umso wichtiger sei es, den "richtigen Weg" zu finden, sagt Gabriele Grom, und "rasch zu erkennen, was global wichtig ist, aber gleichzeitig auch lokale Interessen durchzusetzen". Was wiederum eine "neue, zusätzliche Kompetenz" notwendig mache, schließt sich Elisabeth Prchla an, nämlich "schnelle Entscheidungen treffen zu können". Das sei für alle Ebenen gleichermaßen von Bedeutung, weil man in einem sich stetig wandelnden Umfeld, mit sehr vielen Unklarheiten umgehen müsse.

Der Wille, sich stetig weiterzuentwickeln, weiter zu lernen, sei für Mitarbeiter in der Pharmabranche unumgänglich. Der Talentepool werde aber enger, es sei "keine Rocket Science", das zu erkennen, so Roman Gamerith. Gerade deshalb sollte man sich fragen, was man auch angesichts neuer organisationaler Strukturen den Mitarbeitern an Karriereplanung anbieten könne, um diese nicht gleich ins Ausland zu verlieren. Die Möglichkeiten seien heute individueller gestaltet und je nach Position unterschiedlich. Zweifelsfrei seien sie vorhanden, und auch Führungskräfte werden zum Teil schon nach "Talententwicklung" bewertet. Nach wie vor kämpfe man um ein besseres Image - der Trend gehe eindeutig in Richtung personalisierter Medizin. Auch wenn die Pharmabranche noch immer unter dem Image des "Nur-Medikamente-Verkaufens" leide - davon sei man weit entfernt. Man gestalte Prozesse mit, das fördere auch neue Jobprofile zutage.

Huber: "Wir begleiten Patienten von der Prävention bis hin zum Hospiz. Wo liegen unsere Möglichkeiten, diese Prozesse mitzugestalten, welche Rolle können wir einnehmen, was können wir zur Versorgungsqualität beitragen?" - das seien heute zentrale Fragen, die es zu beantworten gelte. Es bleibe spannend, so Huber. Die Jobs in der Pharmabranche aber fordern entsprechend Resilienz, viel Einsatz, eine positive Einstellung zur Veränderung. Dies aber alles vor dem Hintergrund, dass man sich vor allem einer sinnstiftenden und sehr erfüllenden Aufgabe widmen könne. Und das ziehe auch die Jungen an. (haa, DER STANDARD, 16./17.11.2013)

  • Bewegte Pharmabranche. Mit Charlotte Eblinger (Mitte) sprachen (v. li.): Gabriele Grom (MSD), Roman Gamerith (Sanofi), Martin Spatz (Teva Ratiopharm, Elisabeth Prchla (Merck) und Jan Oliver Huber (Pharmig).
    foto: standard/urban

    Bewegte Pharmabranche. Mit Charlotte Eblinger (Mitte) sprachen (v. li.): Gabriele Grom (MSD), Roman Gamerith (Sanofi), Martin Spatz (Teva Ratiopharm, Elisabeth Prchla (Merck) und Jan Oliver Huber (Pharmig).

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