Von „pomali" nach „plumps"

19. November 2013, 16:51
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Schrittgeschwindigkeit am Fahrrad. Das muss man einmal probieren.

Mittlerweile meidet Hanter die Fuzo der Mahü. So wie die meisten Fahrradboten. Falls der erste Satz unverständlich war: "Mahü" ist der Kosename jenes Wiener Ortes, an dem Verkehrspolitik an Klientelpolitik und der Angst vor klaren Entscheidungen bei der Errichtung einer Fußgängerzone ("Fuzo") scheitert: der Mariahilfer Straße. "Hanter" ist der Funkname einer Fahrerin der Hermes-Radkuriere.

Hanter fährt vier Tage pro Woche. Pro Tag 60 bis 100 Kilometer: ein Profi. Sie überlegt genau, wo sie fährt – und wo nicht: "Logisch genießen Fußgänger in einer Fußgängerzone absoluten Vorrang. Logisch, dass Radfahrer dort also langsam fahren müssen."

Logisch also auch: Wer es eilig hat, fährt anderswo. Denn die Regel hier lautet "Schrittgeschwindigkeit": vier bis sechs km/h. Wien flaniert "pomali": also eher mit vier km/h.

Das probieren wir einmal

Ich traf Hanter an einem Samstagnachmittag. Zufällig. Ich war auf dem Heimweg von einer Rennradrunde. "Schalt dein GPS auf Tachomodus: Wir probieren, jetzt fünf km/h in der Mahü zu fahren."

Vermutlich boten wir einen grotesken Anblick: Radfahrer, die so wackelig unterwegs sind, sind rar. Zum Glück: "Sicher" und "kontrolliert" sieht anders aus: "Seid ihr noch oder schon besoffen?" stand da in mehr als einem Gesicht.

Die Stabilität eines Fahrrades nimmt mit sinkender Geschwindigkeit ab: Erst wackelt man, dann macht es "plumps". Schritttempo ist von "plumps" etwa einen Seufzer entfernt. Das wissen alle Eltern, die ihren Kindern das Radfahren beibringen wollen. Aber Fuzo-Tempolimits erlassen kinderlose Hochseilartisten.

Hanter sah auf meinen "Tacho", fuhr eine Zickzacklinie und schüttelte den Kopf: "Einmal treten, fünfmal auslassen. So kann keiner fahren! Das ist unsinig und widernatürlich." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 15.11.2013)

  • Bei Schrittgeschwindigkeit lässt man am besten gleich einen Fuß am Boden.
    foto: dpa

    Bei Schrittgeschwindigkeit lässt man am besten gleich einen Fuß am Boden.

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