Arbeit macht im Alter nicht weniger Spaß

11. Dezember 2013, 16:44
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Das Wie ist entscheidend - Das Bild des Arbeitens im Alter hat in Österreich jedenfalls einen langen Bart

An vielen anderen Orten der Welt ist Arbeit weitaus positiver besetzt als in Österreich. Warum das so ist, weiß eigentlich keiner. Arbeit gehört tendenziell zu jenen Dingen, die man möglichst schnell hinter sich bringen sollte. "Was? Du bist 60 und arbeitest noch?" Diesen Satz hört man immer wieder. Sicher, der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und der längere Verbleib im Arbeitsleben werden auch in Österreich immer intensiver thematisiert. Das hilft aber nur punktuell über die Tatsache hinweg, dass große Teile der Arbeitswelten nach wie vor so tun und rekrutieren, als kämen genügend Junge nach. So viel zu jenem Teil der Arbeitswelt, dem Älterwerden ihrer Protagonisten, der gerne ausgeblendet wird. 

Österreich hinkt hinterher

Vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung und daher steigender Sozialaufwendungen ist es unabdingbar, ältere Menschen länger im Arbeitsleben zu halten, meint die OECD - und steht mit dieser Ansicht nicht allein da. Laut OECD-Zahlen habe sich die Beschäftigungsquote der über 50-Jährigen zwar im vergangenen Jahrzehnt um einiges erhöht, das Pensionsantrittsalter aber kaum. Vor allem bei den Arbeitnehmern über 60 hinke Österreich weit hinterher, heißt es.

Bereits jetzt zählt schon die Mehrheit der Erwerbstätigen in Österreich zu den Älteren. Im Jahr 2015 werden die über 45-Jährigen die größte Gruppe darstellen. Ohne ernsthaft über Möglichkeiten einer Balance zwischen den Faktoren Gesundheit, Qualifikation, Werte sowie auch Führungsarbeit und entsprechende Organisation von Tätigkeiten in den Unternehmen nachzudenken, werden Sätze wie "Mitarbeiter sind das Kapital jedes Unternehmens" immer rascher als Feigenblätter enttarnt. Vor allem aber auch, da kein Unternehmen es sich leisten können wird, diese Entwicklung zu ignorieren. 

Balance geht verloren

Langzeitstudien haben festgestellt, dass die obengenannte Balance bei einem Drittel der Arbeitnehmer im Alter verlorengeht. Ebenso viele Langzeitstudien belegen aber auch, dass die Arbeitsfähigkeit vor der Pension entscheidend für die Qualität nach dem Arbeitsleben ist. Der Erhalt der Arbeitsfähigkeit wirkt sich also nicht nur positiv auf die Produktivität im Erwerbsleben aus, sondern auch auf die Zeit danach. Zentral für Unternehmen und ihre Führungsteams ist, dass Produktivität nicht vom Alter abhängig ist, sondern von der Organisation der Arbeit. Irene Kloimüller, Expertin für Arbeitsfähigkeit und Generationenmanagement sowie Leiterin des Instituts für Arbeitsfähigkeit hat fünf Punkte für eine Win-win-Situation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer festgehalten:

  • Einsetzen des vielfältigen Know-hows älterer Arbeitnehmer
  • Bilden von Tandems, um Erfahrung auch an Jüngere weiterzugeben
  • Anerkennung und Sichtbarmachen von Stärken
  • neue Herausforderungen, die den Älteren im Betrieb überantwortet werden
  • aktive Förderung von Weiterbildung
  • Nutzen der sozialen Kompetenz und Netzwerke für komplexe Aufgaben.

In einem mehr als vier Jahre andauernden Programm, das im Auftrag von PVA und AUVA durchgeführt worden ist, konnte das Institut für Arbeitsfähigkeit feststellen, dass von insgesamt 12.000 Teilnehmern rund 7300 ihre Arbeitsfähigkeit durch gezielte Maßnahmen deutlich verbessern konnten. Ein anderes Ergebnis war ein Anstieg des durchschnittlichen Pensionsantrittsalters, respektive heißt es, "die Arbeitsfähigkeit zu sichern und zu verlängern hat den gleichen Effekt wie eine Verjüngung des Mitarbeiterstabes".

"Es geht immer um das Gleichgewicht zwischen dem, was Leute dauerhaft leisten wollen und können, und dem, was der Betrieb verlangt", sagt Irene Kloimüller. Es geht aber auch um eine veränderte Haltung, die besagt, dass Arbeit zur guten Gesundheit beitragen kann, die Lebensqualität erhöht und dass Produktivität bei einer angemessenen und vorausschauenden lebensphasengerechten Förderung von Arbeitsfähigkeit steigt.

Ohne wirklich davon überzeugte Führungskräfte, die die richtigen Maßnahmen dafür umsetzen, wird das, was ältere Generationen an Wissen und Können draufhaben, nicht zur Geltung kommen können. (Heidi Aichinger, Karrieren Standards, 11.12.2013)

Wissen: Arbeit und Ältere

Die von der OECD empfohlenen Maßnahmen für den Verbleib älterer Arbeitnehmer wurden in Österreich nur zum Teil umgesetzt. Ein Auszug:

  • Was die Beschäftigungsquote betrifft, liegt Österreich um einiges hinter dem OECD-Schnitt. Hierzulande waren im Jahr 2011 57,1 Prozent der 50- bis 64-Jährigen im Erwerbsleben, der OECD-Schnitt (34 Länder) lag bei 61,2 Prozent. Wenngleich der Abstand im Laufe der Jahre geringer geworden ist: Zehn Jahre davor, 2001, hatte die Quote in Österreich nur 44,8 Prozent betragen, jene in der OECD 55,6 Prozent. 2005 lag Österreich bei 47,2 Prozent, die OECD-Staaten durchschnittlich bei 58,4 Prozent.
  • Nach wie vor riesig ist die Kluft bei den 60- bis 64-Jährigen. In Österreich arbeitet nur jeder Fünfte in dieser Altersgruppe (20,9 Prozent), OECD-weit sind es immerhin 40 Prozent. Das ist ein Abstand von ganzen 19,1 Prozentpunkten - der sich in der letzten Dekade kaum verringert hat. 2001 war in der OECD noch fast jeder dritte 60- bis 64-Jährige im Erwerbsleben (32,5 Prozent), in Österreich waren es weniger als 13 von 100 Personen (12,7 Prozent), der Abstand hatte also 19,8 Prozentpunkte betragen. Zwischenzeitlich, im Jahr 2005, war er mit 22 Prozentpunkten noch größer.
  • Von den 65- bis 69-Jährigen Österreichern arbeiten überhaupt nur mehr 9,5 Prozent, in den OECD-Ländern sind es 18,5 Prozent.
  • Bei den "jüngeren Älteren" liegt Österreich hingegen über dem OECD-Schnitt und hat den Vorsprung in den vergangenen Jahren sogar ausgebaut. 81,9 Prozent der 50- bis 54-Jährigen arbeiten noch, der OECD-Schnitt liegt bei 76,1 Prozent. 2001 war die Beschäftigungsquote hierzulande bei 74,5 Prozent gelegen, jene in der OECD bei 71,8 Prozent.
  • Viele ältere Menschen stünden nur mehr teilweise im Erwerbsleben, so die Studie weiter. Etwa jeder Zweite, der in Österreich noch arbeitet und zwischen 55 und 64 Jahre alt ist, arbeitet Teilzeit (22 Prozent der Altersgruppe; OECD: 18,7 Prozent). Und 2,7 Prozent der gesamten Altersgruppe sind Zeitarbeiter (OECD: 9,1 Prozent). (APA, red)
  • Laut OECD hinkt Österreich bei den Arbeitnehmern über 60 weit hinterher.
    foto: istockphoto.com / firina

    Laut OECD hinkt Österreich bei den Arbeitnehmern über 60 weit hinterher.

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