Anbieter setzen auf Pistengaudi für Kids

25. November 2013, 16:00
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Immer mehr Wintersportanbieter geben Vollgas in Richtung Nachwuchsbetreuung

Dass die Eltern vom schönsten Oberpinzgau-Panorama schwärmen - es nervt. Dass sie mit der Spitze ihrer Skistecken über weit entfernte Hohe-Tauern-Dreitausender spazieren - lähmend. Dazu hätte kind nicht ins Kogel-Mogel-Kinderland fahren müssen. Berge geben den ungeduldig gewordenen Kleinen hier ganz andere Dinge. Da wären das Karussell und das Indianertipi. Eine Hüpfburg und große Kunstfellteddys. Gleich daneben frisst sich eine Art asthmatische Raupe Nimmersatt durch den Neuschnee: Es ist der Kogel-Mogel-Express.

Die kinderfreundliche Bergstation der Salzburger Wildkogel-Arena hat noch mehr auf Lager: Österreichs längstes Skiförderband verbindet hier zwei Pistenflohareale: 240 Meter reicht es vom Kinderland Kaserboden herauf. Etwas höher verteilen sich Gästekindergarten und Kinderrestaurant. Immerhin zählt das kleine, feine Gebiet ja zu den familienfreundlichsten Skiregionen des Salzburger Landes. Kinder bis sechs Jahre flitzen den ganzen Winter über gratis die Pisten auf und ab. Weil die Skiausrüstung bekanntlich teuer kommt, ist auch das "Rent a Ski"-Familienpaket beliebt. Vor allem aber lernen Kinder unter Anleitung von Skischulprofis das Abc des Wintersports.

Kinder-Fackelrodeln

Horrorszenario oder Family-Fun? Da teilen sich die Meinungen. Aber um eine typische Facette für die Skiregionen des Salzburger Landes handelt es sich allemal. Besonders günstige Familientarife, Baby- und Übungslifte, ein umfassendes Angebot an Ski- und Snowboardschulen zählen zu den Stärken des Bundeslandes. Das Saalachtal mit seinen familienfreundlichen Orten Lofer, St. Martin, Unken und Weißbach, das Raurisertal, die Skiregion Tennengebirge, die Skiregion Lungau, Dachstein West-Lammertal, die Region Hochkönig sowie Krispl-Gaißau/Hintersee - sie alle haben auch abseits der Piste viel für Familien zu bieten. In Rauris gibt es Kinderschneefeste und ein spannendes Kinder-Fackelrodeln. In der Skiregion Dachstein West wird gar mit einer "Ski fahren lernen oder Geld zurück"-Garantie geworben.

Auch das Skigebiet Hochkönig steht da nicht nach: Eigene Family-Skihütten warten mit rauchfreien Bereichen, Malunterlagen und Kindergerichten auf. Während die erst behutsam für den Wintersport erschlossene, ursprüngliche Almlandschaft Stoderzinken gar mit einem eigenen "Kinderschneeland" wirbt - präparierte Wellenbahn, Schneetunnel, Zauberteppich inklusive. Neu in dieser Saison: die Skiroute Märchenwald mit handgebastelten Figuren!

Mehr Plüschmammuts

Ein goldenes Herz für das Schneetreiben der Kids werfen auch Mitbewerber aus anderen Bundesländern in die Waagschale. Wie schwer es wiegt, wird etwa vom deutschen ADAC recht systematisch unter die Lupe genommen. Der deutsche Klub checkt alljährlich 650 alpine Winterorte und Skigebiete, seit einiger Zeit auch hinsichtlich des Kriteriums Familienfreundlichkeit. In Österreich ragt dabei ein Gebiet besonders heraus - und keineswegs wegen der ungewöhnlichen Höhenlage. Es ist die Region Stubaier Gletscher, die beim jährlichen ADAC-SkiGuide-Ranking 2013 bereits zum vierten Mal als "familienfreundlichstes Skigebiet der Alpen" ausgezeichnet wurde. Dass hier ein durchgängiges CI-Konzept verfolgt wird, ist kaum zu übersehen. Schon vor Jahren wurde das Skigebiet BIG Family auf die Beine, Pardon: Piste gestellt. Was bedeutet: noch mehr Plüschmammuts. Das übergroße Maskottchen "B.Big" begleitet Kinder dabei vom Internetauftritt weiter ins Quartier, und vom Frühstück hinauf in die Berge. Dort gibt es in eigenen Kinderrestaurants nicht nur Kindermöbel und -geschirr, sondern sogar Gratislimo.

Um ein Erfolgsrezept handelt es sich allemal: Seit Jahren wird das Nachwuchskonzept der Stubaier Gletscherbahnen ausgebaut - diesen Dezember etwa mit einer neuen Funslope. Dazu kommen Live-Acts in Sachen "Wie geht das?". Wer will, erfährt hier, wie ein Pistenbully funktioniert, und kann damit auch eine spontane Runde drehen - Treffpunkt beim Eiskletterturm. Das umliegende flache, abgesicherte Gelände ist für Kinder ideal. Gratisskipässe gibt es bis zehn - auch das ist einzigartig.

Wellenbahnen und Schatzsuche

Skischulleiter Florian Kindl, der seit vielen Saisonen im Kindergletschereis-Geschäft ist, bewertet das Unwort Spaßfaktor übrigens anders - nämlich als entscheidendes Element zur Motivation. Ohne Spaß funktioniert kein Kurs, schon gar nicht bei Kindern. Slalomfahren, Wellenbahnen, Schatzsuche, Tiefschnee-Schnuppern, das obligate Abschlussrennen, bei dem jeder einen Preis gewinnt, sind dabei genauso wichtig wie ein fixer Ankerplatz im Schneetreiben. Im Falle des Stubaier Gletschers etwa die Kinderhütte im 2600 Meter hoch gelegenen Gamsgarten, in der es den ganzen Tag heißen Tee gibt.

Auch andere Ecken Tirols geben Vollgas Richtung Nachwuchsbearbeitung: Am Wilden Kaiser wedeln Kinder bis 15 im Rahmen von Familienskiwochen gratis - sofern ein Erwachsener mit Drei-Tages-Skipass einsteigt. Und der Bergbabysitter des Schneepiraten Kids Club am Brandstadl in Scheffau kann als Babykrippe verstanden werden: Kinder ab null Jahren können hier "zwischengelagert" werden. Dazu kommen jene kleinen Skigebiete, die ganze Winterwunderwelten vom Pistenrambazamba à la Ischgl entfernt scheinen. Osttirol kultiviert diesen Ansatz mit Erfolg und dehnt Kindertarife gar bis 18 Jahre aus.

"Alpenkasperl"

Verträumte Gebiete wie Obertilliach-Golzentipp, Kartitsch oder Virgen-Prägraten werden dabei zu Recht als Familienskigebiete beworben. Selbst Osttirols größte Skiregion, das 110 Pistenkilometer umfassende Großglockner Resort Kals-Matrei, konnte auf Anhieb Preise in Sachen Familienskigebiet einheimsen. Abfahren auf den Alpinkasperl kann man in Osttirol übrigens auch - womit keinesfalls DJ Ötzi gemeint ist. Denn wer in familiär gebliebenen Skigebieten wie dem Lienzer Zettersfeld Pistenparty machen möchte, bremst womöglich vor der ambulanten Puppenbühne des ersten "Alpenkasperls" ab. Und zwar frei nach dem Motto: Carver, seid ihr alle da? (Robert Haidinger, DER STANDARD, Family, 25.11.2013)

  • Carver, seid ihr alle da? Ein goldenes Herz für das Schnee-Treiben der Kids (inklusive Schneetunnel und Zauberteppich) haben mittlerweile Touristiker aus allen Bundesländern.
    foto: katsey

    Carver, seid ihr alle da? Ein goldenes Herz für das Schnee-Treiben der Kids (inklusive Schneetunnel und Zauberteppich) haben mittlerweile Touristiker aus allen Bundesländern.

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