Warm oder Kalt - Wann hilft was?

4. Dezember 2013, 12:16
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Bei Menstruationsbeschwerden hilft ein warmer Thermophor, bei einer Verstauchung der Eisbeutel - Wärme oder Kälte, warum hilft wann was?

Grundsätzlich raten Mediziner, Kälte bei akuten Schmerzen und Wärme bei chronischen und nerval bedingten Schmerzen einzusetzen. Wer sich also beim Laufen den Knöchel verstaucht, legt am besten ein Cool Pack auf die verletzte Stelle. Damit lassen sich bei einer akuten Verletzung nachfolgende Prozesse verlangsamen.

Verlangsamt wird unter anderem die Entwicklung von Schwellungen. Werden infolge einer Prellung Blut- und Lymphgefäße traumatisiert, dann tritt Blut und Lymphe in das Gewebe aus. Bei Zufuhr von Kälte, ziehen sich die Gefäße zusammen, Blutungen nehmen ab und Schwellungen treten erst gar nicht auf.

Kälte besitzt zudem schmerzstillende Wirkung durch die herabgesetzte Nervenreizleitung und bremst akute Entzündungsreaktionen, denn durch den verzögerten Stoffwechsel  werden weniger Mediatoren (Entzündungsbotenstoffe) ausgeschüttet und in die betroffene Region gebracht.

Kein einheitlicher Tenor

So empfehlen manche Ärzte bei einer akuten Tonsillitis (Mandelentzündung, Anm.Red.) vor allem kalte Getränke oder eine Portion Speiseeis, um die entzündeten Schleimhäute zu kühlen, die Schluckbeschwerden zu reduzieren und den Entzündungsprozess insgesamt zu bremsen. Einen einheitlichen Tenor gibt es beim Einsatz von Kälte bei Halsinfektionen allerdings nicht. Manche Mediziner raten vom Trinken allzu kalter aber auch heißer Getränke sogar ab, um die angegriffenen Schleimhäute nicht zusätzlichen Reizen auszusetzen.

Bei chronischen Schmerzen verschafft tendenziell eher Wärme Linderung: Die Blutgefäße erweitern sich, die Durchblutung verbessert sich. Das hilft vor allem bei muskulären Verspannungen oder krampfartigen Schmerzen wie Menstruationsbeschwerden, die sich unter dem Einfluss warmer Bäder oder Wärmepflaster auflösen können. Die muskelrelaxierende Wirkung ist auch der Grund, warum Wärme bei Nervenschmerzen lindernd wirkt. Ursache für Nervenkompressionen wie der Ischialgie ist oft ein ausgeprägter Muskelhartspann, der sich mit Hilfe von Wärme entspannt und komprimierten Nervenbahnen Entlastung bringt.

Vorsicht Selbstbehandlung

Beim selbständigen therapeutischen Einsatz thermischer Reize sei aber Vorsicht geboten, sagt Reinhold Glehr, Allgemeinmediziner und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin. Die Gefahr, dass nur die Symptome, nicht aber die Ursache der Erkrankung beseitigt werden, sei unter Umständen groß.

Bei einer akuten Tonsillitis ist in vielen Fällen ein Antibiotikum indiziert. "Das bloße Essen von Eis kann die Schmerzen lindern, die Infektion aber nicht bekämpfen", sagt Glehr und empfiehlt in jedem Fall die ärztliche Abklärung, damit auch eine Blinddarmentzündung vom Patienten nicht fälschlicherweise als harmloser Bauchschmerz interpretiert wird.

Auch bei einem Harnwegsinfekt rät Glehr nur bedingt zum Einsatz von Wärme. Auch hier hat sie zwar entkrampfende und schmerzstillende Wirkung, zur Heilung trägt die Wärme aber nicht bei. Nichtbehandlung kann für den Patienten außerdem fatale Folgen haben, denn die Bakterien können über die Harnwege bis in das Nierenbecken vordringen.

Gezielt Abkühlen

Im Krankenhaus setzen Notfall- und Intensivmedizin auf thermische Reize. Die therapeutische Hypothermie wird bei Patienten angewendet, die beispielsweise einen Herz-Kreislauf-Stillstand, Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden. Dabei wird die Körpertemperatur der Betroffenen für 24 Stunden auf 32 bis 34 Grad Celsius abgesenkt. Durch den kältebedingt herabgesetzten Stoffwechsel brauchen die Körperzellen weniger Sauerstoff, und die Schäden der Zellen werden gering gehalten.

Mit der Ganzkörper-Kältetherapie werden Rheumapatienten in eigenen Kältekammern behandelt. Bei minus 120 Grad halten sich die Patienten wenige Minuten in der Kammer auf. Die Beweglichkeit der Gelenke verbessert sich und die Betroffenen können anschließendes Muskeltraining oder Krankengymnastik unter geringeren Schmerzen ausführen.

Asiatischer Raum

Wärme und Kälte nehmen auch in der traditionellen chinesischen Medizin eine wichtige Rolle ein - anders als in der konventionellen Medizin. Allerdings nicht nur in der Therapie, sondern auch bei der Diagnostik von Erkrankungen. "Vermehrtes Durstgefühl und eine rote Zunge zeigen meist ein Zuviel an Hitze an, während ein fehlendes Durstgefühl und eine blasse Zunge oft Kälte bedeuten", erklärt Wiener Allgemeinmediziner Bernd Kostner. Je nach Bedarf verordnet er seinen Patienten kühlende oder wärmende Heilkräuter und behandelt bei Kälte auch mit der wärmenden Moxa-Therapie.

Ayurveda weicht zur Gänze von der Schulmedizin ab. So kommen statt dem Eisbeutel bei so manchen Verletzungen Schwitztherapien, Bäder oder Massagen mit warmen Ölen zum Einsatz. Der Schmerz wird zwar anfänglich dadurch noch schlimmer, jedoch wird die verletzte Stelle durch die Erweiterung der Gefäße besser durchblutet und der Stoffwechsel gesteigert – genau das glauben ayurvedische Experten, ist es was der Körper zur Regeneration und Heilung braucht. (Sarah Dyduch, derStandard.at, 4.12.2013)

  • Bei Nervenschmerzen kann der Thermophor Abhilfe schaffen.

    Bei Nervenschmerzen kann der Thermophor Abhilfe schaffen.

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