Stille-Nacht-Museum: "Touristisch ein großer Schatz"

14. November 2013, 13:54
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Drei kleine Räume im ersten Stock eines Halleiner Altstadthauses: Hier wohnte der Komponist von "Stille Nacht - Heilige Nacht", Franz Xaver Gruber

Wie viele Menschen Jahr für Jahr rund um den 24. Dezember das bekannteste aller Weihnachtslieder tatsächlich singen, kann natürlich niemand mit Sicherheit sagen. Schätzungen gehen davon aus, dass "Stille Nacht – Heilige Nacht" zur Weihnachtszeit von rund zwei Milliarden Menschen aktiv gesungen oder zumindest passiv aus der Konserve gehört wird. Ein Lied mit diesem Bekanntheitsgrad ist natürlich "touristisch ein großer Schatz", sagt die Geschäftsführerin des Halleiner Tourismusverbandes Alexandra Hosp.

Umso mehr verwundert es, dass die sonst in der touristischen Vermarktung nicht ganz unbegabten Salzburger – Mozart, Sound of Music, Festspiele und anderes mehr – aus dem Weihnachtslied noch nicht mehr gemacht haben. Immerhin ist es eines der bekanntesten kulturellen Salzburger Exportartikel und wurde im m März 2011 wurde das Lied "Stille Nacht! Heilige Nacht!" offiziell zum immateriellen Kulturerbe Österreichs erklärt.


Der neu gestaltete Schauraum im Halleiner Stille-Nacht-Museum.

Gezählte 4200 Besucher und Besucherinnen finden jährlich den Weg zum unscheinbaren Haus in Hallein, wo der Komponist von Stille-Nacht, Franz Xaver Gruber, von 1835 bis zu seinem Tod 1863 gelebt hat. Gruber war in Hallein Chrorregent und Organist. Zum Vergleich: Das musikalische Hollywood-Rührstück "Sound of Music" bringt jährlich zumindest 300.000 Besucher an die Salzach und zu den Original-Drehplätzen des Filmes. Dass es bis dato keinen organisierten Stille-Nacht-Tourismus in der Adventszeit gibt, liegt zweifelsfrei an der geografischen Zerrissenheit.

Neben Hallein gibt es noch jede Menge andere Stille-Nacht-Orte. Zum Beispiel Oberndorf, wo Komponist Gruber und der Autor des Textes, der Oberndorfer Hilfspfarrer Joseph Mohr, das Lied 1818 das erste Mal öffentlich gespielt hatten. Oder Arnsdorf im Salzburger Flachgau, wo Gruber als Organist und Lehrer beschäftigt war, als er das Lied komponiert hatte. Auch das Lungauer Mariapfarr rühmt sich ein Stille-Nacht-Ort zu sein. Hier hat Mohr den Text verfasst. Im Pongauer Wagrain schließlich hatte Mohr seine letzte Wirkungsstätte, hier ist er auch begraben.

Neustart in Hallein

In Hallein versucht man diesen Advent einen Neubeginn. Das kleine Museum, vor dessen Eingang sich auch die letzte Ruhestätte Grubers befindet, im ersten Stock gegenüber der Stadtkirche, war in den vergangenen Monaten wegen Geldmangels geschlossen. Jetzt hat das Halleiner Keltenmuseum und damit das große Salzburg Museum das erst seit 1993 öffentlich zugängliche Juwel übernommen. Originalinstrumente wie die Gitarre, auf der das milliardenfach intonierte Weihnachtslied das erste Mal öffentlich gespielt worden war, und viele Gegenstände aus der Hinterlassenschaft Grubers sind zentraler Teil des Museums. Die Stadt Hallein hat ein Besucherservice mit drei Mitarbeitern eingerichtet.


Originalexponate zieren das ehemalige Wohnzimmer des Komponisten Franz Xaver Gruber.

Besonders bedeutend aus Sicht der Wissenschaft sind die Autografen des Stille-Nacht-Liedes sowie jene "authentische Veranlassung", mit der wissenschaftlich eindeutig belegt werden kann, dass das Lied auch tatsächlich aus den Federn Mohrs und Grubers stammt. Das Schriftstück von Gruber 1854 verfasst, dokumentiert den Ursprung und die Entstehung von Melodie und Text. Derzeit können diese Raritäten der Öffentlichkeit freilich noch nicht präsentiert werden. Es fehlen die Klimavitrinen. Darüber hinaus müsste wohl auch noch ein entsprechender Diebstahlschutz installiert werden.

Stille-Nacht-Jahr 2018

Bis allerspätestens 2018 soll die kleine Schau im Gruber-Haus aber alle Stücke zeigen können. 2018 jährt sich die Uraufführung zum 200. Mal. In welcher Form das Jubiläumsjahr in Salzburg dann gefeiert wird, weiß derzeit noch niemand. In Lokalmedien wird sogar über eine eigene Landesausstellung spekuliert. Erfahrene Museumsexperten äußern sich jedoch skeptisch: Das Problem sei – neben den hohen Kosten einer eigenen Landesausstellung – das Thema selbst. Mit einer reinen Weihnachtsschau könne man nicht eine Ganzjahresschau bespielen. (Thomas Neuhold, derStandard.at, 14.11.2013)


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Alle Museen der Serie im Überblick

  • Stille-Nacht-Museum
Gruberplatz 1, 5400 Hallein
Öffnungszeiten: Advent (22. November 2013 bis 12. Jänner 2014) täglich 11 bis 17 Uhr.
Nach dem 12. Jänner 2014 Fr., Sa., So. und Feiertage 15 bis 17 Uhr.
Gruppenführungen auf Anfrage: +43/6245/80783
http://www.stillenachthallein.at
    foto: salzburg museum/peter laub

    Stille-Nacht-Museum

    Gruberplatz 1, 5400 Hallein

    Öffnungszeiten: Advent (22. November 2013 bis 12. Jänner 2014) täglich 11 bis 17 Uhr.

    Nach dem 12. Jänner 2014 Fr., Sa., So. und Feiertage 15 bis 17 Uhr.

    Gruppenführungen auf Anfrage: +43/6245/80783

    http://www.stillenachthallein.at

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