Stadt Wien verweigert Abfallberaterin Rückkehr nach Karenz

14. November 2013, 09:56
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Mehrere AbfallberaterInnen haben inzwischen den Prozess gegen die Stadt gewonnen. Aber Nina S. will man die Vordienstzeiten nicht anerkennen, weil sie in Karenz war

Der Arbeitskampf der Wiener AbfallberaterInnen, die bei ihrem ehemaligen Dienstgeber, der Stadt Wien, auf die Anerkennung eines aufrechten Dienstverhältnisses klagen, ist um eine Facette reicher. Und dieses Mal könnte handfeste Diskriminierung im Spiel sein.

Es geht um den Fall von Nina S. Sie ist eine von mehreren ehemaligen AbfallberaterInnen, die wegen ihrer befristeten Arbeitsverträge vor das Arbeitsgericht zogen. Nachdem im Sommer bei zwei Prozessen den klagenden Parteien recht gegeben wurde (derStandard.at berichtete über den ersten Prozess), war sie guter Dinge, dass auch ihr Fall zu ihren Gunsten entschieden würde.

Karenz als Erschwernis

Doch offenbar hat sie weniger Chancen als ihre KollegInnen. Der Grund: S. ist Mutter von zwei kleinen Kindern und war in den Jahren 2011 und 2012, als die großen Umbrüche in der Abteilung stattfanden, in Karenz. 2011 hatte sie mit ihrem Vorgesetzten noch ihren Wiedereinstieg besprochen. Ihre Befürchtungen, dass es aufgrund ihrer Werkvertragsregelung Probleme bei der Rückkehr an ihren alten Arbeitsplatz geben könnte, quittierte ihr Vorgesetzter damals mit den Worten: "Na, durfte denn je eine Schwangere nicht mehr zurück zur Abfallberatung?"

Offenbar sollte es für S. genau so kommen. Während ihrer Abwesenheit wurde die Abteilung verkleinert und umstrukturiert, zahlreiche MitarbeiterInnen verloren ihren Job. S. hatte für ihre Karenzzeit keinen Werkvertrag unterschrieben. Sie war mit der Abteilung in dieser Zeit also nicht vertraglich verbunden.

Stadt Wien sieht Fall "anders gelagert"

Ihre Klage brachte sie dann im Frühjahr 2013 ein. Doch selbst jetzt, nachdem die zwei Parallelverfahren zugunsten der klagenden Parteien entschieden wurden und in zwei weiteren gerichtsanhängigen Verfahren die "aufrechten Dienstverhältnisse" sogar ohne Urteil anerkannt wurden, sieht es für S. nicht gut aus. Die Stadt Wien will in ihrem Fall das Dienstverhältnis und damit die Anrechnung der Vordienstzeiten nicht anerkennen. Ihre Begründung: Der Fall sei anders gelagert, und einen Bedarf für AbfallberaterInnen gebe es jetzt nicht mehr.

Dass die Stadt Wien genau bei S. auf stur stellt, ist für ihren Anwalt klare Diskriminierung. "Sie wollen ihre Vordienstzeiten nicht anerkennen, weil sie in Karenz war. Nur dadurch unterscheidet sich ihr Fall von den Parallelfällen", meint Harald Karl. Die Stadt Wien wollte zu dem Verfahren keine Stellungnahme abgeben.

Finanzielle Einbußen

S. geht es längst nicht mehr um Anstellung. Der Zug ist abgefahren. Was ihr nach all den Jahren wichtig ist, ist die volle Anerkennung ihrer Vordienstzeiten. Denn damit verbunden sind Verdienstsprünge, Abfertigungen und Urlaubsansprüche. Und die kann sie in ihrem neuen Job als Kindergartenpädagogin gut gebrauchen. Rein zufällig ist ihr neuer, alter Arbeitgeber wieder die Stadt Wien. Doch ihren neuen Dienstvertrag durfte sie vorerst nur ohne Anrechnung ihrer Vordienstzeiten unterschreiben.

Im Dezember geht ihre Verhandlung nun in die nächste Runde. Die langgediente Mitarbeiterin, die sogar einmal zur Abfallberaterin des Jahres gekürt wurde, hat für die Politik der Stadt Wien jedoch nur noch Spott übrig: "An meinem Fall zeigt sich, wie sehr die Stadt Wien ihre Mütter und Kinder liebt". (Ina Freudenschuß, dieStandard.at, 14.11.2013)

  • Die Abfallberatung Wien war bei vielen öffentlichen Veranstaltungen präsent, besuchte Kindergärten und veranstaltete u.a. Kasperl-Aufführungen.
    foto: initiative abfallberatung wien

    Die Abfallberatung Wien war bei vielen öffentlichen Veranstaltungen präsent, besuchte Kindergärten und veranstaltete u.a. Kasperl-Aufführungen.

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