Telekom Austria zapft Kapitalmarkt an

13. November 2013, 18:03
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Der Aufsichtsrat vertagt die Debatte über eine Kapitalerhöhung bei A1 Telekom Austria. Für die Funkfrequenzen zapft die TA erneut den Kapitalmarkt an

Wien - Das Volumen des Bonds wird von der Finanzabteilung erst errechnet. Fest steht nach der Aufsichtsratssitzung am Dienstag, dass A1 Telekom Austria (TA) in den nächsten Tagen zwecks Finanzierung der Funkfrequenzen eine Anleihe begeben wird. Klar ist auch, dass der Kapitalmarkt um nicht weniger als eine halbe Milliarde angezapft wird. Die Range beziffern Kapitalmarktexperten mit 500 bis 750 Millionen Euro.

Der Rest werde, wie von TA-Finanzchef Hans Tschuden mehrfach angekündigt, aus bestehenden Kreditlinien und Cash-Positionen bedient, verlautete aus TA-Aufsichtsratskreisen. Selbige seien, wie vom Management stets beteuert, mit einer Milliarde Euro in ausreichendem Maß vorhanden.

Telekom-Sprecher Peter Schiefer bestätigte am Mittwoch das Vorhaben und damit einen Bericht des Standard vom Montag. Die Zustimmung des Aufsichtsrats brauchte Österreichs Marktführer für das frische Geld übrigens nicht einzuholen, die Geldbeschaffung erfolgt im Rahmen der beschlossenen Mittelverwendungsstrategie.

Langsamer Schuldenabbau

Weit langsamer als die Cash-Beschaffung wird die Rückführung der zwecks Frequenzkaufs um eine Milliarde Euro vergrößerten Schuldenbergs. Allein durch den Cashflow würde der Schuldendienst sehr träge vorankommen, die Verbindlichkeiten kaum sinken, geben TA-Kontrollore zu bedenken. Daran ändere selbst eine Erholung des operativen Geschäfts wenig, zumal die einstigen Ertragsbringer Vipnet in Kroatien und Mobiltel in Bulgarien unter Kaufkraftschwäche und Wirtschaftskrise leiden. In Kroatien wird der angestrebte Turnaround seit dem EU-Beitritt noch durch das EU-Roaming-Regime erschwert, das die Erträge dezimiert. Das Geschäft in Weißrussland hingegen laufe gut, mache die Hänger in Bulgarien und Kroaten aber nicht wett. Hinzu kommen die Abschreibungen auf die Funkfrequenzen auf 20 Jahre.

Neuer Anlauf im Dezember

Womit klar ist: Spätestens im Frühjahr, wenn Zukäufe in Ost- und Südosteuropa wieder aufs Tapet kommen, wird eine Kapitalerhöhung erneut Thema, heißt es in TA-Eigentümerkreisen. Dann werde es wohl auch eine Regierung geben, die das Vorhaben der Staatsholding ÖIAG unterstütze. Sie müsste gut 70 Millionen Euro aufbringen, um ihren TA-Anteil auf einer Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) zu halten; wollte sie die 28,42 Prozent stabil halten, ungefähr das Doppelte.

Wiewohl die ÖIAG keine Schulden hat und die Kapitalerhöhung bei der TA locker (fremd-)finanzieren kann: Einen Beschluss für das Mitziehen der Staatsholding bei einer TA-Kapitalerhöhung hat ÖIAG-Chef Rudolf Kemler noch nicht erwirkt. Damit werden die Gremien beider Unternehmen wohl im Dezember befasst. In der Woche nach dem Marienfeiertag kommt der TA-Aufsichtsrat wieder zusammen, um über das Budget für 2014 zu beraten.

Besserung im operativen Geschäft ist heuer nicht mehr zu erwarten. Das vierte Quartal ist traditionell belastet, weil das weihnachtliche Neukundengeschäft mit kräftigen Stützungen bei mobilen Endgeräten verbunden ist.

Schwach tendierte freilich auch das Sommerquartal von Juli bis September, das heute, Donnerstag, zusammen mit den Neunmonatszahlen veröffentlicht wird. Die Quartalszahlen liegen laut Aussagen aus dem Aufsichtsrat innerhalb der von Finanzanalysten errechneten Range - also durch die Bank Rückgänge statt Zuwächse: Der Quartalsprofit liegt demnach zwischen 60 und hundert Millionen Euro - das ist knapp ein Drittel weniger als im dritten Quartal 2012 - bei leicht gesunkenem Umsatz (minus vier Prozent), den die Wertpapierexperten von Erste Group, Raiffeisen Centrobank (RCB), JPMorgan Cazenove und UBS im Vierteljahr auf 1,04 bis 1,09 Milliarden Euro taxieren.

Beim operativen Ergebnis (Ebit) dürften die Schätzungen von RCB und JPMorgan am nächsten kommen, sie erwarten den Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen 136 und 145 Mio. Euro. Dem Vernehmen nach liegt das Quartals-Ebit bei rund 140 Mio. Euro, also rund ein Fünftel unter Vorjahreswert.

So negativ der "Touch", den die Analysten im Quartal ausmachen, immerhin auf das Bonitätseinstufung dürfte er keinen Einfluss haben. Denn das Rating wurde bereits gesenkt, nachdem die eine Milliarde Euro für die Frequenzen bekanntgeworden war. Berenberg-Analysten bezweifeln, dass "die Aktie der Schwerkraft noch lange standhalten kann". Ihr Kursziel liegt bei 3,80 Euro. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 14.11.2013)

  • Ehe die Eigentümer für die Kapitalerhöhung bei A1 Telekom Austria einzahlen dürfen, zapft A1 den Kapitalmarkt an.
    foto: standard/cremer

    Ehe die Eigentümer für die Kapitalerhöhung bei A1 Telekom Austria einzahlen dürfen, zapft A1 den Kapitalmarkt an.

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