Plädoyers für die Stille

13. November 2013, 18:00
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In der Galerie Stock versammeln die beiden Kuratoren Sabina Salamon und Slaven Tolj unter dem Titel "Silent Work" die Arbeiten von sechs kroatischen Künstlern

Wien - Das Warten hat hiermit ein Ende: Auf einem Stapel hat Goran Trbuljak so lange Ausgaben des Standard anhäufen lassen, bis ein Artikel mit seinem Namen erscheint. Damit schließt sich der Kreis, der 2005 mit einem Bericht zu einer Gruppenausstellung in der Generali Foundation begann: Damals wurde von dem 1948 geborenen Konzeptkünstler zwar ein Werk abgebildet, sein Name im Artikel selbst jedoch nicht erwähnt.

Trotz dieses "Versäumnisses" gehört Goran Trbuljak aber freilich dennoch zu den bekannteren kroatischen Künstlern. Schließlich hat er sich mit seinem leisen, aber wirkungsvollen Protest gegen die Mechanismen des Kunstbetriebs (u. a. mit Old and Bold I Search for a Gallery, 2008) längst auch international einen Namen gemacht.

Viel weniger oft hat man hierzulande hingegen die Namen der anderen versammelten Künstler gehört. Den von Igor Eskinja (geb. 1975) beispielsweise, der in der Ausstellung in der Galerie Michaela Stock mit einer sehr fragilen Arbeit besticht: Es handelt sich dabei um Blätter, die er dem Sonnenlicht ausgesetzt hat. Für den Künstler spielt die Abgabe der Kontrolle eine wichtige Rolle, aber auch der Betrachter. Dieser muss die Wahrnehmung scharfstellen, um die feinen Unterschiede erkennen zu können.

Auch Predrag Todorovic (geb. 1966) fordert das Auge mit einer Anhäufung unzähliger Kratzer heraus: Fields, Matrixes heißt seine Serie von Metallzeichnungen, die an Op-Art-Werke erinnern, weil sich der Blick angesichts der kreisenden Formen nirgendwo festhalten kann.

Die Arbeiten von Aleksandar Garbin (geb. 1955) und Silvo Saric (geb. 1965) führen dann wieder näher an das Konzeptuelle heran: Während Garbin zur Befragung der Schwerkraft einen Globus mit einem Holzstab ausbalanciert, bietet Silvo Saric ein traditionelles irisches Rezept seiner Mutter zur Bekämpfung von Magenproblemen an.

Den Betrachter selbst lässt aber auch die Fotoarbeit The Reception Desk von Antun Maracic (geb. 1950) nicht kalt: Über Jahre hinweg hat der Künstler ein Möbelstück dokumentiert, das in der Eingangshalle eines Kinos abwechselnd als Rezeption oder auch Jugendtreffpunkt fungierte, bevor man es schließlich als Versatzstück vergangener Zeiten der Modernisierung geopfert hat. (Christa Benzer, DER STANDARD, 14.11.2013)

Bis 15. 11., Galerie Michaela Stock

Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

Link

www.galerie-stock.net

  • Predrag Todorovic zeichnet auf Metall: Die Arbeiten der Serie "Field" erinnern an Werke der Op-Art.
    foto: galerie michaela stock

    Predrag Todorovic zeichnet auf Metall: Die Arbeiten der Serie "Field" erinnern an Werke der Op-Art.

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