Sammler im Porträt: Von Peter Pilz bis Rudi Klein

Ansichtssache15. November 2013, 17:01
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Das Horten von Uhren und Schmuck ist eine Leidenschaft, die aber auch viel Arbeit macht. Wohin mit der umfangreichen Sammlung? Welche Modelle kaufe ich eigentlich? Und was davon trage ich auch im Alltag? Fünf heimische Sammler geben Einblick in ihre Philosophie.

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foto: christoph pirnbacher

Susanne Widl: "Das Dezente liegt mir nicht"

In den Sechzigerjahren bin ich nach New York gezogen, dort habe ich meine Begeisterung für Art déco entdeckt. Die Brillanten von Harry Winston konnte ich mir damals natürlich nicht leisten, also habe ich Kopien gesammelt. Ich finde noch immer, Schmuck muss nicht zwangsläufig teuer sein. Er sollte nur eigenwillig sein. Schmuck ist doch etwas sehr Persönliches, er ist wie eine zweite Haut. Mein Vorbild sind die prächtigen geschmückten Frauen der Renaissance. Das Dezente liegt mir nicht, ich mag auffälligen Schmuck und wechsle täglich.

Der Blick aufs Dekolleté

Ich habe Sommer- und Winterschmuck. Die Leichtigkeit der Farben dominiert im Sommer, im Winter trage ich mehr schwarze Kleidung, dazu passen Brillanten und Gold, die warmen Farben. Schmuck ist ohnehin die beste Kleidung der Frau. Eine gut angezogene Frau sollte sich schmücken, das gehört einfach dazu. Schmuck erhöht ja auch vorhandene Eigenschaften, eine Halskette lenkt den Blick auf das schöne Dekolleté.

Ich kaufe auf Flohmärkten, in kleinen Parfümerien, manchmal auch von Modedesignern. Online shoppe ich nie, ich muss den Schmuck sehen und angreifen. Man muss schon Zeit investieren, um Frisur, Kleidung, Nagellack, Uhr und Schmuck aufeinander abzustimmen. Es ist aufwändig, aber es freut mich selber und die anderen doch auch. Die Wienerin liebt den dezenten, kleinen Schmuck, der aus echtem Gold ist und eine Wertanlage darstellt. Ich habe gar keinen Anlageschmuck in diesem Sinn, das ist mir nicht wichtig. Man sollte Freude daran haben, Schmuck zu tragen. Manche holen all ihre Reichtümer und Orden nur einmal im Jahr für einen Ball heraus. Was für eine Verschwendung!

Susanne Widl, 1948 in Wien geboren, ist Betreiberin des Wiener Innenstadt-Cafés Korb. Sie spielte in experimentellen Filmen von Valie Export und Peter Weibel mit.

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