"3"-Chef Trionow: "Ja, es gibt momentan Netzprobleme, aber keine großen"

14. November 2013, 10:43
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Der Mobilfunker muss derzeit mit einer Reihe von Problemen klarkommen und will weiter wachsen

Standard: Wann waren Sie das letzte Mal auf dem Facebook-Profil von "3"?

Trionow: Ich bin regelmäßig dort, alle paar Tage. Warum fragen Sie?

Standard: Weil sich dort derzeit viele verärgerte Postings finden. Etwa: "Wann werden eure Mobilfunkprobleme endlich behoben. Sind euch eure Kunden so egal?

Trionow: Hm. Ja, es gibt momentan Probleme, aber keine großen, massenhaften. Die Zusammenführung des Orange- und "3"-Netzes ist eine komplexe Sache. Es gibt noch Dinge, die man optimieren muss.

Standard: Äußert sich der Frust auch in vermehrten Vertragskündigungen?

Trionow: Nein, überhaupt nicht. Wir können eine positive Zwischenbilanz ziehen. Der doppelte Markenwechsel ist sehr gut gelungen. Wir haben die alte Orange und die alte "3" zu einem neuen Unternehmen zusammengeführt. Wir stellen fest, dass wir sehr treue Bestandskunden haben, aber auch viele Neukunden gewinnen. Was nicht heißt, dass wir die Einzelprobleme der Kunden nicht ernst nehmen und so schnell wie möglich lösen werden.

Standard: Vor der Fusion hieß es, der Wettbewerb bleibt heiß. Ihre neue Tarifstruktur lässt es aber nur schwer beurteilen, ob Sie weiter mit heißen Preisen fahren oder nicht.

Trionow: Unsere Preise sind weiter sehr attraktiv. Unser Anspruch beim Rebranding war, dass wir das Beste aus beiden Welten mitgenommen haben. Dass das teilweise etwas kompliziert wirken mag, kann sein. Aber wir schauen, dass wir das in Zukunft weiterentwickeln.

Standard: Attraktiv ist ein relatives Adjektiv.

Trionow: Es gibt leider keinen objektiven Index, mit dem man vergleichen könnte, ob der Tarif sich um x Prozent nach oben oder unten bewegt hat. Das hängt auch davon ab, welche Endgeräte mit drin sind.

Standard: Sehen Sie sich noch immer in der Angreiferrolle?

Trionow: Ja, ganz klar. Wir haben heute einen Marktanteil von 24 Prozent und wollen weiter wachsen. Das kann man nicht, wenn man die Füße stillhält.

Standard: Wie sieht es mit Ihrer Umsatzentwicklung nach der Fusion aus?

Trionow: Wir können mit gutem Gewissen sagen, wir bleiben der einzige wachsende Mobilfunkbetreiber in Österreich.

Standard: Wie wollen Sie angesichts allgemein sinkender Umsätze in der Branche wachsen?

Trionow: Zum einen, indem wir neue Kunden gewinnen. Zum anderen müssen wir versuchen, dem Kunden noch mehr Dienste anzubieten und dafür auch die entsprechenden Erlöse zu erzielen. Das sollte eigentlich auch gelingen, da die Nachfrage nach unseren Produkten immer größer wird. Der Kunde verwendet immer mehr Geräte, immer mehr Autos sind mit SIM-Karte ausgestattet etc. Wir müssen das als Branche nur ummünzen, um eine Stabilisierung der Umsätze zu erreichen. Was nicht heißt, dass die Preise für das Gewohnte steigen werden.

Standard: Die Mitarbeiterzahl ist durch die Fusion insgesamt um 160 Beschäftigte geschrumpft. Warum verlagert man Arbeitsplätze im Callcenter-Bereich von Wiener Neustadt nach Erfurt aus?

Trionow: Das hat ganz klare Kostengründe. Attraktive Preise kann man nur anbieten, indem man effizienter arbeitet. In Ostdeutschland haben wir eine bessere Kostenstruktur vorgefunden, als wir hier haben. Der Callcenter-Standort in Wien wird weiterbehalten. Das ist die Mischung unserer Servicestrategie.

Standard: Wie wird sich die Mitarbeiterseite weiterentwickeln?

Trionow: Beide Marken treten nach außen gemeinsam auf, nach innen sind wir aber noch zweibeinig aufgestellt. Das heißt, es gibt etwa noch zwei Netze, zwei EDV-Umgebungen. Diese und andere Dinge zu vereinheitlichen wird noch mehr als ein Jahr dauern, und es wird keinen weiteren Mitarbeiterabbau geben. Wie es danach weitergeht, kann man jetzt noch nicht genau sagen.

Standard: Thema Nummer eins unter Österreichs Mobilfunkern ist derzeit die Vergabe von Funkfrequenzen, bei der es aus Sicht der Firmen aufgrund des komplizierten Auktionsdesigns zu absurd hohen Preisen gekommen sein soll. Die Telekom-Kontrollbehörde RTR zufolge war das aggressive Verhalten der Teilnehmer daran schuld.

Trionow: Es lag ganz klar am Auktionsdesign. Regulierer und Wettbewerbshüter hatten schon im Vorfeld der Orange-"3"-Fusion das Bild vom schwächeren Wettbewerb gemalt. Diese Bedenken betrafen auch das Auktionsverfahren. Man fürchtete eine Kollision der Teilnehmer, es bestand große Angst, dass die Erlöse zu gering ausfallen könnten. Deshalb wurde ein Auktionsdesign mit Parametern gewählt, die das verhindern sollten.

Standard: T-Mobile will deswegen vor Gericht ziehen. Wie lautet Ihre Entscheidung nach den Gesprächen mit der Regulierungsbehörde Anfang dieser Woche?

Trionow: Wir warten auf den Bescheid der Behörde und halten uns nach wie vor die Option offen, eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof einzulegen.

Standard: So oder so: Wie Sie selbst sagten, die Zeche zahlt letztlich immer der Kunde. Wie wollen Sie die Kosten wieder reinholen? Das geht weitgehend doch nur mit Preissteigerungen? Und wer zuerst damit anfängt, hat verloren.

Trionow: Man kann es auf verschiedene Art und Weise reinholen. Man kann mehr sparen oder mehr einnehmen, zum Beispiel durch höhere Preise. Was jetzt passiert, ist davon abhängig, welche Strategien die einzelnen Unternehmen verfolgen.

Standard: Irgendwo muss das Geld jedenfalls herkommen.

Trionow: Stimmt. Die Profitabilität der österreichischen Netzbetreiber ist am unteren Ende im europäischen Vergleich. Das ist nichts, was man einfach schlucken kann. Und da auf allen die gleiche Bürde lastet, wird es am Ende im Wettbewerb irgendwann beim Kunden ankommen. Indem man zum Beispiel beim Netz nicht so viel ausbaut, wie man eigentlich hätte machen können, oder indem man nicht so attraktive Preise bieten kann, wie man sonst hätte anbieten können,

Standard: Auch hier gilt: Wer als Erster anfängt, beim Netzausbau zu sparen, hat verloren.

Trionow: Nicht, wenn alle Anbieter die gleiche Bürde haben. Eine A1 muss nach der Auktion eine Milliarde Euro zurückverdienen. Es ist unrealistisch zu hoffen, dass der Wettbewerb schon dafür sorgen wird, dass die Unternehmen das einfach schlucken. Das wird nicht passieren, denn es gibt nicht mehr viel zu schlucken.

Standard: Als Auflage für die Fusion mit Orange mussten Sie das Netz für alternative, sogenannte MVNO-Partner öffnen. Fest stehen UPC und Mass Response. Wird es noch weitere geben?

Trionow: Wir sind mit weiteren im Gespräch. Die Auflage besagt, dass wir unser Netz auf zehn Jahre für 16 MVNOs zu sehr attraktiven Konditionen öffnen müssen. Wir rechnen tatsächlich mit 16 solchen Netzmitbenutzern.

Standard: „3“ und Orange waren bisher im Firmenkundenbereich nicht unbedingt stark aufgestellt. Was sind hier Ihre Pläne?

Trionow: Wir können als gemeinsames Unternehmen in diesem Bereich jetzt Produkte bauen, die vorher aufgrund von zu geringen Skaleneffekten nicht wirtschaftlich waren. Das heißt, hier entsteht ein ernstzunehmender Wettbewerber in vielen Businesssegmenten für die anderen. Da wird man in Zukunft einiges von „3“ erwarten können.

Standard: Zurück zum Anfang. Was ist ein guter Service für Sie?

Trionow: Das Ergebnis von gutem Service ist ein zufriedener Kunde. Das ist das Maß aller Dinge. Deshalb muss man dafür sorgen, dass möglichst wenig Probleme auftreten. Und wenn Probleme auftreten, muss man gut damit umgehen. Und bei beidem wollen wir besser werden.

Standard: Und wenn die Kunden nicht zufrieden sind?

Trionow: Wenn das Service schlecht ist, müssen wir damit rechnen, dass die Kunden uns irgendwann verlassen. Wir befinden uns gerade in einer ganz neuen Situation, da kann man nur hoffen, dass die Kunden ein bisschen Verständnis haben und nicht gleich die Schlussfolgerungen ziehen. (Das Gespräch führte Karin Tzschentke, DER STANDARD, 14.11. 2013)

  • Jan Trionow (42) arbeitet seit dem Marktstart 2001 bei Mobilfunker Hutchison "3" Austria. Seit 2010 leitet der in Bergen auf Rügen geborene Nachrichtentechniker das Unternehmen, das Anfang des Jahres die Übernahme des Konkurrenten Orange abgeschlossen hat.
    foto: standard/hendrich

    Jan Trionow (42) arbeitet seit dem Marktstart 2001 bei Mobilfunker Hutchison "3" Austria. Seit 2010 leitet der in Bergen auf Rügen geborene Nachrichtentechniker das Unternehmen, das Anfang des Jahres die Übernahme des Konkurrenten Orange abgeschlossen hat.

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