Meeresschnecke sticht Sexualpartner beim Liebesakt zwischen die Augen

13. November 2013, 18:31
24 Postings

Evolutionsforscher beschreiben ausgeklügelte Fortpflanzungsstrategie einer Unterart der Gattung Siphopteron

Tübingen - Das Tierreich birgt eine schier unglaubliche Vielfalt an Fortpflanzungsstrategien - diese Erkenntnis ist keineswegs neu. An winzigen Meeresschnecken der Gattung Siphopteron beschreiben Forscher vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen nun ein besonders aufsehenerregendes Beispiel für den Liebesakt: Die hermaphroditischen Tiere der bisher unbeschriebenen Art Siphopteron sp.1. kopulieren zwar regulär durch die Übertragung von Spermien in den weiblichen Genitaltrakt; zusätzlich übertragen sie jedoch mit einer Injektionskanüle Prostatasekrete in das Gewebe zwischen den Augen des Partners.

Video: YouTube

Zwar sind sogenannte traumatische Übertragungswege, bei denen Männchen die Körperhülle von Weibchen durchbohren, neben Schnecken von weiteren Tiere bekannt. So durchstechen etwa männliche Plattwanzen den Bauch ihrer Sexualpartnerinnen, um Spermien dirkekt in das dafür vorgesehene Organ einzuführen. Bei vielen Tierarten dient die traumatische Kopulation aber gar nicht der Paarung selbst, sondern wird parallel dazu eingesetzt, um Drüsensekrete zu injiziieren, die bei Weibchen hormonähnliche Wirkungen auslösen.

Erste Vermutungen über Wirkung

Die in der Online-Ausgabe Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" beschriebene Vorgehensweise von Siphopteron sp.1. ist jedoch bisher einzigartig: Die Sekrete werden mit einem Fortsatz zwischen den Augen des Partners direkt in das darunterliegende Gewebe injiziiert.

Die genaue Wirkung diese Sekretübertragung konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Das Forscherteam um Rolanda Lange vermutet aber, dass die Tiere gezielt das zentrale Nervensystem anvisieren. Die in den Sekreten vermuteten bioaktiven Proteine könnten möglicherweise die Fortpflanzungsmechanismen des Partners manipulieren, etwa die Eiablagerate steigern und den Befruchtungserfolg gegenüber der Paarungskonkurrenz erhöhen. (red, derStandard.at, 13.11.2013)

  • Injektion zwischen die Augen: Die traumatische Kopulation der Meeresschnecke Siphopteron sp.1.
    foto: johanna werminghausen

    Injektion zwischen die Augen: Die traumatische Kopulation der Meeresschnecke Siphopteron sp.1.

Share if you care.