Der Friede zu Villach

12. November 2013, 20:56
2 Postings

Die Villacher Faschingsgilde hat - zwei Tage vor Beginn der närrischen Zeit - das neue Faschingsprinzenpaar der Öffentlichkeit überantwortet

Es scheut die konditionsstärkste ORF-Kultursendung, die Seitenblicke, keine Mühe, auch die letzten Fragen der Menschheit zu ergründen: "Wer bin ich am Buffet?", "Wie verstelle ich der ORF-Kamera den Weg?" und "Warum muss ich eigentlich ins verregnete Villach reisen?".

Letzteres war schnell einer Erhellung zugeführt: Die Villacher Faschingsgilde hat - zwei Tage vor Beginn der närrischen Zeit - das neue Faschingsprinzenpaar der Öffentlichkeit überantwortet. Nix wie hin! Da scheut der Küniglberg keine Reportermühe.

Zur Erhellung anderer philosophischer Probleme konnte es indes nicht kommen. Der Berichterstatter landete in einer Urfehde, die zwischen Klagenfurt und Villach mindestens seit der Erfindung des Rades in unterschiedlicher Intensität zu toben scheint und nun zu eskalieren drohte: Der auserwählte Prinz Fidelius LIX. hat nicht in Villach, vielmehr in Klagenfurt das Licht der Faschingswelt erblickt. Öha!

Dem Reporter war allerdings nicht nur die Übermittlung dieser Problematik durch Verweilen in der Krisenzone zu verdanken. Auch sein Beitrag zur Konfliktschlichtung - durch Befragung - kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Seine weise Befragung ergab ja Entscheidendes: Der Prinz ist mit einer Villacherin liiert und "von frühester Kindheit an" habe er "nach Villach gespechtelt." Schließlich Prinzessin Julia IV., die "immer schon geträumt" habe, zu werden, was sie nun war. Auch solch milde Worte müssen die geballten Villacher Fäuste einigermaßen entspannt haben.

Und der ORF-Mediator konnte seine Rückreise hoffentlich mit dem Gefühl antreten, den öffentlich-rechtlichen Friedensauftrag erfüllt zu haben. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 13.11.2013)

  • Prinzessin Julia IV. und Prinz Fidelius LIX.
    foto: screenshot: tvthek.at

    Prinzessin Julia IV. und Prinz Fidelius LIX.

Share if you care.