Bewegend: Medien suchen Partner im Web

12. November 2013, 21:11
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In den nächsten Wochen könnte Bewegung in die langen Verhandlungen von ORF und Verlagen über Bewegtbilder kommen. Die "FAZ" zeigt kurze Versionen von "heute" und "Tagesschau" schon auf ihrem Portal

Frankfurt/Wien – Hilfe für Taifun-Opfer, EU beendet Haushaltsstreit, Aussagen im NSU-Prozess: Seit Montag zeigt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" auf ihrem Onlineportal kurze Bewegtbildnews von ARD und ZDF. In Österreich verhandeln Zeitungsverband und ORF noch über die Nutzung von Bewegtbildern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

"Ich hoffe, dass wir das heuer abschließen können", sagte ORF-General Alexander Wrabetz im Oktober im STANDARD-Interview: "Wir können nicht ständig vom österreichischen Schulterschluss gegen die Googles dieser Welt sprechen, wir müssen das auch einmal tun. Das ist wichtig aus strategischen Gründen."

Simpli-TV ins Web

Ein Rechtsgutachten sollte klären, wie Verlage und Küniglberg da zusammenarbeiten können – Thema hier ist insbesondere die Vermarktung von Bewegtbild­werbung um ORF-Videos auf Zeitungsportalen. Die Prüfung zog sich über mehrere Monate. The­ma ist auch eine Teilberufung des ORF gegen einen Bescheid zu Bewegtbildwerbung auf der TVthek, der die Werbevermarktung auf anderen Portalen erschweren könnte.

In den nächsten Wochen dürften sich Verlegervertreter und ORF gleich zu mehreren Terminen zum Thema treffen. Verhandler auf beiden Seiten sprechen von einem möglichen Abschluss in diesem Jahr. Unter den Zeitungsverlagen soll sich bisher etwa die "Krone" skeptisch zeigen. Das dürfte nicht zuletzt an Investments in eigene Bewegtbildinhalte liegen. Der ORF ist mit Bewegtbildern im Web auf vielen Schienen unterwegs. Seit Monaten denkt er wie berichtet laut über ein Portal für Bezahlabruf nach.

Die Sendertochter ORS etwa prüft technische Konzepte, um ihre heuer gestartete Antennen-Plattform Simpli-TV um eine "Online-Komponente" mit Abruf zu erweitern, sagt ihr Geschäftsführer Michael Wagenhofer dem STANDARD. Das österreichische Filmabrufportal flimmit.com habe eine dieser technischen Lösungen. Ulrich Müller-Uri, Geschäftsführer und einer von drei Flimmit-Eigentümern, bestätigt Überlegungen für eine "Hybridversion" der Simpli-Decoderbox.

"Sehr spannend"

"tv-media" schreibt von Beteiligungsplänen der ORS an Flimmit. Wagenhofer wie Müller-Uri erklären, Einstieg sei kein Thema der Gespräche gewesen. Der Flimmit-Manager fände das allerdings für sein mit Förderungen aufgebautes Start-up "sehr spannend".

Tatsächlich rede Flimmit bisher "mit internationalen Partnern" über "Expansionsschritte" und etwa über Märkte wie Frankreich, Spanien, Belgien; über Lizenzrechte verhandelte der Anbieter auch schon mit WDR und ZDF. Aber erst promotet Flimmit sein zweites Onlinefilmfestival "Streams" mit Ed Moschitz' "Mama Illegal" und "Anfang 80" von Sabine Hieb­ler und Gerhard Ertl im Bewerb.

Bis Ende 2014 will Wrabetz noch einen wesentlichen Schritt im Bewegtbildweb setzen: Ein Social-Media-Programmführer des ORF mit Empfehlungsmöglichkeiten für Sender wie Publikum soll langsam starten. (fid, DER STANDARD, 13.11.2013)

  • Schulterschluss im Web, vorerst nur zwischen Karl Merkatz und Christine Ostermayer beim Onlinefilmfestival "Streams".
    foto: stadtkino

    Schulterschluss im Web, vorerst nur zwischen Karl Merkatz und Christine Ostermayer beim Onlinefilmfestival "Streams".

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