Galileo: Wie Europas GPS-Alternative die Navigation verbessern soll

12. November 2013, 19:14
63 Postings

Größere Abdeckung, höhere Genauigkeiten, bidirektionale Kommunikation

Mit "Galileo" – benannt nach dem Astronomen und Physiker Galileo Galilei – baut die Europäische Union ein eigenes System zur Satellitennavigation auf. Bereits nächstes Jahr sollen erste Dienste angeboten werden, der Vollbetrieb mit einer Flotte aus 30 Satelliten soll frühestens 2020 beginnen. Doch wo liegt der Unterschied zum GPS-System, das heute für Navigationszwecke fast überall im Einsatz ist?

In Vergleich zum heutigen GPS, erklärt TechRadar, wird Galileo in einigen Punkten klar überlegen sein – etwa in Sachen Abdeckung oder Genauigkeit.

Genauere Zeitmessung

Eine Ortungsgenauigkeit von einem Meter soll das System liefern, rund zehn Mal genauer als GPS im Regelfall. Die Basis dafür legen neue Atomuhren auf Wasserstoffbasis. Deren Zeitabweichung liegt bei unter einer Nanosekunde pro 24 Stunden, was essentiell für genaue Nachverfolgung ist. Denn schon ein Fehler von einer Milliardstelsekunde kann bereits eine Schwankungsbreite von 30 Zentimeter erzeugen.

Höhere Umlaufbahn

Dazu kommt, dass die Galileo-Satelliten in größerer Höhe operieren. Dadurch erhöht sich ihr Sichtfeld. Dies führt dazu, dass kompatible Geräte auch in den Häuserschluchten einer Stadt eine höhere Chance haben, schneller Signale von vier Satelliten (der Mindestanzahl, die für eine fixe Positionsbestimmung notwendig ist) zu empfangen. Gleichzeitig wird der Dienst dadurch auch für User in den im hohen Norden Europas verfügbar, der auf der GPS-Landkarte bislang ein blinder Fleck ist.

Zwei-Wege-Kommunikation

Ein weiterer Vorteil von Galileo ist, dass die Satelliten Zwei-Wege-Kommunikation beherrschen. Sie senden also nicht nur Daten, sie können sie auch empfangen und weitergeben. Das wiederum erlaubt die Entwicklung neuer Apps.

Als Navigationsgrunddienst soll Galileo kostenlos verfügbar sein, wurde er doch von den Europäern aus Steuermitteln finanziert. Budgettechnisch kompensierte man einen Großteil der Ausgaben mit Ersparnissen im Bereich der Agrarförderungen. Es soll allerdings auch kostenpflichtige Navigations-Dienste mit garantierter Verfügbarkeit, erhöhter Genauigkeit und der Möglichkeit zum Datenupload geben.

Die USA arbeiten derweil selber an Verbesserungen des bestehenden GPS-Systems. Russland hat mit GLONASS mittlerweile auch ein eigenes System etabliert. (red, derStandard.at, 12.11.2013)

  • Ende des Jahrzehnts soll "Galileo" mit 30 Satelliten in den Vollbetrieb starten.
    foto: esa

    Ende des Jahrzehnts soll "Galileo" mit 30 Satelliten in den Vollbetrieb starten.

Share if you care.