Möglicher Tumor-Marker: Protein treibt Zellen in die Bösartigkeit

13. November 2013, 00:01
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Studie von US-Wissenschaftern unter Beteiligung von Wiener Zellbiologen - Zellskelett-Bestandteil Plectin wandert nach außen

Wien - Das Pankreaskarzinom zählt zu den Krebserkrankungen mit den geringsten Aussichten auf Heilung. Einer der Gründe dafür ist, dass der Tumor zumeist zu spät für eine kurative Operation entdeckt wird. US-Wissenschafter haben mit dem Protein Plectin - seit 30 Jahren in Wien beforscht - einen möglichen Marker für dieses Krebsleiden entdeckt und seine wahrscheinliche Funktion beschrieben.

Die neue Veröffentlichung von Kimberly Kelly, einer in internationalen Fachkreisen bekannten Krebs-Forscherin der Universität von Virginia (USA), kam jetzt in "PNAS" heraus. Als Co-Autoren werden auch Gerhard Wiche und Günther Rezniczek von den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien genannt. Sie steuerten molekulare Proben, Antikörper und Experimente bei.

Wiche: "Wir beforschen Plectin schon seit rund 30 Jahren. Wir haben es entdeckt, benannt und in Zusammenhang zu Krankheiten gebracht. Plectin ist ein sehr großes Protein des Zellskeletts, das die Zellen stützt und als Plattform für die Anlagerung von Botenstoffen in den Zellen dient. Normalerweise findet sich Plectin nur im Inneren der Zellen."

Kimberley Kelly zeigte schon im Jahr 2008, dass das Protein offenbar ein robuster Marker für Pankreaskarzinomzellen ist. Der Wiener Wissenschafter: "Solche Marker wären wichtig, weil man damit eventuell eine frühere Diagnose betreiben könnte. Plectin spielt übrigens auch eine Rolle bei der Krankheit der 'Schmetterlingskinder', bei Muskeldystrophien und Neuropathien."

In die Bösartigkeit getrieben

Die Autoren der neuen Arbeit haben nachgewiesen, dass bei Pankreaskarzinomen das Plectin aus dem Zellinneren an die Oberfläche "marschiert". Dort wird es in kleine Bläschen (Exosome) verpackt, die Plectin zu umliegenden Zellen transportieren. Wiche: "Das bewirkt, dass sich Zellen aus der Umgebung in Krebszellen verwandeln."

Das ist laut den bisherigen Erkenntnissen wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die mit dem Plectin aus den Karzinomzellen kommenden Botenstoffe angrenzende Zellen in die Bösartigkeit treiben. Kimberly Kelly und ihre Co-Autoren konnten dafür einen weiteren Beweis liefern: Injizierte man Mäusen Pankreaskarzinomzellen und trafen die dort auf Gewebe, das kein Plectin aufwies, wuchsen die Tumoren bedeutend langsamer. (APA/red, derStandard.at, 12.11.2013)

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