Von "Idealalten" und "Alten Schachteln"

12. November 2013, 13:58
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Eine Grazer Fotoaktion des Frauenservice bricht mit Schönheitsklischees im Alter

Graz - Gängige Schönheitsklischees basieren auf dem Paradigma der Jugendlichkeit. Solche Leitbilder, die von einem Ablaufdatum der weibliche Schönheit ausgehen, können auf alternde Frauen nicht nur kränkend, sondern krankmachend wirken, sagt das Frauenservice Graz. Seine Plakataktion "Alte Schachtel ?" gibt mit alternativen Bildern von Frauen im Alter 50+ Anstöße zur Reflexion über tradierte Klischees.

Verzweifeln am Idealbild

Ob traditionelle Zuschreibungen der Köchin, Großmutter oder Hausfrau oder neue Rollenbilder wie das der ewig jungen, sportlichen Dame in jugendlicher Pose mit geglätteten Falten und getrimmten Haar: "Solche Sujets der sogenannten "dynamischen Silver Ager" oder "Idealalte" repräsentieren ein Vorbild, dem die meisten älteren Frauen aufgrund ihrer altersbedingten körperlichen Veränderungen kaum entsprechen können", so Projektleiterin Djamila Rieger vom Frauenservice Graz.

Die tradierten und medial transportierten Bilder von weiblicher Schönheit setzen jedoch alternde Frauen einem starken Druck aus. Aber auch bei jungen Mädchen kratzen die ästhetischen Vorgaben am Selbstbewusstsein, so Rieger. Am Dienstag hat sie eine Kampagne mit dem provokativen Titel "Alte Schachtel?" präsentiert.

Fotoprojekt mit echten Modells

Es sind Porträtaufnahmen von selbstbewusst in die Kamera blickenden Frauen, denen das Leben durchaus Spuren ins Gesicht gezeichnet hat. Zuvor hat das Frauenservice in einem öffentlichen Aufruf Frauen ab 45 gesucht, die sich mit der Thematik auseinandersetzen und selbst als Vorbild für alternative Schönheitsbilder zur Verfügung stellen wollten. An die 120 Frauen hätten sich gemeldet, 32 haben letztlich in Workshops intensiv über Alter und Schönheit reflektieren können und in der Gruppe einen selbstbewussten Zugang zu sich selbst entwickeln, so Rieger.

Entstanden sind die Porträts in Kooperation mit Studierenden der FH Joanneum - Informationsdesign. "Der bewusst provokant gewählte Text mit der zutiefst diskriminierenden Phrase aus dem Volksmund wird hoffentlich zum Nachdenken anregen", so eine Studentin. Die Bilder werden im Raum Graz als Plakate auf Dreieckständern und in Auslagen zu sehen sein und landesweit als Freecards zur kostenlosen Entnahme aufliegen. (APA, 12.11.2013)

  • Die Sujets der Serie "Alte Schachtel?" werden in Graz künftig u.a. auf Plakatständern zu sehen sein.
    foto: frauenservice graz

    Die Sujets der Serie "Alte Schachtel?" werden in Graz künftig u.a. auf Plakatständern zu sehen sein.

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    foto: frauenservice graz
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