Mostviertel: Die Himmelsleiter und keine Tabus

15. November 2013, 16:54
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Der geheimnisvolle Geisbühel im Pielachtal ist gleichermaßen unter Etymologen, Nostalgikern und Wanderern beliebt

Bergnamen mit der Stammsilbe „geis", „gais" oder „gaiß" lassen sowohl Heimatforscher als auch Esoteriker aufhorchen. Dahinter verbirgt sich zumeist das keltische „geis", das heilig oder tabu bedeutet und auf Plätze hinweist, die nicht jederzeit und von jedermann betreten werden durften; es handelt sich also um frühere Kultplätze.

Im mittleren Pielachtal vermutet man so eine Stelle nicht auf dem Gipfel des Geisbühels, sondern bei der Ruine Rabenstein, die nach dem Abtragen des Dachs seit dem Jahr 1780 verfällt. Wünschelrutengänger haben dort angeblich eine besonders starke Energie festgestellt, und Druiden sollen an diesem Platz schon vor rund 2500 Jahren zusammengekommen sein. Einen Beweis für beide Behauptung gibt es nicht.

Komplettes Panorama

Die Route führt von einem Aussichtsplatz zum anderen und lädt immer wieder zum Verweilen ein. Beim Anstieg zeigen sich die Höhen beiderseits der Pielach, vom Gipfel sieht man bis ins Alpenvorland und zu den Höhen des Wald- und Weinviertels, von der Josef-Franz-Hütte ein Teil der Voralpen, Schneeberg und Ötscher.

Diese Aussichtsorgie wird an vielen Stellen des Jubiläumssteiges durch den Blick zum Jauerling, zum Ostrong und zum Dunkelsteinerwald komplettiert, zum Schluss hat man die Ruine Rabenstein vor Augen.

Für Nostalgiker mag es einen zusätzlichen Reiz bedeuten, dass man die Distanz zwischen Ausgangs- und Endpunkt mit der schmalspurigen Mariazellerbahn überbrückt. Seit September 2013 werden neue Triebwagengarnituren eingesetzt, die den poetischen Namen „Himmelsleiter" tragen.

Der Aufstieg zum Geisbühel ist etwas steil und teilweise rutschig, das anstrengendste Stück lässt sich aber umgehen. Sonst gibt es keine Probleme, Markierungen und Beschilderungen reichen aus.

Die Wanderroute: Von der Haltestelle Steinschal-Tradigist der Mariazellerbahn geht man ein kurzes Stück talabwärts und wendet sich dann nach rechts auf die rote Markierung. Diese führt zum Edelbauer und dann relativ steil über einen Rücken zur Höhe. Einen überaus steilen Abschneider kurz vor dem Gipfel umgeht man rechts und erreicht in 1½ Stunden ab Ausgangspunkt den Gipfel. Weiter auf der roten Markierung nach Osten zu einer Alm und zur Josef-Franz-Hütte. Gehzeit ab Gipfel eine gute Viertelstunde.

Die eingeschlagene Richtung beibehaltend, steigt man in einen Sattel ab und wählt beim Gehöft Oberzögernitz den nach links abzweigenden Jubiläumssteig, der am östlichen Rand des Röhrenbachtales hinabführt. Schließlich gelangt man in einer weiten Kehre in die Talsohle und wandert zur Bahnstation Rabenstein an der Pielach. Die Gehzeit ab Josef-Franz-Hütte beträgt 2¼ Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 16.11.2013)

  • Der Gipfel des Geisbühels ist vermutlich kein alter Kultplatz. Aber die Aussicht ist trotzdem bezaubernd.
    foto: foto schmidt

    Der Gipfel des Geisbühels ist vermutlich kein alter Kultplatz. Aber die Aussicht ist trotzdem bezaubernd.

  • Am Gemeindeamt Rabenstein gibt es für drei Euro einen Wanderführer zur Burg-Ruine Rabenstein an der Pielach.
Info: Gemeinde Rabenstein; Naturfreunde Rabenstein
    foto: markus haslinger

    Am Gemeindeamt Rabenstein gibt es für drei Euro einen Wanderführer zur Burg-Ruine Rabenstein an der Pielach.

    Info: Gemeinde Rabenstein; Naturfreunde Rabenstein

  • Gesamtgehzeit 4 Stunden, Höhendifferenz rund 600 m. Josef-Franz-Hütte (von Samstag 14 Uhr bis Sonntagabend bewirtschaftet). ÖK25V Blatt 4329-West (Mank), Maßstab 1:25.000; Wanderkarte Pielachtal, Maßstab 1:40.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 4 Stunden, Höhendifferenz rund 600 m. Josef-Franz-Hütte (von Samstag 14 Uhr bis Sonntagabend bewirtschaftet). ÖK25V Blatt 4329-West (Mank), Maßstab 1:25.000; Wanderkarte Pielachtal, Maßstab 1:40.000

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