Lyoness zahlt 300.000 Euro für Altlasten

12. November 2013, 12:55
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Der Strukturvertrieb der Grazer Einkaufsgemeinschaft sorgte für viel Kritik, jetzt bekommen manche Kunden recht

Dass die Grazer Einkaufsgemeinschaft Lyoness intern umbaut, gab das Unternehmen schon vor einigen Wochen bekannt. Kernstück - so hieß es damals - sei die Umbenennung des Strukturvertriebs. Dieser soll nach außen hin klar von der Kunden/Händler-Schiene getrennt werden - das ist die sogenannte Cashback-Karte, mit der Konsumenten sparen können, wenn sie bei bestimmten Geschäften einkaufen.

In Österreich zählen zum Beispiel Kika/Leiner, Baumax oder Zielpunkt zu den Lyoness-Partnern. Das Unternehmen verspricht Inhabern der Cashback-Karte Ersparnisse, wenn sie bei Händlern im Lyoness-System (statt bei der Konkurrenz) einkaufen. Die Geschäfte sollen ebenfalls profitieren - Stichwort Kundenbindung. Für Lyoness springt dabei auch etwas heraus: Bei einem Einkauf um 100 Euro behält sich Lyoness zehn Euro ein. Zwei Euro bekommt davon der Kunde in Form eines "Cashbacks". Wurde der Kunde von einem anderen Lyoness-Mitglied empfohlen, bekommt dieses 50 Cent. Ein weiterer Teil wird an den Vertrieb ausgeschüttet - die Schiene, der nun ein neuer Name und eine neue Marke verpasst werden. Der Strukturvertrieb ist der Bereich, weswegen Lyoness seit ein paar Jahren heftig in der Kritik steht und in Rechtsstreitigkeiten mit (ehemaligen) Mitgliedern verwickelt ist.

Diese "Altlasten" wolle man möglichst rasch bereinigen, sagte Lyoness-Sprecher Mathias Vorbach im November zur Austria Presse Agentur. Laut "Salzburger Nachrichten" (SN) fließt auch bereits Geld. 49 Mandanten des Wiener Anwalts Eric Breiteneder hätten in den vergangenen Tagen Zahlungen von insgesamt 310.000 Euro bestätigt bekommen, bestätigt er den "SN". Anwalt Breiteneder spricht von einem Erfolg, weil in den bisher bereinigten Fällen jeweils der komplette Kapitaleinsatz gutgemacht wurde (allerdings keine Nebenkosten und Zinsen).

Wachstumskurs

Lyoness wurde vor zehn Jahren vom Grazer Hubert Freidl gegründet und zählt mittlerweile nach eigenen Angaben mehr als 3,3 Millionen Mitglieder und 32.000 kleine und mittlere Unternehmen sowie 700 Großkonzerne, mit denen man weltweit in 45 Ländern zusammenarbeitet. Laut Unternehmensangaben stieg der Konzernumsatz von 2011 auf 2012 von 785 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro.

Was die Kritik betrifft, so geht es um sogenannte Businesspakete. Der Kunde leistet eine Anzahlung für künftige Einkaufsrabatte. Die Beträge, die von dem "SN" genannt werden: zwischen 2.000 und 25.000 Euro. Dafür gibt es höhere Rabatte, beziehungsweise kann der Kunde von den Umsätzen anderer profitieren. Ob es sich dabei um ein Schneeballsystem handelt - Kritiker sagen Ja, Lyoness sagt Nein -, prüft unter anderem die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft nach einer Anzeige. Eine Entscheidung gibt es noch nicht.

Verträge nichtig

In einem von Anwalt Breiteneder geführten Prozess kam nun das Landesgericht Krems laut "SN" zum Schluss, dass das Lyoness-Geschäftsmodell einem Schneeballsystem so ähnlich sei, dass die Verträge zwischen der Firma und der betreffenden Businesspaketkundin nichtig seien. Das Urteil wurde laut der Tageszeitung rechtskräftig, weil Lyoness seine Berufung zurückgezogen hatte. Lyoness spricht davon, dass man genügend Munition hätte, in einzelnen Zivilprozessen eine Berufung gewinnen zu können, allerdings stehe es in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zum Aufwand und zur Dauer solcher Verfahren. (red, derStandard.at, 12.11.2013)

  • Geld zurück gibt es jetzt für manche Lyoness-Kunden.
    foto: lyoness

    Geld zurück gibt es jetzt für manche Lyoness-Kunden.

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