Hypo: Eigenkapitalspritze in Tranchen

11. November 2013, 18:12
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Der Kapitalbedarf der Bank könnte sich bis Jahresende auf 1,5 Milliarden summieren. Nun ist geplant, die Geldspritze in zwei Tranchen zu geben

Wien - Verhandelt wird seit Tagen auf Hochtouren. Der Staat wird in seine Hypo Alpe Adria heuer noch einmal Kapital einschießen müssen, so viel ist fix. 1,3 Mrd. Euro werden es in Summe wohl werden, Skeptiker rechnen bereits mit 1,5 Mrd. Euro. Um die Details wird aber noch gerungen. Die Fragen, die die Banker mit der Übergangsregierung und den Bankenaufsehern von Notenbank und FMA diskutieren, kreisen im Wesentlichen um zwei Fragen: In welcher Form wird die Kapitalspritze aufgezogen (Aktienkapital oder Partizipationskapital), und wird gleich die ganze Menge injiziert oder erfolgt die Geldspritze in Portionen?

Anlass für die neuen Debatten ist das Faktum, dass die Hypo erneut mehr Eigenkapital braucht, um nicht unter die gesetzliche Untergrenze von acht Prozent zu fallen. Das hat die Bank Freitagnacht (nach einer Telefonkonferenz der Entscheidungsträger) ad hoc gemeldet. Erst im September hatte die Hypo 700 Millionen Euro vom Steuerzahler bekommen (siehe Grafik), der damals entstandende Kapitalpolster von 82 Mio. Euro ist aber schon wieder aufgebraucht.

Zwei Tranchen

Gemäß Recherche-Ergebnissen des STANDARD dürfte das Geld in zwei Tranchen fließen: 500 Millionen Euro werden per Ende November einbezahlt, der Rest folgt dann zu Jahresende bzw. zum Jahreswechsel. Und: Die Geldspritze wird in Form von Partizipationskapital (PS-Kapital) verabreicht.

Die Überlegungen dahinter: Im Gegensatz zu einer Beteiligung per Aktienkapital, das im Falle einer Insolvenz einer Gesellschaft verloren ist, gäbe es bei PS-Kapital bei einer Pleite zumindest theoretisch die Möglichkeit, von dem Geld irgendwann wieder etwas zurückzuholen. Auch die Wirtschaftsprüfer sollen mit diesem Vorgehen leben können.

All das muss jedenfalls sehr rasch entschieden werden, die Aufsicht ist, wie berichtet, nervös und drückt aufs Tempo. Denn: In dem Moment, in dem die Hypo unter die gesetzliche Eigenkapitalquote rutscht, müsste die Nationalbank (OeNB) die Europäische Zentralbank (EZB) davon verständigen. Der alle zwei Wochen tagende EZB-Rat wiederum könnte dann beschließen, die Hypo von geldpolitischen Maßnahmen auszuschließen; und könnte ihr so beispielsweise den Zugang zu Liquidität erschweren.

Das Zeitkorsett ist also eng, bis spätestens Mitte oder Ende nächster Woche muss die Bank ihren Plan bei den Aufsehern deponieren. Ganz gegessen ist die Entscheidung aber noch nicht; vor allem in der Banken-ÖIAG Fimbag gibt es Stimmen, die gegen die Verabreichung des Kapitalzuschusses in Tranchen votieren.

Im Finanzministerium war man am Montag verschlossen, nur so viel wurde verraten: Der akute Kapitalbedarf der Hypo sei aus den Rücklagen des Ministeriums gedeckt - über Summen wird aber nicht gesprochen.

Zu spät für Bad Bank

Freilich könnte alles noch viel teurer werden. Denn in der OeNB läuft gerade das aktuelle Joint-Risk-Assessment (JRAD) für die Hypo, die ja auch ausländischen Bankenkontrolleuren untersteht. In diesem Verfahren werden gemeinsam die Risiken und Eigenmittelerfordernisse neu errechnet. Der derzeit noch geltende JRAD-Bescheid schreibt der Bank ab Ende des Jahres eine Eigenmittelquote von 12,4 Prozent vor.

Die Gründung einer Bad Bank als Deponie für faule Assets könnte den Kapitalbedarf drastisch reduzieren. Gegen sie hat sich Finanzministerin Maria Fekter aber erfolgreich quergelegt, nun wird es zeitlich eng. Ein Involvierter zu fasst die Sache so zusammen: "eine Feuerwehraktion". (Renate Graber, DER STANDARD; 12.11.2013)

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