Kofi Annan will Konsum drosseln

11. November 2013, 16:03
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Die Erwartungen an die Klimakonferenz in Warschau sind bescheiden. In Österreich werden mit Umweltschutz mittlerweile 33 Milliarden verdient

Die Vereinten Nationen suchen derzeit nach neuen Antworten auf die Klimafrage. Für 14 Tage treffen sich Vertreter von rund 190 Nationen in Warschau, um gemeinsam ein neues Klimaabkommen vorzubereiten. Bis 2015 soll es ausgehandelt sein, in Kraft treten soll es 2020. Aber die Erwartungen sind bescheiden, auch, weil Gastgeberland Polen nicht gerade als ehrgeizig gilt, wenn es um Klimaangelegenheiten geht.

An großen Worten mangelt es zumindest bei der Eröffnungszeremonie dennoch nicht. So bezeichnet die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, den Klimawandel als riesige Herausforderung: "Wir werden entweder alle zusammen gewinnen oder verlieren." Die Klimadiplomatin aus Costa Rica zeigt sich zuversichtlich, dass in Warschau Fortschritte erzielt werden können. Globaler Klimaschutz habe öffentliche und politische Rückendeckung. Ein neuer globaler Klimavertrag sei in Reichweite. Der Präsident der Konferenz, Polens Umweltminister Marcin Korolec, rief zu gemeinsamem Handeln auf. Er betonte, dass alle Staaten ihren gerechten Beitrag zum Klimaschutz leisten müssten: "Jeder muss einen Bestandteil zu der Arznei beisteuern, die unseren Planeten heilen wird."

"Letztendlich geht es ums Überleben", mahnt auch der ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Ich weiß, dass viele daran zweifeln, aber der Klimawandel ist da, und kein Land, reich oder arm, kann den Folgen ausweichen", betont der Friedensnobelpreisträger. Die Erderwärmung werde von vielen Menschen unterschätzt. Auch die "bedenkenlose Ausbeutung der Ressourcen" müsse gestoppt werden. Annan hat auch gleich eine Idee, wie das gehen könnte: "Wir brauchen dringend Umweltsteuern, um den Konsum zu drosseln."

Geld verdienen mit Umweltschutz

Mit Umweltschutz lässt sich übrigens gut Geld verdienen. Im Jahr 2011 wurden in der österreichischen Umweltwirtschaft laut Daten der Statistik Austria insgesamt 32,6 Milliarden Euro erwirtschaftet, das sind knapp elf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Im Jahr 2010 waren es 31,62 Milliraden Euro. In diesem Wirtschaftssegment arbeiteten 2011 rund fünf Prozent der gesamten Erwerbstätigen Österreichs. Die deutsche Wirtschaft macht mit dem Klimaschutz sogar einen höheren Umsatz als die Pharmaindustrie.

Definitionen: Umweltdienstleistungen sind u.a. thermische Sanierung, Installation von Umwelttechnologien, Dienstleistungen der Abfall- und Abwasserbehandlung, Umweltberatung und entsprechende Architektur- und Ingenieurleistungen.

Herstellung umweltfreundlicher Güter: Bio-Produkte in der Landwirtschaft, Niedristenergiehäuser oder Erneuerbare Energien.

Verbundene Güter: z.B. Komponenten von Anlagen, Dämmstoffe

End-of-Pipe Technologien: u.a. zur Abluftreinigung, Abwasser- und Abfallbehandlung, aber auch Mess-, Steuer- und Regeltechnik

Integrierte Technologien: v.a. im Zusammenhang mit erneuerbarer Energie

Unter Umweltwirtschaft verstehen die Statistiker die Produktion von Gütern, Technologien und Dienstleistungen zur Beseitigung von Luftverschmutzung oder Abfall sowie zur Schonung von Umwelt und Ressourcen. Seit 2008 erfasst die Statistik Austria den Bereich. Zahlen zum Vorjahr sind noch nicht greifbar, erst Ende 2013 soll es sie geben, heißt es auf Anfrage. (red/APA, derStandard.at, 11.11.2013)

  • Klimaschutz - gut für die Umwelt, gut für die Kassen.
    foto: reuters/doce

    Klimaschutz - gut für die Umwelt, gut für die Kassen.

  • Statistik Austria: Umweltgesamtrechnungen

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