ESA-Satellit GOCE beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht

11. November 2013, 12:54
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Nach über vier Jahren endete die Mission des geowissenschaftlichen Satelliten in der Nacht auf den 11. November

Frascati - Der Satellit GOCE ("Gravity Field and steady-state Ocean Circulation Explorer") ist nach über vierjähriger Mission in der Nacht auf den 11. November beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erwartungsgemäß zum Großteil verglüht, teilte die Europäische Raumfahrtbehörde ESA im italienischen Frascati mit. Der 1,1 Tonnen schwere Satellit sei während eines Überflugs, der ihn über Siberien, den westlichen Teil des Pazifischen Ozeans, den östlichen Teil des Indischen Ozeans und die Antarktis geführt hatte, ohne Komplikationen in die Atmosphäre eingetreten. 

Dass vermutlich etwa 25 % seiner Masse die Erdoberfläche erreichten, stelle keine Gefahr dar, beruhigte der Leiter des ESA-Space Debris Office, Heiner Klinkrad: "In den 56 Jahren seit Beginn der Raumfahrt sind ca. 15.000 Tonnen an von Menschenhand gemachten Weltraumobjekten wieder in die Erdatmosphäre eingetreten, ohne dass jemals Menschen verletzt wurden."

Detaillierte Darstellung des Geoids

Der im März 2009 gestartete Satellit umrundete die Erde mehr als 27.000 mal und zeichnete dabei die Veränderung des Schwerefelds der Erde mit bisher unerreichter Detailtreue auf. Das Ergebnis ist die genaueste jemals erzeugte Darstellung des Geoids –einem hypothetischen globalen Ozean im Ruhezustand –, die dem besseren Verständnis der Ozeanströmungen, des Meeresspiegels, der Eisdynamik und des Erdinneren dient. Weiters trugen die gesammelten Daten dazu bei, die Höhenangaben einzelner Länder in ein einheitliches System zu integrieren. 

An Bord von GOCE befand sich ein Präzisionsinstrument zur Messung des Erdschwerefelds in drei Dimensionen, ein sogenanntes Gravitations-Gradiometer, mit dem hunderte Millionen Messungen des Gravitationsfeldes der Erde getätigt werden konnten. Der Satellit wurde außerdem völlig unerwartet zum ersten Seismometer im All, als seine hochempfindlichen Sensoren Schallwellen des Tiefseebebens registrierten, das Japan am 11. März 2011 schwer traf.

Vier statt zwei Jahre unterwegs

GOCE hatte die Erde in einer vergleichsweise niedrigen Bahnhöhe umkreist - zuletzt etwa 250 Kilometer. Dadurch konnten derart exakte Details des Gravitationsfeldes gemessen werden. Wegen der dort herrschenden atmosphärischen Reibung braucht es permanente Korrekturen, um den Satelliten auf gleicher Höhe halten zu können. Durch den fortschreitenden Verbrauch des Treibstoffs verlor der Satellit in den vergangenen Wochen kontinuierlich an Höhe, im Oktober ging der Sprit endgültig aus. Knapp drei Wochen später endete seine Mission nun - viel später, als ursprünglich angenommen: Die Reise des Satelliten war ursprünglich nur für knapp zwei Jahre geplant, aufgrund unerwartet schwacher Sonnenaktivität fiel der Treibstoffverbrauch jedoch viel geringer aus aus, als erwartet.

An der Auswertung der riesigen Datenmengen waren auch die TU Graz und das Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beteiligt. "Die Aufgabe des Teams war – gemeinsam mit europäischen Partnerinstitutionen – die Berechnung von Schwerefeldmodellen aus den Daten der GOCE-Mission. Zu schaffen war dies nur mit einer in jahrelanger Forschungsarbeit entwickelten Hochleistungs-Software und dem Einsatz von zwei Computer-Clustern der TU Graz", erklärte der ehemalige Rektor der TU Graz, Hans Sünkel. Alles in allem sei es eine wertvolle wissenschaftliche Bereicherung und eine beeindruckende Erfahrung gewesen, in einem derart erfolgreichen europäischen Raumfahrtprojekt mitwirken zu dürfen, so Sünkel. (dare, derStandard.at, 11.11.2013)

  • Der aerodynamisch geformte Satellit umrundete die Erde mehr als 27.000 und sammelte dabei riesige Datenmengen.
    foto: esa

    Der aerodynamisch geformte Satellit umrundete die Erde mehr als 27.000 und sammelte dabei riesige Datenmengen.

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