Linzerauge: Die SPÖ auf dem Weg zum neuen alten Ich

Blog11. November 2013, 15:05
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Vier Jahre Selbstfindung der oberösterreichischen Sozialdemokraten blieben bisher ohne sichtlichen Erfolg

Offiziell hat am vorigen Donnerstag der große Umbau bei Oberösterreichs Sozialdemokraten begonnen. Nach einem Vierteljahrhundert steht jetzt in Linz nicht mehr Franz Dobusch (62) an der Spitze der Stadt. Der Gemeinderat wählte Klaus Luger (53) zu seinem Nachfolger. In nicht ganz zwei Wochen, am 23. November, wird ein weiteres rotes Urgestein mit dem Rückzug aus der Politik beginnen: Josef Ackerl übergibt den Parteivorsitz an Reinhold Entholzer (54). Zwei Monate später räumt er nach 20 Jahren auch seinen Landesratssessel, Gertraud Jahn (56) wird dann auf diesem Platz nehmen.

Hohe Erwartungen

Auf den Nachfolgern ruhen hohe Erwartungen, nicht nur weil sie in große Fußstapfen treten. Die SPÖ hat im schwarzen Oberösterreich schon weit rosigere Zeiten erlebt. Etwa, als Erich Haider bei den Landtagswahlen 2003 seiner Partei einen Stimmenzuwachs von mehr als elf Prozent bescherte und die Roten (38,3 Prozent) gefährlich nahe an die bisher so überlegenen Schwarzen (43,3 Prozent) heranrückten. Doch Haider war es auch, der seine Genossen sechs Jahre später in den Abgrund führte. Ein Minus von fast 14 Prozentpunkten vergrößerte den Abstand zwischen ÖVP und SPÖ wieder gehörig. Abgestraft wegen seines populistischen Führungsstils, versank der SPÖ-Chef mit seiner Partei in der Versenkung.

Um einen sofortigen Neustart hinzulegen, fehlte es jedoch an den dafür nötigen neuen Gesichtern für die erste Reihe . So sprang der heute 67-jährige Ackerl ein, dass Reformprojekt "morgen.rot" wurde geboren. Die Leitung für diesen internen Erneuerungsprozess übernahm Ackerl-Vertrauter Bernd Dobesberger. Ackerl wollte den Vorsitzenden der Kinderfreunde zu seinem möglichen Nachfolger aufbauen. Roland Gschwandtner, neuer Landesparteigeschäftsführer, galt als zweite Option. Namen, die jetzt vier Jahre später, bei der Wahl der neuen Parteiführung nicht mehr in den Mund genommen wurden.

"Eine gewisse inhaltliche Leere"

Offenbar verließ die Roten zu guter Letzt doch der Mut. Entholzer und Jahn, beide beheimatet in den roten Kernkadern Gewerkschaft und Arbeiterkammer und zudem langjährige Gemeinderäte, haben sich parteigetreu nach oben gearbeitet. Die Partei setzte - Erneuerung hin oder her- doch wieder auf das alte System. Woran dieses alte System krankt, hat Neo-Bürgermeister Luger selbstkritisch analysiert: "Eine gewisse inhaltliche Leere", denn die Zeit hat die SPÖ mit ihren gesellschaftspolitischen Konzepten überholt. Wohl auch deshalb ging Linz das Wagnis eines Generationenwechsels ein: Der 36-jährigen Christian Forsterleitner wurde neuer Finanzstadtrat – nachdem er als Landeschef intern nicht durchsetzbar war. Genauso wenig wie Frank Schneider, Chef der gemeinnützigen Landeswohnungsgenossenschaft Lawog, der ebenfalls Interesse an dem Job gezeigt hatte.

Vier Jahre währte nun jene Selbstfindung der Oberösterreichischen Sozialdemokraten. Das Profil nach außen zu schärfen wurde dabei anscheinend vernachlässigt. Außer über Ackerls loses Mundwerk (bezeichnete Kathrin Nachbaur als Stronach-Tussi) oder über den mehr oder weniger freiwilligen Rücktritt von Stadtrat Johann Mayr wegen des Swap-Deals, hörte man zuletzt wenig von den Genossen. Entholzer, schon seit 2012 Verkehrslandesrat, konnte sich angesichts dieser Schlagzeilen bisher nicht in Szene setzen. Was er jedoch als neuer Landeschef schleunigst tun sollte, wenn er wirklich in den nächsten zwei Jahren bis zur Landtagwahl 2015 die Aufholjagd schaffen will. (Kerstin Scheller, derStandard.at, 11.11.2013)

  • Reinhold Entholzer (re.) wird der Nachfolger von Josef Ackerl.
    foto: apa/ rudolf brandstätter

    Reinhold Entholzer (re.) wird der Nachfolger von Josef Ackerl.

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