"Im Weißen Rössl": Achtung, Oldtimer vor der Tür

11. November 2013, 07:13
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Die Neuverfilmung von "Im Weißen Rössl" terrorisiert Auge und Ohr

Wien - Im Weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht eines Tages ein Oldtimer aus dem fernen Berlin vor der Tür. Der verwitwete Wilhelm (Armin Rohde) will seiner widerstrebenden Tochter Ottilie (Diana Amft) jenen magischen Ort näherbringen, wo er mit ihrer Mutter einst so glücklich war. Ottilie, überzeugte Großstädterin, hat da eigentlich schon genug von dem falschen Idyll. Aber das Leben, die Liebe und dieser Film werden sie naturgemäß noch eines Besseren belehren.

Im Weißen Rössl - Wehe, du singst! ist das aktuelle Remake eines österreichisch-deutschen Unterhaltungsklassikers, dessen Geschichte treffend jene eigentümliche Weltvergessenheit darstellt, die hierzulande jeden noch so beinharten historischen Bruch weich überbrückt: Das Singspiel von Ralph Benatzky (der seinerseits auf eine Vorlage von 1896 zurückgriff) wurde 1930 in Berlin erfolgreich uraufgeführt. Nur wenige Jahre später sahen sich Benatzky, seine Ko-Librettisten und Gastkomponisten von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen.

Bereits 1952 wurde die im Salzkammergut angesiedelte Verwechslungskomödie dann (neuerlich) fürs Kino adaptiert. Vor allem die darauffolgende Leinwandversion (Regie: Werner Jacobs) wurde 1960 ein Nachkriegserfolg.

Auch diese Fassung, in der Waltraut Haas, Peter Alexander, Karin Dor, Adrian Hoven und Gunther Philipp die Schlüsselrollen spielten, nahm eine Verlegung des Geschehens in die Gegenwart vor. Die jüngste Adaption, eine österreichische Minderheitsproduktion mit u. a. ORF-Beteiligung, setzt weitere 53 Jahre später an, wirkt aber in vieler Hinsicht wie von damals. Die Zeit vergeht in der malerischen Ö-Provinz halt ein bisserl langsamer.

Verruchte Spitze

Abgesehen von dieser Rückwärtsgewandtheit ist der Film als Musical auch noch der reinste Terror für Auge und Ohr: Die Montage unterminiert die Lieder und ihre Wirkung, und das bisschen im Kreis arrangierte Tanzgymnastik macht beileibe noch keinen Busby Berkeley.

Die Ausstattung ist schrill und vordergründig. Zum Dirndl (was sonst?) tragen die Madln gefiederte Schürzen oder verruchte Spitze am Dekolleté. Vor allem aber will Im Weißen Rössl (Regie: Christian Theede) offenbar eine Parodie sein, die grundlegenden Prinzipien einer solchen scheint man aber nicht verstanden zu haben - am Ende wird der romantische Mainstream affirmiert.

Fritz Karls schlicht gehaltener nächtlicher Auftritt mit Bruno Granichstaedtens schönem Melancholieschlager Zuschau'n kann i net ist ein einsamer Höhepunkt dieses Films - und ein schöner Beleg dafür, dass man Granichstaedten, Benatzky, Robert Gilbert oder Robert Stolz nicht verblödeln und auch nicht auf Billigtechno beschleunigen müsste.  (Isabella Reicher, DER STANDARD, 11.11.2013)

  • Madln in Dirndln: Ottilie (Diana Amft, li.) und Rössl-Wirtin Josepha (Edita Malovcic) bei der Schuhplattel-WM. 
    foto: senator

    Madln in Dirndln: Ottilie (Diana Amft, li.) und Rössl-Wirtin Josepha (Edita Malovcic) bei der Schuhplattel-WM. 

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