KTM 2014: Die Orangerie in Mailand

11. November 2013, 17:07
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Die Mattighofener zeigen auf der EICMA in Italien nicht nur die neue Super Duke R, sondern auch kleinvolumigen Supersport und ein ABS, das selbst in Schräglage funktioniert

Er hat etwas von einem Ameisenhaufen, der KTM-Stand auf der EICMA, der größten europäischen Motorradmesse in Mailand. Leichtbekleidete Mädels, die vorgegeben lüstern in die Kameras grinsen, findet Mann fast überall. Aber hier sind es eindeutig die Motorräder, welche die Leute anziehen wie ein Magnet. In vorderster Front natürlich die neue 1290 Super Duke R.

Letztes Jahr wurde genau hier eine Studie dieses Motorrades gezeigt, und nun steht sie hier die 1290 Super Duke R. Aggressives Design, ganz schön orange. 180 PS holt sie aus dem LC8-Triebwerk, das von der 1190 RC8 R abgeleitet ist. 1301 Kubikzentimeter hat der V2 mit 75 Grad Zylinderwinkel jetzt, und stellt ein Drehmoment von 144 Newtonmeter zur Verfügung.

Fahrmodus "Supermoto"

Inzwischen geht auch KTM mit der Zeit und bringt nicht nur Drive-by-wire und mehrere Fahrmodi – "Supermoto" ist besonders spannend, weil es Driftwinkel und Stoppies zulässt – sondern auch ABS und Traktionskontrolle. Hinter der ganzen elektronischen Magie steckt Bosch mit seinem MTC, das KTM in der Super Duke R verbaut.

Markteinführung, der vermutlich schärfsten Serien-Naked, ist noch heuer. Aber man muss ein bisserl ins Gesparte greifen, will man mit der S-Duke R nächste Saison vorne dabei sein: 18.298 Euro stehen auf der Preisliste. Und da ist der Akrapovic noch gar nicht dabei. Mit Powerpart-Teilen und Sportauspuff kann man dann fast 200 PS aus dem 1,3-Liter-V2 holen.

Kurven-ABS MSC von Bosch

Die wahre Sensation bei KTM ist aber wo anders zu finden. Aber die versteckt sich recht gut. Es ist das System MSC von Bosch. MSC steht für Motorcycle Stability Control und ist das erste ABS, das auch in Schräglage rechtzeitig regelt. Damit kann man nun, bis in den Scheitel hinein, mit ABS bremsen, ohne sich vor einer blutigen Nase fürchten zu müssen. Und endlich ist das Raunzen jener vorbei, die sagen ihr ABS hätte nicht funktioniert, weil sie, schon fast am Raster schleifend, in die Eisen gegriffen haben und übers rutschende Vorderradl abgestiegen sind.

KTM setzt das MSC aber nur in der neuen 1190 Adventure ein, nicht in der Super Duke R. Dafür ist der Aufpreis für das beste Motorrad-ABS mit 399 Euro zwar kein Geschenk, aber auf der fairen Seite. Und die gute Nachricht, für jene, die schon letztes Jahr bei der Adventure zugeschlagen haben: MSC kann für die 2013 Adventure nachgerüstet werden.

Am Boden der Realität

Ein Freileben ist dieses ABS aber auch nicht. Wer mit 100 km/h in eine Kurve fährt, die nur 60 km/h verträgt, wird auch mit MSC nicht aufrecht am Bock sitzend aus dem Scheitel kommen. Ist wie beim ESP beim Auto: Irgendwann ist die Physik stärker als die beste Elektronik. Und wer mutig genug ist, es zu probieren, wird auf den Boden der Realität geholt.

Inklusive Elektronikpaket kostet die neue Adventure 17.998 Euro. Dafür bekommt man eine 150 PS starke Reise-Enduro mit einem 1195 Kubikzentimeter großen V2 und Anti-Hopping-Kupplung.

RC 125, 200 und 390

Mit 5.998 Euro ist die neueste Supersportlerin von KTM schon deutlich günstiger – dafür kommt die RC 390 mit einem 373,2 Kubikzentimeter großen Einzylinder aus. Sie ist die wohl interessanteste Maschine der drei neuen RC-Modelle 125, 200 und 390. Sie sind die supersportliche Weiterentwicklung der Duke-Modelle gleichen Hubraums. KTM spricht natürlich wieder von „ready to race"-Bikes, aber bei der aufrechten Sitzposition wird man für einen halbwegs lustigen Rennstreckeneinsatz wohl jünger als 16 sein müssen.

Dass die RC-Modelle keine reinen KTMs sind, erkennt man auf den zweiten Blick – die Maske passt ja noch zu Kiska – aber die Gabelbrücke schaut schon schwer indisch aus. Und es sind die kleinen Details, wie der Notaus-Knopf, der, so scheint es, orange sein wollte, dann aber ins Rotbraune abrutschte. Aber egal. Denn wer die RC wirklich ordentlich martert, wird sich viel mehr über den programmierbaren Schaltblitz freuen, als an einem Schalter stoßen.

Freeride 250

Was bei all den Neuerungen fast unter den Tisch fällt, ist die neue Freeride. Neben der Viertakter Freeride 350 bringt KTM im Modelljahr 2014 auch eine 250er-Zweitakter, die trotz größerem Tank, um sieben Kilogramm leichter ist als die 350er. Mit der 250er will KTM die Nische zwischen Trial und Hard-Enduro schließen. Auch beim Preis liegt sie da mit 7.198 Euro zwischendrinnen. Zum Vergleich: GasGas 250 TXT Pro: 6095 Euro, KTM 250 EXC: 8498 Euro. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 11.11.2013)

 

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  • Die 1290 Super Duke R mit 180 PS zählt zu den schärfsten Nakeds 2014.
    foto: guido gluschitsch

    Die 1290 Super Duke R mit 180 PS zählt zu den schärfsten Nakeds 2014.

  • Die 2014er-Adventure ist das erste Motorrad mit einem ABS, das auch in Schräglage funktioniert.
    foto: guido gluschitsch

    Die 2014er-Adventure ist das erste Motorrad mit einem ABS, das auch in Schräglage funktioniert.

  • Supersport zum kleinen Preis: Die RC 390 kostet weniger als 6000 Euro.
    foto: ktm

    Supersport zum kleinen Preis: Die RC 390 kostet weniger als 6000 Euro.

  • Dafür darf man dann aber auch nicht zu pingelig sein und muss über Details hinwegschauen.
    foto: guido gluschitsch

    Dafür darf man dann aber auch nicht zu pingelig sein und muss über Details hinwegschauen.

  • Extravagant sind sie jedenfalls, die neuen RC-Modelle, mit ihrer eigenwilligen Maske.
    foto: guido gluschitsch

    Extravagant sind sie jedenfalls, die neuen RC-Modelle, mit ihrer eigenwilligen Maske.

  • KTM baut neben der Elektro- und Viertakter-Freeride nun auch eine Zweitakter mit 250er-Motor.
    foto: ktm

    KTM baut neben der Elektro- und Viertakter-Freeride nun auch eine Zweitakter mit 250er-Motor.

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