Multiversum in Schwechat: Zeit und Geld werden knapp

10. November 2013, 17:27
80 Postings

Das Multiversum-Desaster hält nicht nur Schwechat auf Trab. Was sagt das Land zur Übernahme der Eventhalle? Was steht im Rechnungshofbericht? Wie lange wird das Sportministerium Fördergeld zurückhalten?

Schwechat/Wien - "In absehbarer Zeit", kündigte Hannes Fazekas (SP) an, werde er zurücktreten. Bei einem Misstrauensvotum hatten zehn Rote im Gemeinderat gegen den Bürgermeister gestimmt, zwölf hielten zu ihm. Rund zwei Wochen ist das her, und der Bürgermeister von Schwechat, der über die Kostenexplosion rund um den Bau des Sport- und Veranstaltungszentrums Multiversum stolperte, ist nach wie vor im Amt. Diese Woche soll dem Vernehmen nach ein Nachfolger verkündet werden. Die Opposition mahnte in den vergangenen Tagen zur Eile.

Die Zeit drängt jedenfalls, bald werden weitere Entscheidungen fällig, bei denen die Zukunft der Stadt auf dem Spiel steht. Die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) berichteten, dass die Vereinbarungen zum Multiversum mit der derzeit finanzierenden Bank beziehungsweise mit neuen Investoren bis Mitte Dezember befristet sind - was auch von Multiversumseite bestätigt worden sei. Kommt es hier nicht rechtzeitig zu einer Einigung, wären 25 Millionen Euro an Haftungen für die Stadt fällig. Außerdem soll der Jahresabschluss der Multiversum GmbH 2012 einen Bilanzverlust von 8,2 Millionen ausweisen.

"Zukunftsplan"

Die SP hatte vergangenen Sommer einen "Zukunftsplan" für die Multiversum Betriebs GmbH beschlossen, der eine Komplettübernahme des Zentrums durch die Stadt vorsieht. Dafür hat allerdings die SP allein mit einfacher Mehrheit gestimmt, weshalb sie noch die Genehmigungen des Landes für diesen Schritt brauchen. Aber auch in diesem Punkt heißt es: weiterwarten.

Peter Pinka von den Schwechater Grünen hat seine Zweifel, dass die Gemeindeaufsicht - die prüfen muss, ob die Gemeinde diese Übernahme überhaupt stemmen könnte (Schwechats Schuldenstand soll dadurch bei 80 Millionen Euro liegen) - grünes Licht gibt. Wenn das nicht passiert, "ist es aus" mit der Veranstaltungs- und Sporthalle, meint der Politiker. Was eine Insolvenz für das Stadtbudget bedeuten würde, ist noch unklar.

Und noch in einer weiteren Sache geht das Warten in Schwechat offenbar weiter: Der Rohbericht des Bundesrechnungshofes zum Multiversum sollte vergangene Woche eintreffen. Er liege aber noch nicht vor, hieß es seitens der Stadt. Erfreulich soll dieser nicht ausgefallen sein.

Vorerst kein Geld für Verein

Auf den RH-Bericht warten auch andere, unter anderem das Sportministerium. Von den Ergebnissen macht man dort die Zahlung von Fördergeldern abhängig, die "für die Bildung eines verbandsübergreifenden Spitzensport-Leistungszentrums Ost" zugesagt wurden, wie Ministeriumssprecherin Anja Richter sagte. Der entsprechende Verein sitzt - richtig - im Multiversum.

Fix sind die Sportförderungen des Bundes für die Errichtung der Halle: Insgesamt 7,8 Millionen Euro wurden in sechs Raten bis 2017 zugesagt, sagte Richter. Ganz genau will es das Team Stronach wissen: Es hat Ende Oktober zur "Gewährung und Kontrolle von Bundes-Sportfördermitteln" eine ausführliche Anfrage an Sportminister Gerald Klug (SP) eingebracht. Richter sagte, die Zahlungen seien fix, da sie die Errichtung des Veranstaltungszentrums beträfen - und diese Leistung sei ja erbracht worden.

Diese Raten teilen sich laut Richter in Gelder für die Errichtung des Tischtenniszentrums der Werner Schlager Academy im Multiversum und "für die Wettkampfhalle" auf. Die Mehrzweckhalle dient allerdings auch anderen Events - wie zum Beispiel Konzerten. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 11.11.2013)

  • Die Halle im Multiversum wird auch für Galaabende genutzt. Der Abschluss der Multiversum GmbH 2012 soll einen Bilanzverlust von 8,2 Millionen Euro ausweisen.
    foto: multiversum

    Die Halle im Multiversum wird auch für Galaabende genutzt. Der Abschluss der Multiversum GmbH 2012 soll einen Bilanzverlust von 8,2 Millionen Euro ausweisen.

Share if you care.