Mobilfunker bekommen Konkurrenz durch Quereinsteiger

10. November 2013, 13:09
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Mass Response mietet sich 2014 in das Netz von "3" ein - Ex-TA-Tochter in Telekom-Affäre verwickelt

Kaum ist mit der Übernahme von Orange durch Hutchison Austria ("3") die Marktkonsolidierung in Österreichs Mobilfunkmarkt auf den Weg gebracht, geht die Preisschlacht weiter. Denn die drei verbliebenen Mobilfunker bekommen neue Konkurrenz: Der Mittelständler Mass Response werde sich als Quereinsteiger in das "3"-Netz einmieten und ab 2014 Dienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden anbieten. Das teilte das mit Televoting für TV-Shows und Callcenter-Technik aktive Unternehmen mit. Ein Vertrag als Virtueller Operator (MVNO) bei Hutchison sei fixiert, die Basis für den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft gelegt.

Bis zu 16 Quereinsteiger

Damit funken in Österreich bald fünf Anbieter, denn neben Mass Response hat auch Kabelnetzbetreiber UPC eine Nutzung des Hutchison-Mobilfunknetzes vereinbart. Dessen Markteinstieg ist freilich der Zustimmung der EU-Kommission zur Orange-Übernahme durch "3" geschuldet. Mobilfunk-Untermieter waren Bedingung für das grüne Licht aus Brüssel. Insgesamt muss die Tochter des Hongkonger Mischkonzerns seine österreichische Infrastruktur bis zu 16 Quereinsteigern zur Verfügung stellen.

Die Untermieter ersparen sich mit der Einmietung ins Hutchison-Netz den kostspieligen Aufbau einer eigenen Infrastruktur. Der Trend ist nicht neu: Hutchison selbst hatte sich bis zum Aufbau des eigenen Netzes bei A1 Telekom Austria (TA) eingemietet.

Schatten der Vergangenheit

Pikantes Detail am Rande: Der Name Mass Response weckt bei Platzhirsch A1 Telekom Austria (TA) wenig angenehme Erinnerungen: Im Zuge des Korruptionsskandals traten ungeklärte Zahlungsflüsse an die PR-Firma von Peter Hochegger beim Erwerb der Mass Response durch die TA im Jahr 2007 zutage. Auch wurde wegen Betrugsverdachts im Zusammenhang mit Gewinnsendungen ermittelt. Mass Response Service (MRS) gehört mittlerweile dem Ex-Technikchef von Mass Response, Franz Pichler. 2007 hatte TA 20 Mio. Euro für MRS gezahlt, handelte sich aber einen Verlust von 46 Mio. Euro ein (der Standard berichtete ausführlich).

Stress in Ostösterreich

Die Hoffnungen der Netzbetreiber, die für die soeben ersteigerten neuen LTE-Funkfrequenzen mehr als 2,014 Milliarden Euro an die Republik zahlen müssen, auf Entspannung an der Preisfront schwinden vor diesem Hintergrund. Vor allem die finanzstarke UPC gilt in der TA als besondere Herausforderung vor allem in Ostösterreich, kann sie über ihr Kabelnetz neben TV und Festnetztelefon künftig via Handy echte Konvergenzprodukte anbieten.

Für die Montag und Dienstag stattfindende Strategieklausur des Aufsichtsrats mit angeschlossener Aufsichtsratssitzung bedeutet das Stress. Nach der Frequenzauktion, die A1 rund eine Milliarde Euro kostet, kann der TA-Vorstand unter Generaldirektor Hannes Ametsreiter seinem Kontrollorgan auch an Erlös- und Wettbewerbsfront im wichtigen Heimmarkt nicht über Entspannung berichten. An Kraft verloren haben auch Ertragsbringer wie Bulgarien und Kroatien, wo mit dem EU-Beitritt auch noch Roaming-Erlöse wegbrechen.

Bonitätsherabstufung

Für verhaltene Stimmung dürfte auch die Bonitätsherabstufung sorgen, die auf die Frequenzauktion folgte. Sie macht das Schuldenmachen teurer - und Schulden wird die TA machen müssen, schließlich sind die Frequenzen zu zahlen. Dem Vernehmen nach wollen die Betreiber im Finanzministerium eine Ratenzahlung erwirken. Einer Klage gegen die Auktion geben TA-Insider kaum Chancen. Das Verfahren sei wasserdicht und gegen den Preis, zu dem man ersteigert habe, könne man schlecht klagen, zumal die TA technisch gut bedient wurde.

In Finanzkreisen erwartet man, dass die TA zur Finanzierung aus ihrem Mittelfrist-Fremdfinanzierungsrahmen noch heuer eine Anleihe auflegt. Der Markt sei offen dafür, heißt es. Eine Kapitalerhöhung um mindestens eine Milliarde bleibt dennoch Thema. Sie soll finanzielle Flexibilität sicherstellen, die Eigenkapitalquote stärken und den angestrebten Expansionskurs absichern, der wegen der Frequenzauktion vor einigen Wochen unterbrochen werden musste. Wie berichtet, wollte A1 in Serbien den Kabelbetreiber SBB kaufen, sprang dann aber ab. Serbia Broadband hätte knapp eine Milliarde Euro gekostet, ging an Finanzinvestor KKR.

Eine Beschlussfassung auf Vorrat ist laut TA-Aufsichtsratsmitgliedern nicht zu erwarten. Es sei nicht eilig mit dem frischen Geld. Angepeilt wird dafür, wie berichtet, die Hauptversammlung im Mai. Bleibt der Aktienkurs niedrig, kommt die ÖIAG der Erhalt ihrer 28,42 Prozent billiger. Das gilt freilich auch für Großaktionär America Movil. (ung, Reuters, DER STANDARD, 10.11.2013)

Update 17:30: Artikel aktualisiert

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Telekom wurde eine ungeliebte Tochter los

  • In Österreich kamm bald mit einem neuen Mobilfunker telefoniert werden. Mass Response mietet sich 2014 in das "3"-Netz ein.
    foto: standard/cremer

    In Österreich kamm bald mit einem neuen Mobilfunker telefoniert werden. Mass Response mietet sich 2014 in das "3"-Netz ein.

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