Was gesunde Chefs können sollten

10. November 2013, 15:16
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Die Fähigkeit zur Selbstführung und damit einhergehend das Bewusstsein, Vorbildwirkung zu haben, sind der Schlüssel zu gesundem Führen

Bei allzu oft hingeworfenen Schlagworten aus der Managementwelt regt sich gern der Verdacht, Zeuge zu sein, wie auf den Wellen einer Mode geritten wird. Zum "gesunden Führen" legte Jörg Felfe, Professor an der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität, beim Symposium des Hernstein-Instituts mit selbigem Thema am Donnerstag schnell klar, dass von kurzlebiger Mode keine Rede sein kann. Es ist auch nicht schwer: Rapide Zunahme psychischer Erkrankungen, in Österreich sehr hoher Zustrom in Invaliditätspensionen, deutlich kürzere Lebenserwartung bei krankheitsbedingt früherem Pensionsantritt plus sämtlichen Folgekosten für Lebenszufriedenheit und Gesundheits- respektive Krankenkassen.

Eigene Überlastung als Risikofaktor

Dass die Firma nicht allein verantwortlich für das Wohl der Arbeitnehmer sein kann, ist auch klar. Allerdings sind Rahmenbedingungen und Führungsverhalten die Stellschrauben, wenn Unternehmen ihre eigene Zukunftsfähigkeit, längere Arbeitsfähigkeit ihrer Belegschaft und ein bestmögliches Miteinander der Generationen gestalten wollen. So werde, sagt Felfe, oft die eigene Überlastung der Führungskräfte zum Risikofaktor für die Mitarbeiter. Der Cocktail ist bekannt: Weniger Ressourcen, weniger Unterstützung, Weitergabe von Druck, Rollenkonflikte, Unsicherheit, permanenter Change mit ungewissem Ausgang. Wertschätzung, Sinnvermittlung, Vertrauen und Zutrauen, Offenheit und Anerkennung seien die idealen Führungsmittel, um gesundheitsförderlich zu wirken. Allzu oft aber bleibt es bei verletzender Kritik, autoritärer Bevormundung, bei Launen, bei distanziertem Kontakt. Felfe sieht im Modell der tranformationalen Führung die fruchtbringendsten Ressourcen, die Interna in Unternehmen zum Besseren zu wenden. Grundsatz: "Wer andere führen will, muss sich selbst führen können - das bedeutet: sich selbst gegenüber und den eigenen Leistungsgrenzen gegenüber achtsam zu sein." Nicht selten beobachtet: Führungskräfte, die sich selbst in ständige Überforderung einlassen, können ein Nein von Mitarbeitern nicht ertragen - und die Spirale setzt sich fort.

Gesundheit zum Thema machen

Bei den Rahmensetzungen gehe es zuerst auch einmal bewusst darum, Gesundheit zum Thema zu machen, also hinzusehen und anzusprechen. Betriebliches Gesundheitsmanagement dürfe dabei als grundlegende Struktur dienen, um in der Entwicklung von Führungskräften zum gesunden Führen aufzusetzen. Weiteres Schlagwort: "Health oriented Leadership". Die Grenze verlaufe immer dort, wo übertriebene Fürsorge und Bevormundung zu Hause sind. "Healthism" als ungutes Schlagwort dafür.

Und der Weg zum Besseren? Info der Belegschaft über Ziele und Ablauf des Projektes zum gesunden Führen. Bestandsaufnahme aus Mitarbeiter- und Führungskräftesicht. Auswertung der Befragungen, Verständigung über die Ergebnisse. Maßnahmen, Lösungsvorschläge plus konkrete Schritte und Zeithorizonte festlegen. Erfolge feiern sollte dann wohl auch nicht fehlen.

Felfe: Gesundes Führen sei zentrale Aufgabe des Managements, um organisationale Produktivität zu erhalten und zu fördern. (kbau, STANDARD, 9./10.11.2013)

  • "Wer andere führen will, muss sich selbst führen können."
    foto: istockphoto.com / estate of stephen laurence strathdee

    "Wer andere führen will, muss sich selbst führen können."

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