Kultur des Scheiterns gesucht

8. November 2013, 17:37
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Wie Innovations- und Gründergeist gestärkt werden können und warum Europas Unternehmen ihren Pendants aus den USA so weit hinterherhinken, wurde beim Alumni-Symposium der Webster University Vienna erörtert

"Wie viele Golfbälle passen in ein Auto?", fragt Ondrej Socuvka, Google-Manager der Slowakei: "Es sind 7327." Mit solchen Fragen wurden potenzielle Google-Mitarbeiter jahrelang bei Bewerbungsgesprächen konfrontiert. Für Google ein Baustein, um kreative Mitarbeiter an Land zu ziehen. "Verrückte Ideen außerhalb des Vorstellbaren" sind es, die Google zum Giganten werden ließen, sagt Socuvka. Jüngstes Beispiel sei Google Glass, der Minicomputer, der in eine Brille integriert wird. Innovation und welchen Nährboden es dafür braucht, war am Dienstag Thema beim 6. Alumni Symposium der Webster University Vienna.

Der Grund, warum amerikanische Unternehmen den europäischen Markt dominieren, sei das "Trial-and-Error-Prinzip". Fallen und Aufstehen als Teil des Gründungsprozesses. Alles eine Frage der Mentalität, glaubt Socuvka: "Europäer haben zu viel Angst vor dem Scheitern."

Rockstars in den USA

Eine Einschätzung, die Daniel Horak von der Crowdfunding-Plattform "Conda" teilt. Während in den USA Entrepeneurs wie Rockstars bejubelt werden, nimmt in Österreich kaum jemand Notiz von ihnen. "Oder kennen Sie Daniel Mattes?", fragt Horak. Der Österreicher wurde im Silicon Valley reich. Der Verkauf des Telefonieportals Jajah brachte ihm 200 Millionen Dollar. Mattes sei "Österreichs Bill Gates", sagt Horak. Um weitere zu produzieren, hofft er auf mehr private Investitionen. Die österreichische Start-up-Szene sei zwar lebendig, nur der Erfolg auf internationaler Ebene lasse oft auf sich warten. Staatliche Stellen, die mit Förderungen zur Stelle sind, gebe es genug, meint Vlad Gozman, Mitbegründer der TEDx Vienna, die Ideen und Gründer zusammenbringen. Initiativen wie Departure oder Mingo helfen Start-ups bei der Finanzierung. Ganz generell orientierten sich viele Unternehmer zu sehr am Anzapfen von Geldquellen, anstatt ihre Ideen zu perfektionieren, kritisiert Gozman. Der Staat solle nicht intervenieren, sondern nur Infrastruktur zur Verfügung stellen. Wünschenswert wären mehr Mentoren und Business Angels, die Jungunternehmer langfristig begleiten.

Andere Marktbedingungen

Mit dem "Step-by-step-Guide" hat Richard Ludmer eine Plattform mitbegründet, die Neuankömmlingen Unterstützung in fremden Städten bietet. Von einer Wohnung bis zu einem Telefonanbieter. Am schwierigsten sei immer noch der erste Schritt, denn: "Viele haben eine Idee, aber keine Unterstützung." Einen wesentlichen Unterschied zu den USA verortet er im Markt. In Europa sind Unternehmer mit vielen Ländern, Sprachen und Regulierungen konfrontiert, in den USA reicht ein Produkt für alle Regionen. Eine Art europäisches Silicon Valley, wo Ideen gedeihen und zur Geschäftsreife gebracht werden, wünscht sich Hinnerk Hansen von Impact Hub. Die Plattform fördert soziales Unternehmertum mit Wissenstransfer und Zusammenarbeit. Auf eine inspirierende Umgebung hofft auch Labinota Isufi, Senat der Wirtschaft Österreich, denn: "Google ist in unseren Köpfen. Hier fängt es an." Nur an der Umsetzung scheitert es. "In Österreich bist du ein Verlierer, wenn etwas nicht klappt", sagt sie. Das müsse sich ändern. (omark, STANDARD, 9./10.11.2013)

  • V. li.: Ondrej Socuvka (Google), Richard Ludmer (Step-By-Step-Guide), Labinota Isufi (Senat der Wirtschaft), Moderator Eric Frey (Standard), Daniel Horak (Conda), Hinnerk Hansen (Hub) und Vlad Gozman (TEDx Vienna).
    foto: standard/hendrich

    V. li.: Ondrej Socuvka (Google), Richard Ludmer (Step-By-Step-Guide), Labinota Isufi (Senat der Wirtschaft), Moderator Eric Frey (Standard), Daniel Horak (Conda), Hinnerk Hansen (Hub) und Vlad Gozman (TEDx Vienna).

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