Wer Leistung bringt, darf auch etwas fordern

10. November 2013, 17:00
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Uniport, das Karriereservice der Universität Wien, lud zum "Job Talk" in die Aula des UniCampus. Diskutiert wurde zum Thema: "Generation Y - neue Bedürfnisse einer neuen Generation"

Work-Life-Balance war das Wort, das vergangenen Dienstag in der Aula des UniCampus beim Uniport-"Job Talk" zur Generation Y am häufigsten gefallen ist. Das Karriereservice der Universität Wien lud zum Austausch über "neue Bedürfnisse einer neuen Generation". Wer allerdings dachte, dass Work-Life-Balance von dieser Generation als Synonym für "weniger Arbeit, mehr Freizeit, aber gleich viel Geld" verwendet wird, der irrte. Zumindest an diesem Abend.

Forderungen bei Leistung

Was diese Generation der nach 1980 Geborenen sehr wahrscheinlich besser kann als die Generationen davor, ist, klar zu formulieren, was sie für den gewünschten Einsatz auf Arbeitgeberseite im Gegenzug für sich fordert, so formulierte es Iris-Sabine Bergmann, Leiterin der Abteilung Personalrecruiting und Organisationsentwicklerin bei der Bawag PSK als eine der geladenen Führungskräfte. Ihre Organisation befinde sich mitten in einem Veränderungsprozess, dafür brauche sie Menschen, die den Willen und Wunsch haben, sich einzubringen, sich zu engagieren - wenn die Leistung stimme, dann dürfe auch gefordert werden.

Auf ein ganz klares Bild ihres Karrierewegs, eine fixe Karriereplanung, darauf wollten sich die geladenen Vertreter der Generation Y nicht festlegen. Das könne man zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn auch gar nicht wissen - bis auf vielleicht die "nächsten Schritte". Über das Wie der beruflichen Tätigkeit herrschte allerdings Klarheit: Sinnvoll solle die Arbeit sein, abwechslungsreich in jedem Fall, herausfordernd und verantwortungsvoll. Auch wenn er selbst noch der Generation Y angehöre, sagt Florian Zulehner, Projektleiter Personalmarketing, Recruiting Österreich/Osteuropa sowie HR-, People- und Talentmanagement-Verantwortlicher bei der Modehandelskette Peek & Cloppenburg, erlebe er selbst die "neuen Bewerber" als sehr gut informiert: "Sie schauen sich die Unternehmen sehr genau an und sie sind selbstbewusst."

Offenheit und Flexibilität

In den vergangenen Jahren wurde auch organisational einiges (auch) für die Jungen, die jetzt auf den Arbeitsmarkt streben, in Bewegung gebracht, so der Tenor der Führungskräfte. Für eine geforderte Work-Life-Balance brauche es schließlich einen strukturellen Rahmen. Weiterbildungsformate unterschiedlicher Art gehören da schon zum Standardrepertoire wie Auszeiten unterschiedlicher Dauer - oft auch anlässlich einer Familiengründung in Anspruch genommen. Solche Angebote seien für eine gelungene Work-Life-Balance notwendig, erklärt Andrea Gritsch, Partner Banking & Finance der Sozietät Wolf Theiss, am eigenen Beispiel pointiert: "Ich habe für das, was ich erreicht habe, nicht meine Hobbys perfektioniert. Ich habe dafür sehr hart gearbeitet."

Gegen viel und falls notwendig auch langes Arbeiten hatten die geladenen Jobeinsteiger nichts. Man müsse sich im Vorfeld darüber im Klaren sein, was gefordert und notwendig sei, um einen Job bestmöglich zu machen, so der Tenor. Nur so könne man sich weiterentwickeln und auf Pfade geraten, die - oft ungeahnt - auch recht spannend seien. Patrick Guggenberger, zurzeit Fellow Associate beim Berater McKinsey, beschreibt eine der Jobvoraussetzungen: die Reisetätigkeit: "Das gehört einfach dazu. Aber ich reise auch gerne, das habe ich schon vor dem Job bei McKinsey gerne getan. Homeoffice gibt es, ja. Aber es ist keine Alternative zur Nähe zum Kunden." Flexibilität sei für ihn ein ganz zentraler Aspekt der Arbeitgeberattraktivität, sagt er. Er selbst wolle überall arbeiten, wo er es möchte und es werde ihm auch gestattet.

Einlassen auf den Job

Auf die Frage, ob sich die Anforderungen an die Jungen seit seinem Dienstantritt bei McKinsey stark verändert haben, antwortet Emanuel Schramp, Associate Principal: "Eigentlich nicht - mehr die Rahmenbedingungen." Er rät den Jungen, sich auf den Job einzulassen: "In den ersten Wochen und Monaten ist man häufig damit beschäftigt, alles möglichst richtig zu machen. Es muss eine Zeit vergehen, bis man zur Erkenntnis kommen kann, ob gerade dieser Job richtig für einen ist oder nicht." Mutig solle man sein, sich vieles Angebotene anschauen, neugierig und wissbegierig bleiben, so die Führungskräfte an die Young Professionals. (red, DER STANDARD, 9./10.11.2013)

  • In der "Fishbowl" wurde in zwei Runden gesprochen, zuerst mit den Young Professionals (li.), danach mit ihren Führungskräften (Bild oben v. li.): Iris-Sabine Bergmann (Bawag PSK), Emanuel Schramp (McKinsey & Company), Florian Zulehner (Peek & Cloppenburg) und Andrea Gritsch (Wolf Theiss). Von hinten: Moderatorin Heidi Aichinger (STANDARD).
    foto: standard/urban

    In der "Fishbowl" wurde in zwei Runden gesprochen, zuerst mit den Young Professionals (li.), danach mit ihren Führungskräften (Bild oben v. li.): Iris-Sabine Bergmann (Bawag PSK), Emanuel Schramp (McKinsey & Company), Florian Zulehner (Peek & Cloppenburg) und Andrea Gritsch (Wolf Theiss). Von hinten: Moderatorin Heidi Aichinger (STANDARD).

  • Gut gelaunte Young Professionals Verena Hotter (Peek & Cloppenburg) und Zeno Grabmayr (Wolf Theiss).
    foto: standard/urban

    Gut gelaunte Young Professionals Verena Hotter (Peek & Cloppenburg) und Zeno Grabmayr (Wolf Theiss).

  • Viktoria Wancata (Bawag PSK) und Patrick Guggenberger (McKinsey).
    foto: standard/urban

    Viktoria Wancata (Bawag PSK) und Patrick Guggenberger (McKinsey).

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