US-Amerikaner wurde acht Mal im Rektum nach Drogen durchsucht

8. November 2013, 11:47
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Mehrfach vergebliche Prüfung durch Röntgen, Tasten, Sonden und Darmspiegelung - Anklageschrift: "Überflüssige Untersuchung völlig außerhalb der Grenzen des menschlichen Anstands"

Ein US-Amerikaner wurde im Bundesstaat New Mexico nach einer Verkehrskontrolle acht Mal vergeblich wegen des Verdachts des illegalen Drogentransports im Rektum untersucht. Der Vorfall, den die Anwälte des Mannes nun laut US-Medien vor Gericht brachten, soll sich im vergangenen Jänner in der Stadt Deming zugetragen haben.

Der 54-jährige David Eckert musste laut seinen Anwälten ohne Befugnis der Behörden "erschreckende invasive Prozeduren" über sich ergehen lassen. Eckert wurde am 2. Jänner am Steuer seines Wagens angehalten, weil er an einem Stopp-Schild nicht gehalten hatte. Den Polizisten schien, dass der Mann die Gesäßbacken zusammendrücken würde, und schlossen daraus, er könnte in seinem Rektum Drogen transportieren.

Fehlende Vollmacht für Gila County

Nachdem ein Drogenspürhund am Fahrersitz angeschlagen hatte, wurde Eckert in das Polizeirevier gebracht und eine richterliche Untersuchungsvollmacht eingeholt. Weil ein Arzt im örtlichen Krankenhaus das Verfahren verweigerte, wurde Eckert in das Gila Regional Medical Center in Gila County überstellt, wo Ärzte die Prozedur durchführten.

Laut Anwälten war die Vollmacht jedoch auf Luna County, den Bezirk, in dem sich Deming befindet, beschränkt. Die Eingriffe hätten deshalb illegal stattgefunden.

Keine Drogen wurden gefunden

Eckert soll insgesamt zwölf Stunden lang festgehalten worden sein. In dieser Zeit lief die Prozedur gemäß eines von KOB4 zusammengefassten medizinischen Protokolls folgendermaßen ab:

  1. Eckerts Bauch wurde geröntgt; keine Drogen wurden gefunden.
  2. Doktoren untersuchten dann Eckerts Anus mit ihren Fingern; keine Drogen wurden gefunden.
  3. Doktoren untersuchten ein zweites Mal Eckerts Anus mit ihren Fingern; keine Drogen wurden gefunden.
  4. Doktoren führten Eckert eine Analsonde ein. Eckert wurde gezwungen, sich vor den Doktoren und den Polizisten zu entleeren. Eckert sah den Doktoren zu, als sie seinen Stuhl durchsuchten. Keine Drogen wurden gefunden.
  5. Doktoren führten Eckert ein zweites Mal eine Analsonde ein. Eckert wurde gezwungen, sich vor den Doktoren und den Polizisten zu entleeren. Eckert sah den Doktoren zu, als sie seinen Stuhl durchsuchten. Keine Drogen wurden gefunden.
  6. Doktoren führten Eckert ein drittes Mal eine Analsonde ein. Eckert wurde gezwungen, sich vor den Doktoren und den Polizisten zu entleeren. Eckert sah den Doktoren zu, als sie seinen Stuhl durchsuchten. Keine Drogen wurden gefunden.
  7. Doktoren röntgten Eckert noch einmal; keine Drogen wurden gefunden.
  8. Doktoren bereiteten Eckert für eine Operation vor, betäubten ihn, führten eine Darmspiegelung durch, bei dem ihm eine Kamera in Anus und Darm eingeführt wurde. Keine Drogen wurden gefunden.

In der Anklageschrift gegen die Stadt Deming und drei verantwortliche Polizisten heißt es: "Die Beklagten handelten völlig außerhalb der Grenzen des menschlichen Anstands, indem sie überflüssige Untersuchungen der Körperöffnungen von unethischen Medizinern durchführen ließen." Die Polizei von Deming war gegenüber CNN und KOB4 zu keiner Stellungnahme bereit. (mcmt, derStandard.at, 8.11.2013)

  • Drei Polizisten in New Mexico wollten auch nach mehrfachen medizinischen Tests nicht an die Unschuld des Verdächtigen glauben.
    foto: daniel schwen/wikimedia (CC-Lizenz)

    Drei Polizisten in New Mexico wollten auch nach mehrfachen medizinischen Tests nicht an die Unschuld des Verdächtigen glauben.

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