"Irgendwann schreibe ich einen Roman"

9. November 2013, 12:00
166 Postings

Viele hegen den Wunsch einmal in ihrem Leben ein Buch zu verfassen, finden aber nicht den richtigen Zeitpunkt. Genau dafür wurde der National Novel Writing Month eingeführt.

Wien - "Das Schreiben hatte für mich so ein bisschen die Romantik verloren, da ich damals von Berufswegen her immer trockene Werbetexte und ähnliches verfasst habe. Mit dem Arschtritt-Faktor, den dieser Monat definitiv hat, habe ich wieder ins Kreative gefunden", sagt die 27-jährige Ingrid Pointecker.

Heute ist sie Autorin, seit kurzem Verlegerin und langjährige Teilnehmerin des NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month. Dieses kreative Schreibprojekt wurde 1999 vom Amerikaner Chris Baty ins Leben gerufen. Damals nahmen 21 seiner Freunde und Bekannten teil - dieses Jahr wird mit einer halben Million Menschen aus der ganzen Welt gerechnet. Ziel ist es, während der 30 Tage des Novembers einen Roman mit mindestens 50.000 Worten zu verfassen. Gewinner sind alle, die diese Marke erreichen - die inhaltliche Qualität wird nicht bewertet. Der Preis ist eine Urkunde, die man sich selbst ausdrucken muss - laut Pointecker gehe es natürlich vielmehr um den immateriellen Wert, das Gefühl am Ende, wenn man es geschafft hat.

Man muss sich Zeit nehmen

Die 33-jährige Wienerin Eva Oberschlick, auf deren Initiative hin Österreich 2009 zu einer eigenständigen Schreibregion erklärt wurde, berichtet: "Ich habe schon von so vielen Leuten gehört: 'Irgendwann schreibe ich einen Roman'. Meist bleibt es aber leider bei diesem Vorsatz. Man muss sich die Zeit zum Schreiben halt irgendwann auch mal nehmen."

NaNoWriMo sei dafür der perfekte Start: man steht unter Zeitdruck, der Zeitraum ist allerdings absehbar und man kann immer mit Unterstützung durch die anderen Teilnehmer rechnen. Die Informatikstudentin Nina Semmelrath ist bereits seit ihrem 16. Lebensjahr dabei. Ihre Leidenschaft für das Erzählen war schon immer groß: mit vier Jahren diktierte sie ihrer Großmutter ihre Geschichten, weil sie sie selbst noch nicht aufschreiben konnte. Sie betont die Vorzüge des NaNoWriMo: "Viele  haben das Problem, dass sie ein Kapitel schreiben und es dann ewig überarbeiten. Oft geht dann lange gar nichts weiter. Man muss versuchen den eigenen inneren Kritiker auszuschalten und einfach draufloszuschreiben. Die Geschichte entwickelt dann irgendwann eine selbstständige Dynamik, die Charaktere bilden einen eigenen Willen und treiben die Handlung von allein voran. Mehr als einmal ist man überrascht, was man da eigentlich geschrieben hat."

Man dürfe aber nicht erwarten, Ende November einen fertigen Roman in den Händen zu halten, so Ingrid Pointecker. "Im November schreibt man die Rohfassung, danach muss überarbeitet werden."

Wie wichtig die Überarbeitungsphase sein kann zeigen die großen Erfolgsgeschichten, die während NaNoWriMo gestartet wurden: vier Romane haben es auf die New York Times Bestsellerliste geschafft, das Buch "Wasser für die Elefanten" von Sara Gruen wurde sogar verfilmt.

Natürlich gebe es während des Monats auch einige Motivationstiefs: "Meist ist es so: je schlimmer es läuft, desto mehr quält man seine Charaktere", meint Pointecker lachend. "Auf der anderen Seite durchlebt man ab und zu regelrechte Schreibexzesse. Dann stapelt sich das Geschirr und die alte Henne-Ei-Überlegung lebt wieder auf: Wer war zuerst da, die Autorenschaft oder die Instant-Nudeln?"

Es ist zu schaffen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den letzten erfolgreich absolvierten Jahren für die Autorin: Es ist zu schaffen. Man kann prinzipiell überall und zu jeder Tageszeit schreiben. Daheim, nachts, im Zug, im Kaffeehaus, in Wartezimmern – man findet irgendwie immer etwas Zeit.

Talent sei beim Schreiben nicht das Hauptkriterium, da sind sich Pointecker und Semmelrath einig. Es gehe vielmehr um Begeisterung und Durchhaltevermögen. Und – wenn man wirklich vorhat vom Schreiben leben zu können – um eine riesige Portion Glück.

Tipps für Neueinsteiger haben die beiden auch: "Am besten ist, nicht zu viel nachdenken und einfach schreiben. Man sollte schon einen gewissen Ehrgeiz, aber keine Verbissenheit, zeigen. Das Wichtigste ist allerdings einfach Spaß am Schreiben zu haben." (Ramona Hampp, derStandard.at, 9.11.2013)

  • Einen Roman schreiben in nur einem Monat? Die Teilnehmer des National Novel Writing Month nehmen es sich vor.

    Einen Roman schreiben in nur einem Monat? Die Teilnehmer des National Novel Writing Month nehmen es sich vor.

Share if you care.