Gute Kabarettisten kommen in die Hölle

7. November 2013, 19:01
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"Nehmen S' den Alten": Die kabarettistische Revue "Ruf der Heimat" im Souterrain des Theaters an der Wien

Wien - Gute Menschen kommen in den Himmel, gute Kabarettisten in die Hölle - pardon: in die "Hölle". Das war schon vor einem Jahrhundert so, als im Souterrain des Theaters an der Wien von Sigmund und Leopold Natzler ein Unterhaltungsetablissement etabliert wurde.

Im von Josef Urban gestalteten Jugendstilambiente unterhielten Größen wie Fritz Grünbaum, Karl Farkas und Robert Stolz. Grünbaum und Stolz sind noch immer da - zumindest deren Texte und Musik; einiges davon kann man in der aktuellen, von Georg Wacks konzipierten kabarettistischen Revue genießen.

Ruf der Heimat nennt sich das neue Programm, und die bunte Truppe rund um das Kernensemble des Letzten Erfreulichen Operntheaters beleuchtet den Heimatbegriff multinational: Peru und Ungarn, Spanien und Deutschland spielen in der klingenden Heimatschau ihre fantasievoll kostümierten Rollen (Musik: Ensemble Albero Verde).

Ein lebenserfahrenes Publikum sitzt hier bei höllengleichen Temperaturen nebst rot-weiß-roten Alkoholika und quittiert den von Martin Thoma vorgetragenen Rat zur Partnerwahl ("Nehmen S' an Alten") mit seligem Schmunzeln. Fast schon ein Seniorenverbot sollte man für die Auftritte von Elena Schreiber aussprechen - als hocherotisch singende und gekleidete Diseuse Suzette LaVoix bringt sie die männliche Besucherschaft in Herzinfarktgefahr. Kollektive Rührung beim von Stefan Fleischhacker (als Wüstensohn) vorgetragenen Heimat, deine Sterne.

Christoph Wagner-Trenkwitz fliegt als Biene Maja über die Wiese und liest als Schulbub einen selbstverfassten Aufsatz über den Limburger Käse. Der Dramaturg der Volksoper steht aber auch als feurige Andalusierin seine Frau - was ihm im Dekolleté an Volumen fehlt, macht er eine Handbreit erdwärts wieder wett. Stürme der Begeisterung. (Stefan Ender, DER STANDARD, 8.11.2013)

10. 11., 20.00 wieder vom 1.-8. April 2014

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www.theater-wien.at

  • Heimatbegriff multinational: (v. li.) Georg Wacks, Martin Thoma, Elena Schreiber, Stefan Fleischhacker, Christoph Wagner-Trenkwitz.
    foto: armin bardel

    Heimatbegriff multinational: (v. li.) Georg Wacks, Martin Thoma, Elena Schreiber, Stefan Fleischhacker, Christoph Wagner-Trenkwitz.

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