Kein Ausbau des Wahlhebammenangebots

7. November 2013, 17:27
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Dem Wiener Krankenanstaltenverbund liegt seit Februar ein interner Bericht zur Wahlhebammenbetreuung vor, der positive Effekte zeigt. Er sieht aber dennoch keine Ausweitung vor

Wien – Weniger Kaiserschnitte und eine kürzere Krankenhausaufenthaltsdauer. Solche Effekte kann laut einem internen Bericht des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) die Betreuung durch eine Wahlhebamme haben – der Weg in Richtung Ausbau des Angebots wird trotzdem nicht beschritten. Nach wie vor ist von den KAV-Spitälern die Semmelweisklinik das einzige Krankenhaus mit dem Angebot, bei der Geburt eine Wahlhebamme dabei zu haben. Diese können Eltern zuvor aus einem Pool auswählen. Wahlhebammen sind im Grund privat zu bezahlen. Kosten: rund 1000 Euro.

Seit Februar 2013 liegt der Bericht "Wahlhebammengeburten an der Semmelweis-Frauenklinik", erstellt im Auftrag des KAV, vor. Das Papier, das dem STANDARD zugespielt wurde, beleuchtet den Zeitraum Mai 2010 bis Ende 2011.  Die Wahlhebammenbetreuung in der Semmelweisklinik wurde seither zwar aus dem Projektstadium in den Regelbetrieb übergeführt, an eine Ausweitung auf andere KAV-Spitäler ist aber nicht gedacht, hieß es am Donnerstag vom KAV. Der Hebammenpool mit maximal zehn Hebammen wird auch nicht vergrößert – wobei im Untersuchtungszeitraum nur sechs Wahlhebammen an der Klinik tätig waren. Im Bericht ist an einer Stelle von einem "passiven Rekrutierungsmanagement seitens der Klinik" die Rede.

Weniger Kaiserschnitte

101 von Wahlhebammen begleitete Geburten wurden in der Analyse verglichen mit 101 Geburten ohne eine solche. Bei den Geburten mit Wahlhebamme wurde in 14 Prozent der Fälle ein Kaiserschnitt vorgenommen, bei jenen ohne diese Betreuung waren es knapp 20 Prozent. Außerdem wurde bei der Hälfte der Geburten mit Wahlhebamme keine Form der Betäubung gegeben. Das war nur bei 31 Prozent der Geburten ohne Wahlhebamme der Fall. Außerdem wurden bei den Wahlhebammengeburten weniger Verletzungen der Geburtskanäle registriert und die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus war insgesamt kürzer: Statt 70 Stunden waren es 50 Stunden. Weiters zeigte sich, dass mit Wahlhebamme bei der Geburt mehr variiert wird und die Mutter weniger oft in Rückenlage das Kind zur Welt bringt (zum Beispiel am Hocker oder in Form einer Wassergeburt). Allerdings wurden bei der wahlhebammenbegleiteten Geburt in mehr Fällen Wehenmittel eingesetzt (bei rund neun Prozent im Vergleich zu drei Prozent).

Streit über Nachfrage

In dem Bericht selbst heißt es wegen der geringen Fallzahlen, dass die Zahlen vorsichtig zu betrachten sind. Darauf wies am Donnerstag auch eine KAV-Sprecherin hin. Außerdem sei kein  Ausbau vorgesehen, weil die Nachfrage nicht steige. Vielmehr nehme die Zahl der Risikogeburten in öffentlichen Spitälern zu (da mehr Frauen über 35 Jahre Kinder bekommen). Dem müsse der KAV Rechnung tragen.

Sehr wohl steigende Wahlhebammen-Nachfrage beobachtet man im St. Josef-Krankenhaus in der Vinzenz Gruppe in Hietzing. Dort sind zehn Wahlhebammen zusätzlich zu 25 fixangestellten Hebammen, von denen einige auch als Wahlhebammen fungieren, tätig. Auch die stellvertretende Leiterin der Landesgeschäftsstelle Wien vom Hebammengremium Österreich, Johanna Sengschmid, sagt: "Das boomt total." (Gudrun Springer, DER STANDARD, 07.11.2013)

  • Hebammenbetreuung bei Geburten ist Usus, mehr Wahlhebammen sind beim KAV aber nicht vorgesehen
    foto: dpa/waltraud grubitzsch

    Hebammenbetreuung bei Geburten ist Usus, mehr Wahlhebammen sind beim KAV aber nicht vorgesehen

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