China: Vor dem großen Finanz-Sprung nach vorn

7. November 2013, 13:57
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China erweitert mit der Internationalisierung seiner Währung seinen Machtbereich, Hongkong ist ein wichtiger Hub dafür

Hinter Julia Leung reiht sich ein Wolkenkratzer an den anderen, Fähren schippern durch den Victoria Harbour. Touristen benutzen sie, um von Kowloon auf die Insel zu kommen und auch Geschäftsleute, die mitunter heiser gegen die Schiffsdiesel anbrüllen müssen, damit ihnen ihre Banker die Kreditlinie noch schnell um fünf Millionen erhöhen. Welche Währung? Egal. (Hongkong-)Dollar, Euro, Renminbi – Hauptsache Geld.

Renminbi wird international

Darum dreht es sich in Hongkong. Und darum achtet man hier auch in besonderer Weise darauf, wie sich die Dinge auf dem Festland und mit dem Renminbi, der Währung der Volksrepublik, entwickeln. Hinter der breiten Fensterfront Büro von Julia Leung, der Unterstaatssekretärin für Finanzen der Hongkonger Regierung, laufen die Fäden zusammen.

2009, sagt sie, habe die Zentralregierung in Peking die Grundsatzentscheidung getroffen, dass sich der Renminbi internationalisieren solle. Seither gehe es damit unglaublich schnell voran. Obwohl sie nicht zu technisch werden will, spricht sie von den unterschiedlichen Regulierungen für private und institutionelle Investoren. Sie spricht von den Billionen an Vermögen in China, davon dass 2010 nur 60 Milliarden Renminbi in Hongkong veranlagt gewesen seien und heute bereits über 800 Milliarden. Sie spricht von der starken Wertsteigerung gegenüber dem Dollar (seit 2005 hat der Renminbi von 8,30 auf rund 6,10 je Dollar zugelegt) und natürlich darüber, dass Hongkong ein Hub für die neue Welt- und Leitwährung sein will. Globale Partnerschaften sollen das absichern, Wien wird als Renminbi-Hub in Zentraleuropa erwogen.

Freie Konvertierbarkeit

Die Kardinalfrage allerdings ist, ob und wann der Renminbi frei konvertierbar sein und was dann geschehen wird. Bisher dürfen Chinesen nur Geld im Wert von 50.000 US-Dollar Jährlich wechseln und ausführen. „Die Annahme ist im Augenblick, dass im Falle der freien Konvertierbarkeit sehr viel Kapital aus China abfließen könnte. Das wäre der wirtschaftlichen Entwicklung natürlich nicht förderlich“, erklärt der aus Österreich stammende und in Hongkong ansässige Reeder Helmut Sohmen Im Gespräch mit dem STANDARD.

Unter anderem deswegen hat Peking Ende September begonnen, Pläne für eine Freihandelszone in Shanghai umzusetzen. Dort sollen unter kontrollierten Bedingungen Bank- und Kapitalmarkt-Regulierungen liberalisiert werden. Bisher mussten Unternehmen, die in China investieren oder einkaufen wollten ihre Dollars oder Euros zur chinesischen Zentralbank tragen, um dafür Renminbi zugeteilt zu bekommen. Zuletzt durften aber schon Firmen aus ausgewählten ostasiatischen Nachbarländern in chinesischer Währung abrechnen. Und in Hongkong wurden sogenannte Dim-Sum-Bonds aufgelegt, mit diesen Anleihen haben etwa Caterpillar, Volkswagen oder auch österreichische Unternehmen bereits Mittel für Investitionen in China aufgenommen.

Exportweltmeister China

Wichtig ist diese Internationalisierung für Peking auch deswegen, weil das Exportweltmeister-Land auf enormen Devisenreserven (vor allem in US-Dollar) sitzt, der größte Gläubiger der USA ist und dadurch von allen Entscheidungen in Washington immer direkt betroffen ist – jeder Zehntelpunkt Abwertung des Dollar etwa kostet Peking bares Geld.

Reservewährung Yuan

Die Royal Bank of Scotland rechnet mit einer freien Konvertierbarkeit des Renminbi bereits 2015. Rongrong huo, für die HSBC in London für das Renminbi-Geschäft zuständig, sagte der Welt: „Das ist das aufregendste Ereignis seit der Schaffung des Euro.“ Sie glaubt, dass es 2017 soweit sein wird, dass die chinesische Währung weltweit auf den Finanzmärkten aufschlägt. Dann könne der Renminbi auch dem Euro seinen Platz als Reservewährung – etwa 16 Prozent der Reserven weltweit sind in Euro gebunkert, drei Prozent in japanischen Yen und der Rest in US-Dollar – streitig machen.

Spätestens ab dann überlagern sich wirtschaftliche, finanztechnische und politische Macht und geben Peking das Gewicht in der Welt, das es für sich reklamiert – auch das ist ein Hintergrund für die Internationalisierung des Renminbi. (derStandard.at, Christoph Prantner, 7.11.2013)

  • Chinas Renminbi auf dem Weg zur neuen Leitwährung.
    foto: epa/how hwee young

    Chinas Renminbi auf dem Weg zur neuen Leitwährung.

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