Viel schneller: Google arbeitet an neuem Kern für Android

7. November 2013, 10:26
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ART soll Dalvik ersetzen - Experimentelle Version in Android 4.4 enthalten - Flüssigeres Scrollen, schnellere Startzeiten

Google plant offenbar einen der wichtigsten Bestandteile von Android auszuwechseln: Unter dem Namen ART entwickelt das Unternehmen derzeit einen Ersatz für die eigenen Virtual Machine Dalvik, die seit den Anfängen des mobilen Betriebssystems für die Ausführung des in Java geschriebenen Programmcodes zuständig ist.

Ausrichtung

Ziel ist es die Performance von Android und all den darauf laufenden Apps grundlegend zu verbessern. So wird der Java-Code sämtlicher Apps vorab kompiliert, so dass er mit annähernd nativer Geschwindigkeit ausgeführt wird, der klassische Overhead einer "Virtual Machine" wie Dalvik also entfällt. Zwar kennt Dalvik auch bereits ähnliche Optimierungen, ART verspricht hier aber noch wesentlich mehr herauszuholen, nicht zuletzt über die Verwendung eines moderneren Compilers.

(Fast) Alles besser

Durch die zentrale Rolle von Dalvik / ART sollen sich diesbezügliche Optimierungen auf alle Bereiche von Android auswirken, wie AndroidPolice berichtet. So verspricht der Wechsel nicht nur schnellere App-Startzeiten, sondern auch einen flüssigeren Ablauf und einen reduzierten Akkuverbrauch, da häufige Tätigkeiten die CPU weniger belasten.

Nachteile

Im Gegenzug werden Apps allerdings um 10-20 Prozent größer, da der kompilierte Code ja ebenfalls wo gespeichert werden muss. Zudem dauert die Installation von Apps durch die folgende Optimierung etwas länger.

Android 4.4

Dass ART nun öffentlich geworden ist, liegt an Google selbst: Ist es doch bereits in Android 4.4 enthalten, und kann über die Entwicklungseinstellungen anstelle von Dalvik aktiviert werden. Google betont dabei, dass dies derzeit ausschließlich für EntwicklerInnen und Partnerunternehmen und nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht ist. Die Performance ist derzeit noch nicht ganz auf dem Stand, den die fertige Version erreichen soll, zudem kann es zu Problemen mit bestehenden Apps kommen.

Ausprobiert

Der WebStandard konnte natürlich trotzdem nicht widerstehen und hat ART gleich einmal ausprobiert. Der erste Boot nach dem Wechsel dauert gute 10-15 Minuten, da alle bestehenden Apps zunächst optimiert werden müssen. Probleme mit dem Kernsystem des Nexus 5 oder den auf dem Gerät installierten Apps gab es nicht. Allerdings gibt es sehr wohl Berichte über nicht mehr startende Apps, allen voran WhatsApp. Wer auf so etwas stößt, kann aber auch problemlos wieder auf Dalvik zurückwechseln.

Auswirkungen

In Fragen Performance fällt bei einem direkten Vergleich mit einem auf Dalvik laufenden Nexus 5 auf, dass das Scrollen in Anwendungen noch ein Stück weicher wirkt. Auch scheint Android mit ART auf Touch-Eingaben - etwa bei Richtungsänderungen - etwas schneller zu reagieren. Allerdings ist das Nexus 5 an sich bereits äußerst flott, so dass die Verbesserungen wirklich nur im direkten Vergleich sichtbar sind.

Benchmark

Laut den Berichten einiger NutzerInnen sollen sich am Nexus 4 die Unterschiede deutlich stärker zeigen. Auch in Benchmarks zeigt sich bei einzelnen Operationen schon jetzt eine Beschleunigung um den Faktor 2.

Android 5?

Wann ART Dalvik offiziell ablösen wird, ist derzeit noch offen. Angesichts dessen, dass Google die Entwicklung nun öffentlich macht, ist aber wohl davon auszugehen, dass man dies bereits für die ḱommende Android-Version anvisiert. Natürlich vorausgesetzt, dass keine grundlegenden Probleme auftauchen, würde sich dies dann wohl den Namen Android 5 verdienen. Laut dem Source Code von Android ist ART übrigens bereits seit mindestens zwei Jahren in Entwicklung. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 07.11.13)

  • In den Entwicklungseinstellungen von Android 4.4 lässt sich bereits auf ART wechseln.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    In den Entwicklungseinstellungen von Android 4.4 lässt sich bereits auf ART wechseln.

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