Cap und der -italismus

6. November 2013, 21:13
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Dass die SPÖ ihrem bisherigen Klubobmann Josef Cap einen Versorgungsposten in ihrem Bildungsinstitut verschafft, sorgt in sozialen Netzwerken für Empörung - Cap selbst sieht sich dorthin zurückkehren, woher er kommt.

Josef Caps Aufstieg in der Politik begann am Parteitag der SPÖ am 28. Oktober 1982. Der aufmüpfige Jungsozialist stellte dem damaligen burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery drei unangenehme Fragen: "Stimmt es, dass du mehr verdienst als der Bundeskanzler? Stimmt es, dass du als Aufsichtsratsvorsitzender verbilligten Strom der Bewag (Burgenländische Elek­trizitätswerke AG, Anm.) beziehst? Ist es wahr, dass du in deiner ­Freizeit mit Maschinenpistolen schießt?"

Welche drei Fragen würde der Cap von 1982 wohl dem Cap von 2013 stellen? In der öffentlichen Wahrnehmung scheint der pragmatische Politiker von heute dem Kery von damals zumindest nicht ganz unähnlich zu sein. So wird das jedenfalls in den sozialen Netzwerken gesehen.

Auf Facebook und Twitter wird jeden Tag eine andere Sau durch das virtuelle Dorf getrieben. Heute ist das Josef Cap. Nach zwölf langen Jahren als Klubobmann der SPÖ wird er in der kommenden Legislaturperiode zum Stellvertreter degradiert werden.

Damit der langgediente SPÖler weiterhin auf sein bisheriges Gehalt von knapp 14.000 Euro kommt, hat ihm die Partei einen Versorgungsposten geschaffen – Cap wird geschäftsführender Präsident des parteieigenen Karl-Renner-Instituts, eine Tatsache, die in den sozialen Netzwerken kaum auf Verständnis stößt.

Da macht sogar ein eigens dafür geschaffenes Wort die Runde: der Capitalismus. Auch Vergleiche mit Monika Lindner werden gezogen. "Gegen Cap ist Lindner eine Versorgungssternschnuppe." Oder mit Hinweis auf den ebenfalls untergebrachten Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer: "Gusenbauer und Cap – das arme Renner-Institut. Tolle Arbeit wird durch diese Köpfe automatisch abgewertet." Oder in Anlehnung an Redewendungen bei parteipolitischen Umbesetzungen: "Früher nannte man sie 'weiße Elefanten', heute Capitalisten. Alte Männer, die für viel Geld nichts arbeiten müssen." SJ-Chef Wolfgang Moitzi will die Gehaltsaufzahlung beim Bundesvorstand in zwei Wochen thematisieren.

Tätigkeit als Publizist

Verteidigende Stimmen von SP-Seite sind dünn ­gesät. Cap versteht die Aufregung nicht: "Ich kehre in eine politische Tätigkeit zurück, die ich bereits vorher hatte", sagt er zum STANDARD. So habe er schon vor seinem Job als Klubchef neben seiner Abgeordnetentätigkeit als Politikwissenschafter publiziert. Cap will sich nun vor allem, gemeinsam mit Pensionistenchef Karl Blecha, dem Verfassen des neuen Parteiprogramms widmen: "Ich bin sehr glücklich über diese neue Aufgabe", sagt er. "Das ist ein Beruf. Und auch andere Abgeordnete haben eine berufliche Tätigkeit außerhalb des Parlaments." (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, 7.11.2013)

  • "Ich bin sehr glücklich", sagt Cap über seine neue Aufgabe.
    foto: der standard/cremer

    "Ich bin sehr glücklich", sagt Cap über seine neue Aufgabe.

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