Porträts vom Älterwerden: Wie man wird, was man ist

6. November 2013, 17:35
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Ausstellung über das Älterwerden - Je nach Perspektive nicht nur ein Verfalls-, sondern auch ein Trennungsprozess

Linz - Jeden Montag, von der Geburt bis zum 18. Geburtstag, hat die österreichische Film- und Fotokünstlerin Friedl Kubelka ihre Tochter fotografiert. Entstanden ist ein Kalendarium aus kleinformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, das nun - nüchtern und an eine wissenschaftlich dokumentierte Forschungsarbeit erinnernd - ein Leben Jahr für Jahr gerahmt und hinter Glas festhält.

Manchmal gibt es Lücken, die werden häufiger, je älter die Tochter wird, die sich - jugendlichem Trennungsdrang geschuldet - der mütterlichen Bitte, sich fotografieren zu lassen, entzieht. Älterwerden, je nach Perspektive, ist eben nicht nur ein Verfalls-, sondern auch ein Trennungsprozess. Das dokumentiert eindrücklich die Arbeit von Richard Avedon (1923-2004), mit der er die letzten Lebensjahre seines Vaters zwischen 1969 und 1973 zeigt und auch die multimediale Arbeit Anna Jermolaewas: Sie machte sich auf die Suche nach fünf ihrer ehemaligen Mitschülerinnen, die sich damals das Versprechen gaben, mit 40 Jahren Selbstmord zu begehen - nach dem Motto: So alt könne und wolle doch niemand werden.

Zum Glück hielt sich niemand an das Versprechen, und Jermolaewa porträtierte, als sie selbst gerade 40 geworden war, die Freundinnen und einen Freund. Klug ist es, diese Arbeit in der Ausstellung als Installation zu präsentieren und damit die formale Strenge und drohende Redundanz einer reinen Fotoporträt-Ausstellung zu brechen.

Die Schau mit Titel Ages ist zurücknehmend und unprätentiös. Nicht die lauten, repräsentativen Porträts stehen im Vordergrund, sondern nüchterne, teilweise auch schmerzvolle Beobachtungen, die Künstler an sich selbst oder zum Teil sehr vertrauten Personen machen. Wilma Hurskainen etwa reinszeniert mit ihren drei Schwestern Kinderfotografien, Seiichi Furuya dokumentiert mit den Porträts seiner Frau zwischen 1978 und 1985 auch ihre zunehmend manifester werdende psychische Erkrankung.

Helga Paris und Roni Horn stellen das eigene Abbild in den Fokus: Paris mit morgendlichen, ungeschönten Selbstporträts und Roni Horn mit gefunden Fotos ihrer selbst - die sie neu arrangiert, als würde sie sich einer Fremden nähern. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 7.11.2013)

Landesgalerie Linz, bis 16. 2. 2014

Link

www.landesgalerie.at

  • Die Zeit schafft Schönheit in vielerlei Gestalt: hier das Foto Nicholas Nixons "The Brown Sisters" (2011).
    foto: maquieira

    Die Zeit schafft Schönheit in vielerlei Gestalt: hier das Foto Nicholas Nixons "The Brown Sisters" (2011).

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