Ich ohne Ego

6. November 2013, 18:32
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"sum": Arbeiten Mark Wallingers in der Galerie Krinzinger

Wien - Ein riesiges Ego muss jemand wohl haben, der in einer Ausstellung circa 30 Porträts von sich selbst präsentiert. So stellt man sich das zumindest vor, bevor man die Bilder gesehen hat. Auf den unterschiedlich großen Leinwandformaten, die Mark Wallinger bis 59 durchnummeriert hat, sind letztendlich nur Versionen des Buchstaben "I" zu sehen, der im Englischen "Ich" meint.

Die mit schwarzer Farbe gemalte Ausführung ist manchmal steif, manchmal brav, ordentlich und reduziert. Dazwischen tauchen aber auch jene "Ichs" auf, die ausufernd sind, fett, raumgreifend und vieles mehr. Dennoch ist allen gemeinsam, dass sie an die Allerweltstypografie Times New Roman erinnern und damit auf eine allzu persönliche Handschrift verzichtet wird. Beim Rundgang durch die Galerie Krinzinger denkt man deswegen auch an die Minimalisten und Robert Morris, der in den 1960ern eine Serie sogenannter "I-Boxes" gefertigt hat.

Jenseits der reduzierten formalen Anknüpfungspunkte geht es Mark Wallinger jedoch eher um die repräsentativen Aspekte von Selbstporträts, die er mit dem Gemälde I am Innocent (2010) auch böse ironisiert: Velazquez' Gemälde von Papst Innocent X (1665) lässt der Künstler an einem Seil um seine eigene Achse rotieren.

Die Repräsentation von Macht, Hierarchien und Rängen wird so zu einer eher peinlichen Selbstbeschau, der der Unschuldsname "Innocent" nur noch das Krönchen aufsetzt.

Der Künstler selbst taucht in der Ausstellung trotz dieses deutlichen Widerwillens gegen das Repräsentative ebenfalls auf. Und zwar in Aufnahmen, die in Londons Straßen entstanden sind. Der Turner-Preisträger von 2007 hat dabei allerdings nur seinen eigenen Schatten gefilmt.

Mark Wallinger geht es bei diesem atmosphärischen Shadow Walk (2011) um das passionierte Beobachten städtischen Treibens. Dazu passt dann auch noch ausgezeichnet das Video Ever Since (2010) im letzten Raum: Zu sehen ist eine riesige Projektion des traditionellen Pall-Mall-Barber-Shops in London, die irgendwie merkwürdig erscheint. Denn beim Zusehen lässt es sich kaum ausmachen, dass lediglich ein zwei Sekunden langer Loop des sich drehenden Logos für die vermeintliche Bewegung des ganzen Bildes verantwortlich ist. (Christa Benzer, DER STANDARD, 7.11.2013)

Bis 14. 11., Galerie Krinzinger

Seilerstätte 16, 1010 Wien

Link

www.galerie-krinzinger.at

  • Eines der fetteren Ichs von Mark Wallinger.
    foto: galerie krinzinger

    Eines der fetteren Ichs von Mark Wallinger.

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